AfD Gauland  | Bildquelle: JENS SCHLUETER/EPA-EFE/REX

Vor dem AfD-Parteitag Machtkampf um Gauland-Nachfolge

Stand: 29.11.2019 14:29 Uhr

Gaulands Wunsch nach einer geregelten Nachfolge ist in Gefahr. Vor dem AfD-Parteitag gerät sein Wunschkandidat Chrupalla von beiden Seiten - dem bürgerlichen Lager und dem völkischen "Flügel" - in Bedrängnis.

Von Karin Dohr, ARD-Hauptstadtstudio

Es hätte so einfach sein können, denkt man sich bei einem Blick auf die vorläufige Tagesordnung des AfD-Bundesparteitages in Braunschweig: kaum Inhalt, nur Personalwahlen - und der Programmpunkt, auf den Alexander Gauland sich wohl besonders gefreut hat: "Wahl eines Ehrenvorsitzenden der Alternative für Deutschland".

Führungsdiskussion vor dem Parteitag in Braunschweig
tagesschau 20:00 Uhr, 29.11.2019, Thomas Kreutzmann, ARD Berlin

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Es soll die Krönung eines politischen Lebenswerks sein, ein Verneigen der Partei vor dem Mann, dem sie vieles verdankt. Alexander Gauland hat den "gärigen Haufen", wie er ihn immer nennt, in den vergangenen Jahren hauptsächlich durch seine Autorität geführt. Er hat Menschen und Parteiströmungen zusammengeführt und manch einen unlösbar scheinenden Konflikt durch sein Machtwort befriedet.

Zuletzt wirkte er häufig müde und angeschlagen und versuchte das auch gar nicht zu verbergen. Gauland wünschte sich von seiner AfD nur eines: eine geregelte Nachfolge. Doch diesen Wunsch wollten die Parteifreunde ihm nicht ohne Weiteres erfüllen.

"Eierlegende Wollmilchsau" für Gauland-Nachfolge

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger dauerte lange - es war die Rede von der "eierlegenden Wollmilchsau" die gebraucht werde: bloß nicht zu radikal, aber auch nicht zu brav-bürgerlich. Möglichst aus dem Osten, aber keiner, der die Mitglieder im Westen verschrecken könnte. Kein "Flügel"-Mitglied, aber einer, den der national-völkische "Flügel" akzeptiert - und umgekehrt.

Einer also, mit dem alle reden können - und der sich öffentlich möglichst nicht auf eine Seite allein schlägt. Einer, der die Strategie von Parteichef Gauland im Umgang mit der Rechtsaußen-Ecke der Partei weiter führen könnte, die Gauland so umschrieben hat: "Den Flügel kann man nicht von außen domestizieren, das muss von innen kommen."

Der Mann, für den Gauland sich entschieden hat, soll in Braunschweig nun auch tatsächlich zur Wahl stehen: Tino Chrupalla, der Malermeister aus Sachsen. Der Mann, der einst Michael Kretschmer von der CDU sein Bundestagsmandat im Wahlkreis Görlitz weggeschnappt hat - und es damit zu einer Art lokalem Superstar-Status in der Partei gebracht hat. Chrupalla also.

Inhaltlich ist er bisher nicht besonders aufgefallen - er wolle, dass die "AfD aus der reinen Protestecke herauskomme", sagt er der "Bild"-Zeitung zu seiner Bewerbung. Als Handwerksmeister und mittelständischer Unternehmer wolle er sich für fleißige, ehrliche Arbeitnehmer einsetzen.

Böse Kommentare hinter den Kulissen

Schnell war die Rede von einem Kompromiss, der die Basis nicht so recht mitreißt. Der sei zu unerfahren, auch im Umgang mit Medien, raunten parteiinterne Kritiker. Wofür stehe der eigentlich genau?, fragten Skeptiker. Und dann wurden die Kommentare hinter den Kulissen so böse, wie Parteifreunde manchmal werden können: Der sei doch intellektuell gar nicht in der Lage, diese Aufgabe zu übernehmen.

Dabei tat die Parteispitze alles, um den Eindruck von Streit und Chaos auf offener Bühne zu vermeiden. Schließlich solle der Parteitag "positive Impulse für Mitglieder und Wähler der AfD" liefern, meint Fraktionschefin Alice Weidel. Sie "erhofft sich ein Signal der Einigkeit, das in die Partei ausstrahlt". Weidel habe Tino Chrupalla unter ihre Fittiche genommen in letzter Zeit, heißt es.

Tino Chrupalla | Bildquelle: dpa
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Chrupalla ist der Kandidat, der von der Parteispitze unterstützt wird.

Gottfried Curio | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter
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Der promovierte Physiker Curio gilt als rhetorischer Scharfmacher.

