Alice Weidel (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Affäre um Weidel AfD übermittelt Liste mit Spendernamen

Stand: 17.01.2019 19:57 Uhr

In der Spendenaffäre um AfD-Fraktionschefin Weidel hat die Partei der Bundestagsverwaltung eine Liste mit Namen angeblicher Geldgeber übermittelt: 14 Namen sollen offengelegt worden sein.

Von Sebastian Pittelkow, NDR, und Katja Riedel, WDR

In der AfD-Spendenaffäre um Alice Weidel hat die AfD nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) sowie des Schweizer "Tagesanzeiger" im Dezember mit ihrem Rechenschaftsbericht 2017 in mehreren fraglichen Finanzierungsfällen Listen mit Geldgebernamen bei der Bundestagsverwaltung eingereicht. Auf diesen Listen sollen sich jeweils mehrere Namen von Finanziers befinden, die ihr Geld Dritten anvertraut haben - zur Weiterleitung zugunsten der AfD oder einzelner Funktionäre.

Von der Schweiz auf das AfD-Konto

Eine solche Liste wurde demnach auch in der Spendenaffäre um Alice Weidel und ihren Kreisverband am Bodensee erstellt und Ende Dezember an die für die Parteienfinanzierung zuständige Bundestagsverwaltung übermittelt. Sie enthält 14 Namen von EU-Staatsbürgern, in der Mehrzahl Deutsche. Auf einem Parteikonto im Wahlkreis der damaligen AfD-Spitzenkandidatin und heutigen Fraktionschefin im Bundestag war im Jahr der Bundestagswahl eine 132.000-Euro-Spende eingegangen, in etlichen Tranchen überwiesen von einer Schweizer Firma namens Pharmawholesale (PWS).

Im Frühjahr 2018 wurde das Geld an den Absender zurückgezahlt. Nachdem WDR, NDR und SZ den Fall veröffentlicht hatten, hatte die Schweizer Firma mitgeteilt, im Auftrag eines einzelnen Kunden - eines vermögenden Mannes aus Zürich - gehandelt zu haben. Doch diese Geschichte entspricht nicht der Version, die nun an die AfD und an die Bundestagsverwaltung übermittelt wurde. 

Auf Anfrage der AfD sandte die PWS Ende November eine Liste mit 14 angeblichen Geldgebern an die Bundesgeschäftsstelle der Partei. Drei dieser Spender haben offenbar zwar deutsche Namen, aber einen Wohnsitz in Spanien, darunter ein Ehepaar. Eine Person soll in Belgien wohnen, alle anderen in Deutschland. Vertreter der PWS haben den Versand dieser Liste bestätigt, wollten sich aber nicht zu den Namen äußern. Verwaltungsrat Balz Jegge sagte, es entziehe sich seiner Kenntnis, warum zunächst von einem einzelnen Spender aus Zürich die Rede gewesen sei. Weitere Details und die Spendernamen selbst wollte er nicht nennen. 

Strohmannspenden getätigt?

Für die Düsseldorfer Parteienrechtlerin Sophie Schönberger ändern die Spenderlisten nichts daran, dass es sich bei den Zuwendungen um nach ihrer Ansicht illegale Parteispenden aus dem nichteuropäischen Ausland handelt. "Die Spenden sind in der Schweiz zusammengefasst und von einem Schweizer Unternehmen an die AfD weitergeleitet worden. Deswegen bleibt es bei einer illegalen Auslandsspende", so Schönberger. Sie sieht zudem den Verdacht von Strohmannspenden - aufgrund des Transparenzgebotes des Parteiengesetzes wäre auch das nicht zulässig. Ob es sich bei den benannten Spendernamen um die wahren Geldgeber handelt, zieht sie in Zweifel. Für Schönberger "bleibt diese Geschichte unschlüssig und unplausibel, weil es eigentlich überhaupt gar keinen Grund gibt, das Geld über die Schweiz zu leiten, wenn es aus dem Vermögen von Deutschen oder Unionsbürgern kommt".

Die AfD wollte sich auf Anfrage zunächst nicht äußern. Auch die Bundestagsverwaltung ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Januar 2019 um 06:00 Uhr.

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