Peter Altmaier Herbstprognose | Bildquelle: dpa

Corona-Beschränkungen "Aus dem Gröbsten noch nicht raus"

Stand: 15.11.2020 14:21 Uhr

Am Montag wollen Kanzlerin Merkel und die Länderchefs ein Zwischenfazit des Teil-Lockdowns ziehen. Im Vorfeld häufen sich Warnungen vor raschen Lockerungen. Nicht nur Wirtschaftsminister Altmaier sieht noch keine Wende zum Besseren.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat vor zu frühen Lockerungen der Corona-Beschränkungen gewarnt. Trotz aller Anstrengungen sei eine Wende zum Besseren noch nicht erreicht. Die Infektionszahlen seien jetzt sogar höher als vor zwei Wochen, sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag".

"Große Anzahl an Übertragungen"

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte für heute 16.947 neue Fälle gemeldet. Das sind 5514 Fälle weniger als noch am Tag. An Sonntagen sind die erfassten Zahlen allerdings meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. In seinem täglichen Lagebericht betont das RKI, dass aktuell weiterhin eine große Anzahl an Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten sei.

Altmaier rechnet damit, dass sich die Deutschen noch weit über den Dezember hinaus einschränken müssen. Zumindest "in den nächsten vier bis fünf Monaten" werde man mit erheblichen Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen leben müssen, so Altmaier. Für das Öffnen von Restaurants und Kinos sehe er aktuell "wenig Spielraum". Ziel müsse es sein, die Infektionswelle nachhaltig zu brechen. "Einen Jo-Jo-Shutdown mit ständigem Öffnen und Schließen der Wirtschaft können wir uns nicht leisten." 

Söder: "Wer zu früh lockert, der riskiert Weihnachten"

Ähnlich äußerte sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Auch er sieht derzeit keinen Spielraum für Lockerungen. "Wer zu früh lockert, der riskiert Weihnachten", sagte er der "Bild am Sonntag". Der CSU-Politiker sprach sich stattdessen für eine Verlängerung oder Verschärfung der Maßnahmen aus: "Wir müssen überlegen, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichen."

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte dem Blatt, dass er für Lockerungen aufgrund der hohen Infektionszahlen keine Grundlage sehe. Sein baden-württembergischer Amtskollege Winfried Kretschmann zeigte sich der "Augsburger Allgemeinen" gegenüber ebenfalls wenig optimistisch, was rasche Lockerungen betrifft, und warnte: "Steigen die Zahlen weiter exponentiell an, wird das zur Überlastung der Krankenhäuser führen."

Und auch in Thüringen sieht man keine Chance zur Lockerung der Maßnahmen. "Ich kann angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen nicht erkennen, am Montag über Lockerungen nachzudenken", sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow der Nachrichtenagentur dpa.

Seit dem 2. November gelten härtere Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie. Sie sollen nach bisheriger Planung bis Ende des Monats gelten. Am Montag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder per Videoschalte eine Zwischenbilanz ziehen.

Schon länger zeichnet sich ab, dass es dort wohl nicht um Lockerungen gehen wird. Am Freitag sagte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, dass "bei diesem Stand der Dinge für Montag jedenfalls keine Lockerungen von Einschränkungen zu erwarten sind".

Montgomery für weitere Einschränkungen

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte der "Augsburger Allgemeinen": "Wenn es so weitergeht wie gegenwärtig, werden wir mit massiven Personalproblemen und am schlimmsten Bettenmangel kämpfen müssen."

Man sehe zwar eine Abflachung des Zuwachses bei den Neuinfektionen, aber keinerlei Abknicken der Infektionskurve nach unten. "Wir werden also - das ist meine Prognose - eher über weitere Einschränkungen reden müssen als über Lockerungen" betonte er.

Städtebund sieht keinen Anlass für Lockerungen

Gegen zu frühe Lockerungen sprach sich auch der Städte- und Gemeindebund aus. Die Infektionszahlen seien nach wie vor zu hoch und die Kontaktverfolgung gelinge nicht flächendeckend, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

Die Schließung von Gastronomie und Kultur sei zwar hart. Aber gerade dies führe zu einer deutlichen Reduzierung der Kontakte zwischen den Menschen. Wichtig sei es, die sachlichen Argumente für die Notwendigkeit der Maßnahmen zu erläutern. "Nur wenn wir das Vertrauen der Menschen erhalten, werden wir gut durch den Winter kommen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. November 2020 um 09:00 Uhr.

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