Annegret Kramp-Karrenbauer | Bildquelle: dpa

Ehelosigkeit von Priestern CDU-Chefin fordert Aufhebung des Zölibats

Stand: 01.02.2020 11:40 Uhr

In der Debatte über Priestermangel und Missbrauchsskandale wird das Zölibat zunehmend in Frage gestellt. CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer plädierte dafür, die Pflicht zur Ehelosigkeit von Priestern abzuschaffen.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wünscht sich eine Abschaffung des Zölibats für Priester in der katholischen Kirche. Das könne helfen, "mehr Menschen für diesen Dienst zu begeistern", sagte die Katholikin den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Die Lebensentscheidung, ohne Familie zu leben, ist für viele eine zu große Hürde."

Sie wünsche sich auch "viel mehr Frauen in der Kirche", sagte Kramp-Karrenbauer. Sie plädierte als "ersten Schritt" dafür, Frauen als Diakoninnen zuzulassen.

"Pastorale Notwendigkeit"

Papst Franziskus hatte erst kürzlich bekräftigt, am Zölibat festhalten zu wollen. Er lässt aber prüfen, ob es Ausnahmen in entlegenen Weltgegenden wie dem Amazonas geben könnte, in denen es einen extrem großen Priestermangel gibt.

Der dortige Bischof, Erwin Kräutler, hatte im Oktober die Kurie gewarnt, dass in manchen Regionen Brasiliens zwei Drittel der Katholiken nicht öfter als dreimal im Jahr die Kommunion empfangen könnten. Deshalb müssten auch verheiratete Männer - sogenannte viri probati - Priester werden können.

Auf der anschließenden Amazonas-Synode zeigte sich eine Mehrheit der Teilnehmer offen für solche neuen Wege. Doch noch ist unklar, wie sich Papst Franziskus in seinem nachsynodalen Schreiben dazu positionieren wird. Er hatte bereits angedeutet, dass es solche Ausnahmen "bei pastoraler Notwendigkeit" geben könnte.

Zuletzt gab es innerhalb der katholischen Kirche Widerstände, das Zölibat in Teilen aufzuweichen. Ex-Papst Benedikt XVI. warnte davor, das Gebot der priesterlichen Ehelosigkeit zu lockern. "Ich kann nicht still bleiben!" schrieb er zur Frage des Zölibats in einem Aufsatz, der in einem Buch des erzkonservativen Kardinal Robert Sarah erscheint. Sarah gilt im Vatikan seit längerem als Gegner von Papst Franziskus.

Frauen im Diakonat?

Die Ehelosigkeit von Priestern ist auch Thema der ersten Synodalversammlung der katholischen Kirche in Frankfurt. Dort beraten 69 deutschen Bischöfe, 69 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und 92 Vertreter katholischer Berufsgruppen über Reformen innerhalb der Kirche.

Schon im Vorfeld machten einige Teilnehmer klar, dass sie sich für Frauen mehr Mitbeteiligung und Mitverantwortung in geistlichen Leitungsämtern wünschen. Zur Frage der Zulassung von Frauen zum Diakonat setzte der Papst im Jahr 2016 eine Kommission ein, die dies prüfen soll. Bisher ist dieses Kirchenamt Männern vorbehalten. Diakone können allerdings im Gegensatz zu Priestern verheiratet sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Februar 2020 um 11:00 Uhr.

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