Menschen demonstrieren für die Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen in Berlin | dpa

Demos in mehreren Städten Tausende fordern Aufnahme von Afghanen

Stand: 22.08.2021 16:53 Uhr

In mehreren Städten haben Tausende für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan demonstriert. Der Deutsche Städtetag verlangt von Bund und Ländern, rasch verlässliche Angaben über die Zahl der zu erwartenden Menschen zu machen.

Tausende Menschen haben in Deutschland für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan demonstriert. Protestaktionen gab es etwa in Berlin, Hamburg, Kiel, Siegen und Trier, wie die Organisation Seebrücke mitteilte.

Im strömenden Regen kamen in Berlin Hunderte Demonstranten vor das Bundeskanzleramt. Redner verlangten unter anderem ein schnelles Ausfliegen von Ortskräften der Bundeswehr, Menschenrechtsaktivisten, Frauenrechtlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Sportlerinnen. Die Berliner Polizei sprach von rund 1700 Teilnehmenden.

"Die werden geschlachtet"

"Deutschland hat seine Menschenrechtspflicht verschlafen", hieß es. "Alle deutschen Bundesländer haben sich in den letzten Tagen bereit erklärt, Menschen aus Afghanistan aufzunehmen", erklärte Maura Magni von der Seebrücke. "Es könnten also noch viel mehr hier ankommen. Wir fordern von der Bundesregierung, die Evakuierungen deutlich zu beschleunigen."

Ein afghanischer Redner ist nach eigenen Angaben vor fünf Tagen vor dem Auswärtigen Amt in den Hungerstreik getreten. Es sagte, dass sein Bruder in Afghanistan neun Jahre lang für die Bundeswehr gearbeitet habe. Deutschland habe seinen Bruder sowie dessen Frau und Kinder im Stich gelassen. "Die werden geschlachtet."

Auch für Afghaninnen und Afghanen aus Nachbarstaaten des Krisenlandes müssten Bundes- und Landesaufnahmeprogramme eingerichtet werden, hieß es weiter bei den Protesten im Berliner Regierungsviertel. Alle Menschen in Afghanistan, die sich seit Jahren für ein friedliches und demokratisches Land einsetzen, seien in akuter Lebensgefahr. Deutschland trage die Verantwortung, für den Schutz dieser Menschen und ihrer Angehörigen zu sorgen.

"Wir wollen helfen, das ist unsere Verpflichtung"

Der Deutsche Städtetag forderte Bund und Länder auf, ihnen sehr rasch konkrete und verlässliche Angaben über die Zahl der zu erwartenden Flüchtlinge aus Afghanistan zu machen. "Wir wollen helfen, das ist unsere Verpflichtung", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung der "Rheinischen Post". Dazu brauche es aber konkrete Angaben.

Die Städte benötigten Angaben sowohl zur Zahl der Menschen, die jetzt über die Luftbrücke kommen, als auch die zukünftige Aufnahme von weiteren Menschen in Not, erklärte der SPD-Politiker. "Wir sollten uns vorbereiten, dass es viele werden könnten". Dafür müssten die Länder ausreichend Reservekapazitäten in ihren Erstaufnahmeeinrichtungen reaktivieren oder zusätzliche neu schaffen.

Die Städte seien es, die am Ende Quartiere bereitstellten, Sprach- und Integrationskurse organisierten und die Menschen unterstützen. Das alles müsse dann auch auf der langen Strecke im Wesentlichen durch Bund und Länder finanziert werden. Die Hilfsbereitschaft vor Ort sei groß, erklärte Jung weiter. Die Städte seien bereit, "die Geflüchteten aus Afghanistan aufzunehmen und ihnen ein gutes Ankommen zu ermöglichen", sagte er.

Viele Städte hielten bereits jetzt freie Kapazitäten vor oder bereiteten diese vor. Auch die lokalen Bündnisse seien aktiv und würden Unterstützung für die Integration anbieten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. August 2021 um 15:00 Uhr.