Ungeplante Folgen nach Unterstützung durch Höcke

Und auch Björn Höcke hielt sich an den Wunsch Gaulands: Nach der Landtagswahl in Thüringen hob er vor der versammelten Hauptstadtpresse die Hand und zeigte auf den im Publikum sitzenden Chrupalla: "Schaut her, der kann es werden, den finde ich gut." Das sollte in die Partei hinein wirken. Tat es auch, aber nicht nur positiv. Schließlich hat Höcke auch parteiintern viele Gegner, gerade im Westen ist er manchem unheimlich, und eine politische Last.

Der Parteitag wird zeigen, ob man das inzwischen noch offen sagen darf in der AfD, die sonst so viel Wert auf Meinungs- und Redefreiheit legt. Klares Auftreten gegen Höcke und den national-völkischen "Flügel" kann existenzgefährdend sein. Wie viel Platz haben diejenigen, die einen Appell gegen den Personenkult um Höcke unterzeichnet haben, noch an der Spitze der Partei? Inzwischen gilt es als offenes Geheimnis, dass die Mitglieder des Bundesvorstands, die auf dieser Liste stehen, einen schweren Stand bei ihrer Wiederwahl haben dürften.

Gegenkandidaten von beiden Seiten

Und auch Chrupalla hat nun plötzlich Gegenkandidaten. Gottfried Curio etwa, innenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. Er liefert im Plenum die Reden, die die AfD-Basis begeistern, spricht von "Masseneinwanderung, die auch Messereinwanderung ist", und in seinem Bewerbungsvideo von "zig Hunderttausenden unberechtigten Leistungsempfängern, die hier in Deutschland ein Leben führen können, wie es dem arbeitenden deutschen Steuerzahler, der das finanziert, nicht möglich ist". Ob einer wie er die Partei zusammenführen kann, ist zweifelhaft - doch allein sein Redetalent und Gespür für die "Seele der AfD" könnte Chrupalla gefährlich werden.

Dana Guth | Bildquelle: dpa
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Guth gilt als gemäßigte Kandidatin.

Auch Dana Guth, eine weitere Gegenkandidatin aus Niedersachsen, schießt gegen Chrupalla. Sie hofft auf Stimmen der Gemäßigten. Dabei scheint das Hauen und Stechen, das nun so plötzlich ausgebrochen ist, weniger mit Ideologie zu tun zu haben als mit persönlichen Animositäten und politischem Machtkampf. Viele Landesverbände sind zerstritten, man versucht sich über den Weg in den Bundesvorstand eine bessere Position auf den Landeslisten zu sichern und Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Da werden harte Bandagen benutzt und Deals in Hinterzimmern geschlossen - mindestens so leidenschaftlich wie in den anderen Parteien, die die AfD für dieses Verhalten immer kritisiert.

Gaulands Rückzug vom Rückzug

Alexander Gauland reagiert erkennbar nervös: Erst verkündet er, sicher nicht wieder selbst antreten zu wollen. Dann der Rückzug vom Rückzug: Wenn Meuthen und Chrupalla nicht gewählt würden, behalte er sich vor, selbst noch einmal zu kandidieren. Nach Unmut über Curios mangelndes Organisationstalent gefragt, erklärt er dem Magazin "Focus": "Das wird in der Fraktion so gesehen. Aber für die Delegierten auf dem Parteitag spielt das keine Rolle."

AfD-Chef Meuthen | Bildquelle: OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX
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AfD-Chef Meuthen will möglichst bald in Regierungsverantwortung kommen.

Im Notfall also könnte es wieder auf ihn zulaufen, das muss Gauland schon einsehen, bevor die Delegierten überhaupt in Braunschweig sind. Es gebe eine "emotionale Komponente", stellt auch Parteichef Meuthen fest, der auf dem Parteitag ebenfalls zur Wiederwahl antritt. Meuthen mahnt zur Vernunft: "Die AfD muss sich in den kommenden zwei Jahren zur Regierungsfähigkeit professionalisieren. Wir müssen so aufgestellt sein, dass die Bürger wissen: Uns kann man in Regierungsverantwortung wählen."

Ob dieser Appell bei den 600 Delegierten in Braunschweig gut ankommen wird, ist fraglich. Auf offener Bühne gewinnt in der AfD bisher meist der, der seine Konkurrenten an verbaler Radikalität übertrifft. Der Parteitag wird zeigen, ob die AfD tatsächlich in der Lage ist, sich zu disziplinieren - und damit einen anderen großen Wunsch von Alexander Gauland erfüllt: sich "bürgerlich" zu geben - zumindest auf offener Bühne.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 29. November 2019 um 07:09 Uhr.

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