Nicolaus Fest | dpa
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AfD-Politiker Fest Beschimpfungen und Frohlocken über Sassolis Tod

Stand: 11.01.2022 23:01 Uhr

Offiziell zeigte sich die AfD betroffen von Sassolis Tod. Intern klingt das anders: In einem Chat macht der EU-Parlamentarier Fest keinen Hehl aus seiner Freude. EU-Parlamentsvize Barley reagiert empört.

Von Martin Schmidt, ARD-Hauptstadtstudio

Die offizielle AfD-Pressemitteilung aus Brüssel klang noch sehr freundlich, staatstragend, dem Tod eines Politikers angemessen. EU-Parlamentspräsident David Sassoli sei "viel zu früh gestorben", wird darin der AfD-Co-Vorsitzende Jörg Meuthen zitiert, der selbst auch im EU-Parlament sitzt. Sassoli sei ein gerechter Parlamentspräsident gewesen, so Meuthen, sein Tod sei ein großer Verlust für das Europäische Parlament. Im Namen der Brüsseler AfD-Delegation schreibt er, der Tod mache sie alle sehr betroffen.

Martin Schmidt ARD-Hauptstadtstudio

Intern klingt das bei den Parteimitgliedern in Brüssel aber ganz anders: "Endlich ist dieses Dreckschwein weg", schreibt Nicolaus Fest in einer WhatsApp-Gruppe, in der sich die AfD-Abgeordneten im Europaparlament untereinander austauschen. Screenshots liegen dem ARD-Hauptstadtstudio vor. "Ein Antidemokrat, eine Schande für jede parlamentarische Idee", urteilt Fest, der für die AfD seit 2019 im EU-Parlament sitzt, im Chat außerdem über Sassoli.

Meuthen: "Verstörend und unentschuldbar"

Auf Anfrage distanziert sich Fest von seinen Aussagen nicht. Er wolle sich in dieser Woche zu einem späteren Zeitpunkt noch mal ausführlich äußern, schreibt er und unterstellt Sassoli erneut, dessen Sitzungsleitung sei "oftmals skandalös parteiisch" gewesen.

Sein Parteichef Meuthen zeigt sich von den Aussagen seines Abgeordnetenkollegen dagegen schockiert: "Eine solche Äußerung über einen nach schwerer Krankheit soeben verstorbenen Kollegen ist verstörend, tief abstoßend und unentschuldbar", teilte er dem ARD-Hauptstadtstudio mit.

Barley: "Äußerungen bezeichnend für ihren Urheber"

Auch andere deutsche Parlamentarier in Brüssel reagieren empört. So erklärt die Vize-Präsidentin des Europaparlamentes, Katarina Barley, Sassoli sei ein über Parteigrenzen hinweg respektierter und geschätzter Präsident gewesen, auch weil er Rechtsextremismus und Hass im Europäischen Parlament nicht geduldet habe.

"Die Äußerungen von Herrn Fest sind bezeichnend für ihren Urheber und jene Menschenverachtung, gegen die Sassoli immer entschieden gestanden hat", sagte die SPD-Politikern dem ARD-Hauptstadtstudio. Den Eintrag in der AfD-Chatgruppe soll Fest nach Aussagen einiger AfD-Abgeordneter mittlerweile wieder gelöscht haben.