Bundesinnenministerin Nancy Faeser | EPA

Ein Jahr nach Taliban-Machtübernahme Faeser verspricht Ortskräften Ausreise

Stand: 14.08.2022 04:14 Uhr

Nach massiver Kritik hat Innenministerin Faeser den in Afghanistan verbliebenen früheren Ortskräften eine schnelle Ausreise zugesagt. Das größte Problem sei, besonders bedrohte Menschen aus dem Land zu bekommen.

Ein Jahr nach der Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan verspricht die Bundesregierung den im Land verbliebenen früheren Ortskräften der Bundeswehr weiter eine Ausreise nach Deutschland. "Wir lassen sie nicht zurück", sagte Innenministerin Nancy Faeser der "Bild am Sonntag."

Sie arbeite mit Außenministerin Annalena Baerbock am neuen Bundesaufnahmeprogramm für afghanische Ortskräfte, sagte Faeser, räumte aber ein: "Das größte Problem ist, besonders bedrohte Menschen aus Afghanistan rauszubekommen." Mittlerweile seien 15.759 afghanische Ortskräfte und Familienangehörige nach Deutschland gebracht worden.

Kritik von "Pro Asyl" an Bundesregierung

Zuvor hatte die Organisation Pro Asyl kritisiert, die Bundesregierung setze ihre Zusage, gefährdete Menschen zu retten, nur ungenügend um. Sieforderte, das Ortskräfteverfahren zu reformieren und den Familiennachzug zu beschleunigen. Die Zahl der Menschen, die Schutz bekommen sollen, sei viel zu gering. 

Die Definition, wer als Ortskraft gilt, müsse alle Gefährdeten einschließen, zum Beispiel auch Subunternehmerinnen und -unternehmer, die für die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gearbeitet haben, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt.

Die Zahl der Asylbewerber sei in diesem Jahr deutlich gestiegen, sagte die Innenministerin. "Von Januar bis Juli wurden 113.000 Asylanträge gestellt, 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum." Zudem seien bisher 965.000 Menschen aus dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflüchtet. Viele Geflüchtete seien aber zurückgekehrt oder weitergereist.

Afghanistans Ex-Präsident erwartet weitere Flüchtlinge

Der von den Taliban gestürzte Präsident Afghanistans, Ashraf Ghani, sagte der "Bild am Sonntag", er rechne mit vielen Flüchtlingen aus seiner Heimat in den kommenden Monaten. "Millionen werden versuchen, aus Afghanistan zu flüchten", sagte er in seinem Exil in Abu Dhabi. "Der Grund dafür ist, dass die Menschen das Gefühl der Zugehörigkeit verlieren. Sie verlieren die Hoffnung."

"Ohne Ortskräfte wird es auch künftig nicht gehen"

Der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Peter Tauber, mahnte, dass bereits zu Beginn eines Bundeswehreinsatzes geklärt werden müsse, wie man künftig mit einheimischen Kräften umgehen wolle. "Ohne Ortskräfte werden Bundeswehreinsätze auch künftig nicht gehen", sagte Tauber. "Wenn wir Menschen dazu bringen wollen, dass sie unsere Soldaten im Einsatz unterstützen, müssen wir diesen Menschen eine Perspektive bieten", so der CDU-Politiker.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. August 2022 um 09:55 Uhr.