Diese elektronenmikroskopische Aufnahme aus dem Jahr 2003, die von den Centers for Disease Control and Prevention zur Verfügung gestellt wurde, zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l) und kugelförmige unreife Virionen (r), die aus einer menschlichen Hautprobe im Zusammenhang mit dem Präriehundeausbruch von 2003 stammt (Archivbild). | dpa

Vor allem Berlin betroffen Mehr als 2000 Fälle von Affenpocken

Stand: 19.07.2022 15:52 Uhr

Alle Bundesländer haben inzwischen Affenpocken-Erkrankungen gemeldet. Mancherorts sind es nur vereinzelte Fälle - anders in Berlin. Ein europäisches Land bekommt nun eine Lieferung von 1,5 Millionen Impfdosen.

Rund zwei Monate nach dem ersten nachgewiesenen Fall von Affenpocken in Deutschland ist die Zahl der entdeckten Erkrankungen auf mehr als 2000 gestiegen. Das Robert Koch-Institut wies am Dienstag auf seiner Webseite genau 2033 Betroffene in Deutschland aus.

Besonders viele Nachweise kommen aus Berlin, wo laut dem Landesamt für Gesundheit und Soziales bislang 1140 Nachweise des Erregers gemeldet worden sind. Nach Berliner Behördenangaben ist der Impfstoff gegen die Krankheit begehrt - und bisher knapp bemessen. Die meisten Bundesländer haben bisher nach RKI-Daten jeweils weniger als 100 Fälle gemeldet, teils sind es sogar weniger als zehn.

Mit Ausnahme von vier Frauen bundesweit sind nach RKI-Angaben alle Erkrankten Männer.

Weiter geringe Gefahr für breite Bevölkerung

"Die Übertragungen erfolgen in diesem Ausbruch nach derzeitigen Erkenntnissen in erster Linie im Rahmen von sexuellen Aktivitäten, aktuell insbesondere bei Männern, die sexuelle Kontakte mit anderen Männern haben", schreibt das RKI.

Grundsätzlich kann sich mit dem Virus jeder anstecken, der engen körperlichen Kontakt mit einem Infizierten hat. Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung schätzt das RKI derzeit als gering ein.

Hohe Nachfrage nach Impfstoff

Impfungen gegen Affenpocken, die bislang nur bestimmten Gruppen empfohlen werden, sind in Berlin-Mitte vergangener Woche angelaufen. Die Senatsverwaltung für Gesundheit sprach auf Anfrage von einer sehr hohen Nachfrage.

Wie viele Menschen schon geimpft wurden, war zunächst aber noch nicht klar. Das Impfmonitoring laufe gerade an. Die rund 8000 in der Metropole verfügbaren Impfdosen dürften nach Einschätzung der Behörde aber schnell aufgebraucht sein. Man brauche deshalb zeitnah Nachschub vom Bund, hieß es. Einen genauen Zeitpunkt für weitere Lieferungen gebe es aber noch nicht, bisher sei vom dritten Quartal die Rede gewesen.

Hersteller liefert 1,5 Millionen Impfdosen an europäisches Land

Der deutsch-dänische Hersteller Bavarian Nordic kündigte unterdessen an, 1,5 Millionen Impfdosen gegen die Affenpocken an ein "nicht näher genanntes europäisches Land" zu liefern. Die von dem Land bestellten Lieferungen starten noch in diesem Jahr, teilte das Unternehmen mit. Der Großteil wird demnach 2023 geliefert.

Bavarian Nordic ist das einzige Unternehmen, das einen zugelassenen Impfstoff gegen das Virus herstellt. In der vergangenen Woche hatte der Arzneimittelhersteller bekannt gegeben, dass er einen weiteren Auftrag über eine Lieferung von 2,5 Millionen Dosen der Affenpocken-Impfung in die USA erhalten habe. Dort wird der Impfstoff unter dem Namen Jynneos vermarktet, in Europa heißt er Imvanex.

Erneutes Treffen des WHO-Notfallkomitees

Die Weltgesundheitsorganisation hat angesichts des Anstiegs der Affenpocken-Fälle insbesondere in Westeuropa zu "intensiven" Bemühungen im Kampf gegen die Krankheit aufgerufen.

Im Juni hatte das WHO-Notfallkomitee entschieden, keinen internationalen Gesundheitsnotstand wegen des Affenpocken-Ausbruchs auszurufen. Die gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ist die höchste Alarmstufe bei der WHO. Wie die Organisation in der vergangenen Woche mitteilte, tritt das Notfallkomitee am Donnerstag erneut zusammen.