Hand hält HIV-Test | dpa

Welt-Aids-Tag Corona erschwert Kampf gegen Aids

Stand: 01.12.2020 08:39 Uhr

Die Corona-Pandemie macht den Kampf gegen Aids nicht leichter. Experten befürchten sogar einen Anstieg der HIV-Infektionen durch Corona. Doch es gibt auch Hoffnung.

Von Philipp Wundersee, WDR

Derzeit überlagere die Corona-Pandemie natürlich viele andere Gesundheitsthemen, sagt Christian Körner vom Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie in Hamburg. Das sei bis zu einem gewissen Grad verständlich und notwendig. "Ich würde mir wünschen, dass wieder die Aufmerksamkeit auf die HIV-Pandemie gelenkt wird. Eine Pandemie, die seit mehr als 30 Jahren abläuft, enorme sozioökonomische Folgen in den schwer betroffenen Ländern nach sich zieht und jeden Tag Menschenleben kostet", erinnert Körner, der seit 15 Jahren HIV-Grundlagenforschung betreibt. Daher erfordere das Thema Aids und HIV auch weiterhin Aufmerksamkeit, Ressourcen und Empathie.

Philipp Wundersee

Mehr Aids-Tote wegen Corona?

Die Versorgung der Menschen mit Medikamenten gegen die Immunschwächekrankheit läuft an vielen Stellen der Welt nicht reibungslos, weil die Corona-Pandemie gerade alles überlagere, sagt Winnie Byanyima. Sie ist Leiterin des Anti-Aids-Programms der Vereinten Nationen. An HIV leiden noch immer 38 Millionen Menschen weltweit. Sie befürchtet, dass Corona große Folgen für Betroffene von HIV und Aids hat. Corona könnte allein in diesem Jahr zu knapp 300.000 zusätzlichen HIV-Infektionen und zu mehr als 100.000 Todesfällen führen.

"Die Zahlen sind nicht aus der Luft gegriffen", sagt Virologe Körner. "Sie verdeutlichen eher, welche Kollateralschäden Covid-19 im Gesundheitswesen vieler Länder anrichten können." Weniger Menschen würden sich auf HIV testen lassen und diese Menschen könnten unwissend weitere anstecken.

Rote Schleife | REUTERS

Die Rote Schleife - ein weltweit anerkanntes Symbol für die Solidarität mit HIV-Infizierten. Bild: REUTERS

Allerdings sei die Corona-Pandemie - wie auch HIV in den 1980er-Jahren - eine enorme Triebfeder für wissenschaftlichen Fortschritt. "Für die HIV-Forschung betraf das nicht nur die Entwicklung von antiviralen Medikamenten oder potenziellen Impfstoffen, sondern auch unser Wissen über das Immunsystem selbst", so Körner. Langfristig gehe er davon aus, dass der Erkenntnisgewinn im Zusammenhang mit der Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 auch der Impfstoffentwicklung gegen HIV zugutekommen kann.

Mittel werden umverteilt

Auch Oberarzt Björn Jensen kennt beide Viren sehr gut: das HI-Virus und SARS-CoV-2. An der Uniklinik Düsseldorf forscht und arbeitet er in der HIV-Ambulanz und beschäftigt sich auch mit Corona-Patienten. "Wir haben ein Institut in Äthiopien", erzählt Jensen. Dort erlebe man unmittelbar, wie ein Gesundheitssystem ohne Ressourcen unter der Corona-Pandemie leide. Am Ende könne es in der Corona-Pandemie dazu kommen, dass die Leute Angst haben und nicht in Krankenhäuser gehen. Es laufe weltweit für die HIV-Therapie und Forschung nicht optimal seit Corona. So gebe es bei der Forschung gerade eine Umverteilung von Mitteln. "Das ist aber erst einmal nicht so problematisch. Schlimmer ist, dass durch Corona Therapie, Testungen und am Ende auch Präventionsarbeit nachlassen."

Gesundheitsämter sind überlastet

Dem stimmt Holger Wicht von der Deutschen Aidshilfe zu. Die Gesundheitsämter seien einfach überlastet. Dadurch fielen derzeit leider auch die anonymen Testangebote weg. "Es entstehen so bedrohliche Engpässe. Wir arbeiten jeden Tag daran, dass Menschen sich früh behandeln lassen, damit HIV nicht mehr übertragbar wird", sagt Wicht. Frühe Tests seien wichtig für den Einzelnen und seinen Krankheitsverlauf, aber auch, weil ein Mensch in Behandlung nicht mehr weitere Menschen anstecken kann. "Wenn das Testangebot jetzt verknappt wird, kann es sein, dass das aufgeschoben und verdrängt wird. Dann erleben wir, dass Menschen zu lange damit leben und am Ende eventuell sogar Aids bekommen - was vermeidbar wäre."

Gut leben mit Aids ist möglich

1,7 Millionen Menschen infizierten sich weltweit im vergangenen Jahr neu mit HIV. Fast 700.000 Menschen starben im vergangenen Jahr an der Krankheit. "Patienten, die man in einem guten Zustand diagnostiziert, haben mit einer Tablette am Tag typischerweise eine normale und lange Lebenserwartung", berichtet Oberarzt Jensen. Es gebe sehr große Fortschritte in der Qualität der Medikamente. Anfang des Jahres mussten sie allerdings wegen Corona Kontrollen von HIV-Patienten verschieben, inzwischen konnten sie nachgeholt werden.

Wicht von der Deutschen Aidshilfe warnt vor Versorgungslücken - auch durch Corona und bittet, sich im Zweifel immer testen zu lassen. "Es ist unter Therapie nicht mehr übertragbar. Viele meiden Testungen aus Angst vor Folgen und vor einem Stigma." Man könne mit HIV aber sehr gut leben, arbeiten und Kinder bekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Dezember 2020 um 11:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Siebzehn 01.12.2020 • 16:49 Uhr

Verkehrte Welt

Am 01. Dezember 2020 um 15:57 von ich1961 11:07 von DerCarsten Was soll 11:07 von DerCarsten Was soll da aufgearbeitet werden ? Es wurden planbare Operationen usw. verschoben - keine lebenswichtigen ! Das heißt, das neue Knie kann noch warten, der Covid19 Patient nicht !! ..... Da muß sehr viel aufgearbeitet werden . Die Tochter eien bekannt kann ihre 2. krebs Op hier nicht erhalten , wegen des bereitstellen von Aktubetten für Covid Patienten. Sie hat aber Glück das sie Eltern hat die Beziehungen in die Schweiz hat, wo nächste Woche die nötige Op durch geführt wird . Ich kenne noch etliche andere Fälle . Da mein Umfeld ein diesen Berichte arbeitet. Das fängst son im Bereich Diagnostik an . Geht so weit das eben ganz viel eben nicht zum Arzt gehen , weil die zustände in Krankenhaus für viele eben kaum aus zuhalten sind . Das eine Verzögerung ärztlicher Prevension zu weiteren Schäden führt ist leider die Folgen . der Corona Tunneblick ist kaum mehr zu ertragen .