"Abstand halten, Hygiene, Alltagsmaske" steht auf einem Plakat. | dpa

AHA-Regeln Offenbar Tausende Todesfälle verhindert

Stand: 03.08.2021 16:09 Uhr

Abstand, Hygiene, Alltagsmaske - die sogenannten AHA-Regeln könnten Tausende Todesfälle durch andere Infektionskrankheiten abseits des Coronavirus in Deutschland verhindert haben. Das legt eine internationale Studie nahe.

Die AHA-Regeln haben in Deutschland laut eines deutsch-israelischen Forscherteams offenbar Tausende Todesfälle durch andere Atemwegserkrankungen neben Covid-19 verhindert. Der Studie zufolge lag die Übersterblichkeit in Deutschland in der Pandemie bisher bei rund 40.000 Verstorbenen.

"Das sind viel weniger als die 90.000 offiziell gemeldeten Toten durch Covid-19", sagt Mitautor Dmitry Kobak von der Universität Tübingen. Wahrscheinlich seien die Sterbezahlen bei anderen Atemwegserkrankungen während der Wintermonate im Gegenzug gesunken - auch dank der Einhaltung der AHA-Regeln: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske.

Diese Erkenntnisse decken sich auch mit aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI). Demnach gab es in der Grippesaision 2020/21 bisher nur 615 bestätigte Grippefälle (Datenstand: 27.7.2021). In der Vorsaison waren es rund 188.000 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle, die an das RKI übermittelt wurden.

Mehr Menschen ließen sich gegen Grippe impfen

Für das RKI waren mit diesen geringen Fallzahlen in diesem Jahr nicht einmal die Kriterien für den Beginn einer Grippewelle erfüllt worden, sagte eine RKI-Sprecherin. Dies sei ein Novum seit Beginn der Grippeüberwachung 1992. Auch die meisten anderen Länder der Nordhalbkugel seien von der Welle verschont geblieben. 

Allerdings hatten sich zu Beginn der ersten und zweiten Corona-Welle auch deutlich mehr Menschen in Deutschland gegen die Grippeviren impfen lassen. Von März bis Dezember 2020 sind nach Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) rund 3,5 Millionen mehr solcher Impfungen vorgenommen worden als im Vorjahreszeitraum.

Gründe für Infektionsrückgänge vielschichtig

Neben den Grippeinfektionen ging auch die Zahl der Masern - die sich über Atemwege verbreiten - deutlich zurück. Im Jahr 2020 wurden dem RKI 76 Masernfälle übermittelt - 2019 waren es noch 515 Fälle. Zudem gingen auch die Infektionen mit Keuchhusten deutlich zurück.

Nach Angaben des RKI dürften die Gründe für die starken Rückgänge komplex sein. Zwar könnten die Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln beim Rückgang der Infektionen eine Rolle spielen. Es sei aber auch denkbar, dass während der Pandemie insgesamt weniger Arztbesuche stattfanden und deshalb weniger Fälle entdeckt wurden.

Nach Angaben von Mitautor Kobak von der Universität Tübingen, liefert die aktuelle Studie kein Endergebnis. "Dieses kann es erst nach dem Ende der Pandemie geben, weil die Daten ständig weiter einlaufen und sich bis beispielsweise Oktober noch etwas verändern kann."