Wildschwein | dpa

Erster Fall in Brandenburg Schweinepest hat Deutschland erreicht

Stand: 10.09.2020 13:50 Uhr

Landwirtschaftsministerin Klöckner hat einen ersten Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland bestätigt. Die Tierseuche sei bei einem toten Wildschwein in Brandenburg festgestellt worden.

Die Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland angekommen. Es gebe einen ersten Fall, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Ein am Mittwochabend gemeldeter Verdacht bei einem Wildschwein-Kadaver in Brandenburg habe sich bestätigt, so die CDU-Politikerin. 

Der Wildschwein-Kadaver sei südöstlich von Berlin, wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze, im Spree-Neiße-Kreis gefunden worden. Eine Probe des toten Tieres wurde vom staatlichen Friedrich-Loeffler-Institut, das zur Tiergesundheit forscht, virologisch untersucht und eine Infektion festgestellt.

Keine Gefahr für Menschen

"Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich", betonte Klöckner mehrfach. Der Verzehr von möglicherweise kontaminiertem Fleisch sei unbedenklich. Für Schweine sei die Seuche hingegen fast immer tödlich.

Brandenburgs Verbraucherministerin Ursula Nonnemacher sagte: "Wir müssen jetzt alles versuchen, um eine weitere Ausbreitung des Seuchengeschehens zu verhindern." In zwei Landkreisen seien Krisenmaßnahmen angelaufen. In einem Radius von mindestens 15 Kilometern um den Fundort herum solle ein vorläufiges Gefahrengebiet eingerichtet werden, so die Grünen-Politikerin. Dort werde etwa ein striktes Jagdverbot angeordnet, um Wildschweine nicht aufzuschrecken.

Auswirkungen auf den Handel

Mit dem ersten nachgewiesenen Fall verliert Deutschland den Status als "seuchenfrei". Nun können Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen, zum Beispiel nach Asien. Bei den Bauern gibt es deshalb große Sorgen vor wirtschaftlichen Auswirkungen. Deutschland ist weltweit einer der größten Exporteure von Schweinefleisch. Zu den wichtigsten Abnehmern gehört China.

Ein infiziertes Wildschwein in Deutschland habe grundsätzlich Folgen für alle Schweinebauern im ganzen Land, sagte der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, Torsten Staack. Wie stark die wirtschaftlichen Folgen ausfielen, hänge maßgeblich davon ab, inwieweit Märkte geöffnet blieben. "Würde deutsches Fleisch für Asien gesperrt werden, könnten entsprechende Mengen nicht dorthin abfließen und hierfür müssten natürlich andere Absatzkanäle erschlossen werden. Das würde dann im Inland mit Sicherheit zu Preisdruck führen." Schon jetzt gebe es ein leichtes Überangebot an lebenden Schweinen.

Helfer des Technischen Hilswerks errichten einen Schutzzaun gegen Wildschweine. | dpa

Wie hier in der Nähe von Frankfurt (Oder) waren schon im vergangenen Winter Schutzzäune gegen Wildschweine an der polnischen Grenze errichtet worden. Bild: dpa

Bundesregierung ist mit China im Gespräch

Klöckner versuchte zu beruhigen: Der Ernstfall sei geprobt worden, Deutschland sei vorbereitet. Es griffen nun die Vorgaben der nationalen Schweinepestverordnung. Ihr Ministerium werde zudem einen Krisenstab einrichten. Und: "Wir sind mit China im Gespräch", sagte die Ministerin. Darüberhinaus wollte sie sich noch nicht zu Exportauswirkungen in Drittstaaten äußern. "Der Handel innerhalb Europas kann weitgehend aufrechterhalten werden." Von Einschränkungen betroffen seien nur schweinehaltende Betriebe in dem konkret betroffenen Gebiet - nicht etwa aus ganz Deutschland.

Denn wenn die Schweinepest bei einem Wildschwein festgestellt wird, legen die örtlichen Behörden laut Ministerium einen "gefährdeten Bezirk" fest und richten eine Pufferzone. Hausschweine und Schweinefleisch dürfen dann aus diesen Gebieten - bis auf Ausnahmen - nicht herausgebracht werden. Außerdem könne es weitere Maßnahmen geben, etwa der Personen- und Fahrzeugverkehr eingeschränkt werden, so Klöckner.

Es werde nun intensiv nach weiteren Wildschwein-Kadavern gesucht, um das Ausmaß der Seuche festzustellen und dann eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Laut Friedrich-Löffler-Institut sei das gefundene tote Tier schon stark verwest gewesen und habe dort "sicherlich schon einige Zeit" gelegen.

Seuche kam langsam aber sicher näher

Ein Übertreten der Tierseuche nach Deutschland wurde seit Längerem befürchtet. Seit mehreren Monaten kursiert die Afrikanische Schweinepest in Polen. Im März wurde im Nachbarland ein daran gestorbenes Wildschwein nur etwas mehr als zehn Kilometer vor der Grenze zu Deutschland entdeckt. Ein Problem: Das Virus ist widerstandsfähig und lange ansteckend. In Rohwurst, Schinken und Gefrierfleisch kann sich der Erreger Monate bis sogar Jahre halten.

Vor Jahren begann deswegen eine Aufklärungskampagne: An Autobahnen und Landstraßen im grenznahen Bereich zu Polen und Tschechien wurden Schilder aufgestellt. In mehreren Sprachen werden Reisende, Fernfahrer und Erntehelfer aufgefordert, Speisereste nur in verschlossene Müllbehälter zu werfen und so zu verhindern, dass ein Wildschwein an die Reste herankommt und sich infizieren kann. Außerdem wurden Handzettel und Broschüren gedruckt, die an Raststätten und in Zügen verteilt wurden.

Brandenburg hatte in den Kreisen Oder-Spree und Spree-Neiße sowie in der Stadt Frankfurt (Oder) einen 120 Kilometer langen Elektroschutzzaun an der Grenze errichtet, um Wildschweine aufzuhalten. Ein fester Schutzzaun im Kreis Spree-Neiße ist geplant. Auch am sächsischen Grenzverlauf wurde ein Zaun gebaut. Auch Dänemark errichtete vorsorglich einen Zaun.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2020 um 02:16 Uhr.

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KOMMENTARE

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fathaland slim 10.09.2020 • 17:05 Uhr

15:44, Silene

Ich gebe Ihnen natürlich Recht, daß Massentierhaltung mit zahlreichen Risiken, nicht nur epidemiologischen, behaftet ist. Da rennen Sie bei mir offene Türen ein.