Bundeswehrsoldaten patrouillieren zu Fuß in der Nähe von Charrah Darreh nahe Kundus und unterhalten sich dabei mit der afghanischen Bevölkerung - links ein Übersetzer. | picture alliance / dpa

Afghanische Helfer der Bundeswehr Deutschland nimmt mehr Ortskräfte auf

Stand: 18.06.2021 14:45 Uhr

Die Bundesregierung will mehr afghanische Helfer der Bundeswehr in Deutschland aufnehmen als ursprünglich geplant. Innenminister Seehofer erklärte, es gebe neue Erkenntnisse zur Sicherheitslage in Afghanistan.

Deutschland wird mehr Afghanen aufnehmen als geplant, die der Bundeswehr beim Einsatz in dem Land geholfen haben. Infrage kommen nun alle sogenannten Ortskräfte, die ab 2013 für die Bundeswehr und andere deutsche Sicherheitsbehörden gearbeitet haben, bestätigte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU).

Zunächst war geplant, dass nur solche gefährdete Afghanen für eine Übersiedelung nach Deutschland qualifiziert sind, die innerhalb der vergangenen zwei Jahre etwa für die Bundeswehr als Dolmetscher gearbeitet haben. "Die Zwei-Jahres-Frist ist gefallen", sagte Seehofer nach Beratungen der Innenminister von Bund und Ländern im baden-württembergischen Rust. Zur Begründung nannte Seehofer neue Erkenntnisse zur Sicherheitslage in Afghanistan.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) forderte, dass der Bund zumindest die Flugkosten von gefährdeten Ortskräften nach Deutschland übernehme, da viele Menschen sich das Ticket nicht leisten könnten. Seehofer sagte dazu: "Ich kann sie in meinem Haushalt nicht übernehmen." Er verwies in dieser Frage an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Rund 1500 weitere Ausreiseberechtigte

Der "Spiegel" hatte berichtet, dass die mit Afghanistan befassten Ressorts der Bundesregierung sich am Rande der Kabinettssitzung am vergangenen Mittwoch darauf verständigt hatten, dass neben den rund 400 bereits für die Ausreise erfassten lokalen Helfern und ihren Familien weitere Ortskräfte eine Einreiseerlaubnis erhalten können. Laut internen Schätzungen gehe es um etwa 350 Personen. Da auch deren Ehefrauen und Kinder geschützt werden sollen, rechne die Bundeswehr insgesamt mit rund 1500 weiteren Ausreiseberechtigten. Seit 2013 hat Deutschland dem "Spiegel"-Bericht zufolge 798 ehemalige Ortskräfte mit 2.596 Familienangehörigen aufgenommen.

Taliban: Mit dem Feind verbündet

Mit ihrer Hilfe für die ausländischen Truppen haben sich die Ortskräfte aus Sicht der radikalislamischen Taliban mit dem Feind verbündet. Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben daher von den NATO-Verbündeten in Afghanistan eine sofortige Aufnahme der Ortskräfte gefordert. Es sei klar, dass diese ansonsten ins Visier der Taliban geraten und getötet werden könnten. Die ausländischen Truppen sollen bis spätestens 11. September abgezogen sein. Bei der Bundeswehr läuft der Abzug auf Hochtouren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juni 2021 um 15:00 Uhr.