Plakate aus dem Wahlkampf in Thüringen | Bildquelle: dpa

Reaktionen auf AfD-Erfolg "Wähler wussten, was sie taten"

Stand: 27.10.2019 22:17 Uhr

Fast 24 Prozent für die AfD - die in Thüringen angeführt wird vom völkisch-nationalen "Flügel". Parteiübergreifend löst das Ergebnis einige Besorgnis aus. Klare Worte kommen aus den jüdischen Gemeinden.

Fast jeder vierte Wähler in Thüringen hat das Kreuz bei der AfD gemacht - und damit beim rechtsnationalen "Flügel", der vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall behandelt wird und mit Björn Höcke einen Frontmann hat, der sich nicht scheut, die "erinnerungspolitische Wende" zu fordern und ganz offen von "Umvolkung" zu sprechen.

Björn Höcke | Bildquelle: REUTERS
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Hat allen Grund zum Jubel: Björn Höckes AfD wurde in Thüringen zweitstärkste Kraft

Parteiübergreifend wurde das Abschneiden der AfD in Thüringen dann auch mit einigem Entsetzen aufgenommen - obwohl das gute Ergebnis zu erwarten war, hatten doch alle Vorwahlumfragen der AfD einen massiven Zugewinn vorausgesagt. Zwar beschwor AfD-Chef Alexander Gauland gleich nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen einmal mehr das "Ende der Volksparteien" und warb für eine "bürgerliche Koalition" mit der CDU. Fast ebenso schnell schlossen aber alle Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD aus.

"Mit einem Faschisten angetreten"

Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linken gab in einem ersten Statement den Landesvater: Zwar hätten 24 Prozent der Wähler der AfD ihre Stimme gegeben - aber 76 Prozent hätten dies nicht getan. Das sei ein gutes Zeichen.

Deutlich wurde Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Sie sprach von einem erschütternden Ergebnis: "Die AfD ist hier in Thüringen mit einem Faschisten angetreten, der das auch klar und deutlich in diesem Wahlkampf immer wieder benannt hat", sagte Baerbock. Ähnlich äußerte sich SPD-Interimschefin Malu Dreyer. Die Sozialdemokraten würden alles tun, um die AfD zu bekämpfen. Vizekanzler Olaf Scholz sekundierte: "Die AfD gehört nicht in eine Regierung. Ich glaube, das ist für alle klar."

In Berlin erklärte der Generalsekretär der CDU, Paul Ziemiak, unmissverständlich: Eine Zusammenarbeit mit der AfD werde es ebensowenig geben wie eine Koalition mit den Linken. CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring zeigte sich nach der Veröffentlichung erster Hochrechnungen vor allem ratlos: Klar sei nun, dass eine Regierung der Mitte nicht möglich sei. Der Umstand verlange "neue Antworten", so Mohring. Die CDU werde nun dafür arbeiten, dass "es eine stabile Regierung gibt". In welcher Form genau dies geschehen könnte, ließ er offen.

"Wo eine solche Partei Erfolge feiert, da gibt es ein Problem"

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern | Bildquelle: dpa
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"Wer heute die AfD gewählt hat, wusste genau, was er tat" - sagt Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Klare Worte zum Abschneiden der AfD fand die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch: Sie warnte vor einer "Erosion der demokratischen Kultur" in Deutschland. Das Ergebnis der AfD zeige, "dass in unserem politischen System etwas grundlegend aus den Fugen geraten ist." "Wo eine solche Partei Erfolge feiert, da gibt es ein Problem", so Knobloch. Und fügte hinzu: "Wer heute die AfD gewählt hat, wusste genau, was er tat."

Von einem "Signal des Schreckens" sprach Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees - des Zusammenschlusses der Überlebenden des NS-Vernichtungslagers Auschwitz: "Für Überlebende der deutschen Konzentrationslager ist diese massive Zunahme der Stimmen für die AfD in Thüringen ein erneutes Signal des Schreckens, das eine weitere Verfestigung rechtsextremer Grundeinstellungen und Tendenzen in Deutschland befürchten lässt."

Eine Einschätzung, die der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, teilen dürfte. Er teilte via Twitter mit: Dass rund ein Viertel der Wähler für eine "rechtsradikale beziehungsweise in Thüringen auch rechtsextreme Partei" votiert hätten, sei "viel mehr als ein 'Alarmzeichen'".

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Oktober 2019 um 22:50 Uhr.

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