Alice Weidel | Bildquelle: dpa

AfD-Landesverband Baden-Württemberg Streit über Kandidatur von Weidel

Stand: 08.02.2020 16:07 Uhr

Der AfD-Landesverband Baden-Württemberg ist tief zerstritten. Nun will wohl Alice Weidel für die Landesspitze kandidieren. Bundessprecher Meuthen hält das für "ambitioniert" - die Reaktion folgt prompt.

Von Martin Schmidt, SWR

Sie traut sich einiges zu: Alice Weidel ist bereits stellvertretende Bundessprecherin der AfD. Sie leitet gemeinsam mit Alexander Gauland die Bundestagsfraktion. Jetzt will sie auch noch den Landesvorsitz in Baden-Württemberg übernehmen, wenngleich auch nicht allein. Gemeinsam mit Martin Hess, dem 49-jährigen Bundestagsabgeordneten, wird sie wohl in zwei Wochen auf dem Sonderparteitag in Böblingen antreten.

"Ich habe mit Frau Weidel Gespräche geführt, und wir können uns sehr gut vorstellen, das gemeinsam zu machen", sagte der Innenpolitiker Hess der Deutschen Presse-Agentur. Weidel selbst will sich öffentlich noch nicht zur Kandidatur bekennen. Sie halte Hess "für überaus fähig, den Landesverband zu einen", erklärte Weidels Sprecher, Daniel Tapp. Ob sie selbst mit Hess antrete, wolle sie erst zu gegebener Zeit sagen. Doch seit heute zweifelt in der Partei niemand mehr daran. Die Wahl selbst gilt allerdings alles andere als sicher.

AfD im Südwesten stark zerstritten

Die AfD im Südwesten ist tief zerstritten. Gegen zwei Landtagsabgeordnete - Wolfgang Gedeon und Stefan Räpple - laufen Parteiausschlussverfahren. Gedeon sieht sich mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Der Landesvorstand wird derzeit geleitet von dem Landtagsabgeordneten Bernd Gögel und dem Bundestagsabgeordneten Dirk Spaniel. Gögel hat bereits dem SWR gesagt, er wolle nicht wieder als Parteichef antreten. Die Entwicklung der letzten Wochen habe ihm gezeigt, dass die Partei einen kompletten Neuanfang möchte. Beide Lager in der AfD wollten neue Gesichter. Da wolle er nicht im Weg stehen. Gögel gilt in der Partei eher als gemäßigt.

Spaniel dagegen will erneut antreten. Er wird dem radikalen "Flügel" in der Partei zugeordnet. Der Bundesvorstand prüft derzeit Ordnungsmaßnahmen gegen Spaniel, weil er auf einer rechten Demonstration vor dem SWR in Baden-Baden aufgetreten ist. Gemeinsam mit dem umstrittenen Räpple und Doris von Sayn-Wittgenstein, die bereits aus der AfD ausgeschlossen worden ist. In seinem Landesverband Baden-Württemberg rechnet Spaniel aber fest damit, mehr als 50 Prozent der Delegiertenstimmen bekommen zu können.

Meuthen: Halte Weidels Kandidatur für "ambitioniert"

Dass Weidel wohl selbst antritt, zeigt, dass sie einen solchen Wahlausgang auch für möglich hält - und verhindern will. Sie ist nicht die einzige in der AfD, die Spaniels Kandidatur kritisch sieht. So erklärte Bundessprecher Meuthen im SWR, Spaniel habe erhebliche Unruhe in den Landesvorstand hineingebracht, sich nicht als teamfähig erwiesen. Doch Meuthen belässt es im Interview nicht dabei, er schießt auch noch eine Spitze gegen Weidel: Er traue ihr zwar zu, den Landesverband in ruhigeres Fahrwasser zu bringen, halte das aber angesichts ihrer anderen Verpflichtungen für "ambitioniert".

Jörg Meuthen | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Jörg Meuthen wechselte innerhalb Baden-Württembergs den Kreisverband.

Es ist kein Geheimnis, dass Weidel und Meuthen nicht die innigsten Parteifreunde sind. Schon vor Jahren hatte Meuthen einmal verhindert, dass Weidel Landesvorsitzende in Baden-Württemberg werden konnte. Die Antwort auf sein Interview folgte aus Weidels Unterstützerumfeld daher prompt: "Jörg Meuthen hat Baden-Württemberg als Fraktionsvorsitzender in der höchsten Not verlassen. Er hat nichts zur Befriedung beigetragen und schießt nun aus dem Brüsseler Logenplatz auf die, die Verantwortung übernehmen wollen und sich ins Feuer stellen", heißt es gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio.

Meuthen in neuem Kreisverband

Die Ansage klar: Wenn du dich in deinem Landesverband wegduckst, kritisiere bitte keinen, der die Rettung wenigstens versucht. Wie schwierig die Situation im Südwesten ist, weiß Meuthen zu gut. Sein eigener Kreisverband Ortenau hatte ihn im vergangenen Jahr nicht zum Parteitagsdelegierten gewählt. Auch dort geben die Rechtsganzsaußen der Partei um Räpple den Ton an. Doch statt sich der politischen Auseinandersetzung zu stellen und die Sympathien der AfD-Mitglieder an seinem eigenen Wohnsitz zurückzugewinnen, hat Meuthen lieber den Kreisverband gewechselt - seit Mittwoch gehört er nach Baden-Baden/Rastatt.

Martin Hess will mit Alice Weidel AfD-Landesspitze übernehmen
Kilian Pfeffer, ARD Berlin
31.01.2020 09:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete SWR aktuell am 31. Januar 2020 um 19:30 Uhr.

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