AfD-Chef Jörg Meuthen beiner Sitzung des Europaparlaments | dpa

Wahlkampf für Bundestag AfD startet ohne Spitzenkandidaten

Stand: 22.02.2021 19:57 Uhr

Nächster Schachzug Meuthens im Machtkampf bei der AfD: Auf dem Parteitag im April sollen noch keine Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewählt werden - zum Unmut von Chrupalla und Weidel.

Von Martin Schmidt, ARD-Hauptstadtstudio

Der AfD-Bundesvorstand hat am Morgen beschlossen, auf dem kommenden Parteitag keine Spitzenkandidaten aufzustellen und damit auch ohne diese in den Wahlkampf zu starten. Das geht aus der vorläufigen Tagesordnung für den Bundesparteitag Mitte April in Dresden hervor, die der Bundesvorstand in seiner heutigen Sitzung festgelegt hat. Diese Tagesordnung liegt dem ARD-Hauptstadtstudio vor. Auf dem Parteitag will die AfD ihr Bundestagswahlprogramm verabschieden.

Martin Schmidt ARD-Hauptstadtstudio

Bundessprecher Jörg Meuthen begründet den für viele in der Partei überraschenden Schritt damit, dass noch nicht alle AfD-Landesverbände bis Mitte April ihre Wahllisten gewählt hätten. Es sei "logisch", dass erst danach Spitzenkandidaten aufgestellt werden könnten. "Alles andere wäre eine eklatante Wettbewerbsverzerrung", erklärt er dem ARD-Hauptstadtstudio. Die Spitzenkandidaten sollten dann später, idealerweise per Urwahl bestimmt werden, so Meuthens Idee.

Kritik Chrupallas

Sein Partner an der Parteispitze, Tino Chrupalla, sieht das grundlegend anders: "Ich hätte mir gewünscht, dass der Bundesvorstand die Entscheidung darüber, wie die AfD in den Bundestagswahlkampf zieht, dem Parteitag überlasst", sagt er dem ARD-Hauptstadtstudio. Die Mitglieder dürften in so einer wichtigen Frage nicht übergangen werden, so Chrupalla. Chrupalla werden Ambitionen nachgesagt, gemeinsam mit Fraktionschefin Alice Weidel als Spitzenduo für die Bundestagswahl antreten zu wollen.

Machtkampf in vollem Gange

Aus dem Umfeld des Bundesvorstandes heißt es, Meuthen versuche mit seinem Vorgehen genau diese beiden zu verhindern. Die Entscheidung heute zeigt, wie der Machtkampf in der AfD weiter in vollem Gang ist. Noch sitzt Meuthen dabei am längeren Hebel, da er im Bundesvorstand mit seinen Vertrauten über eine komfortable Stimmenmehrheit verfügt.

Auch als Co-Bundessprecher bleibt Chrupalla daher nichts weiter übrig, als sich öffentlich über Meuthens Vorgehen zu beschweren. Alice Weidel soll in der Telefonkonferenz am Morgen noch versucht haben, die Tagesordnung für den Parteitag zu verändern, doch außer ihren Vorstandskollegen Chrupalla, Stephan Brandner und Stephan Protschka habe ihr niemand zugestimmt.

Meuthens Urwahl-Idee

"Die Mitglieder und Wähler erwarten, dass die AfD mit Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf geht", sagt Weidel dem ARD-Hauptstadtstudio. Für die derzeit größte Oppositionspartei im Bundestag sei nur das professionell. Die Urwahl-Idee von Meuthen halten einige aus ihrem Umfeld für "abwegig". Es sei völlig unklar, wann diese stattfinden könne und wie viel Zeit sie in Anspruch nehmen würde. "Im August brauchen wir dann auch keine Spitzenkandidaten mehr", heißt es.

Jörg Meuthen selbst hatte schon länger angekündigt, nicht für den Bundestag zu kandidieren. In der Partei vermuten manche, er würde dies mittlerweile bereuen. Denn ein Spitzen-Duo könnte ihm in der Öffentlichkeit über Monate den Rang ablaufen. Und Ende des Jahres steht nicht nur die Bundestagswahl an: Er muss sich als Parteichef schon wenig später einer möglichen Wiederwahl stellen. Von Meuthens innerparteilichen Gegnern, dem Lager des rechtsextremen "Flügels", wird derweil fest damit gerechnet, dass auf dem Parteitag ein Antrag gestellt wird, die Spitzenkandidaten doch noch vor Ort zu küren.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 22. Februar 2021 um 19:45 Uhr.