Brandenburg AfD-Landeschef besuchte HDJ-Pfingstlager

Stand: 29.08.2019 14:01 Uhr

Der Brandenburger AfD-Landesvorsitzende Andreas Kalbitz hatte nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste Verbindung zur rechtsextremen "Heimattreuen deutschen Jugend" und nahm an einem sogenannten Pfingstlager teil.

Andreas Kalbitz, Landesvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) in Brandenburg, stand in Verbindung zur inzwischen verbotenen rechtsextremen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ).

Das belegen Fotos und Filmaufnahmen, die dem ARD-Politikmagazin Kontraste exklusiv vorliegen. Nach Kontraste-Recherchen nahm Kalbitz 2007 an einem sogenannten Pfingstlager der HDJ teil. Das HDJ-Treffen fand in Eschede auf einem Bauernhof statt. Es war ein mehrtägiges Lager mit Frühsport, Brauchtumsveranstaltung und "germanischem" Mehrkampf.

"Ich war als Gast dort"

Andreas Kalbitz (AfD) teilte Kontraste am Montag zunächst auf Nachfrage mit: "Eine Teilnahme an dieser Veranstaltung der HDJ vor elf Jahren ist mir nicht mehr erinnerlich, aber nicht ausgeschlossen, da ich eine Vielzahl verschiedenster Veranstaltungen besucht habe." Anhänger der HDJ sei er nicht gewesen.
 
Mit den Fotos konfrontiert, korrigierte sich Kalbitz am Dienstag und räumte seine Teilnahme am Pfingstlager gegenüber Brandenburg Aktuell ein. "Ich war als Gast dort, mutmaßlich, um mir das mal anzuschauen. Ich sehe da kein Problem."

alt Der Landesvorsitzende brandenburgischen AfD, Andreas Kalbitz (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)

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Schilder wie "Führerbunker" an Zelten

2007 galt die HDJ bereits als eine der gefährlichsten rechtsextremen Organisationen, deren Ziel es war, neonazistische Ideen unter Kindern und Jugendlichen zu verbreiten. Die HDJ habe einen elitären Anspruch, nicht jeder könne ihr beitreten, Voraussetzung sei eine feste Weltanschauung, wird der frühere HDJ-Vorsitzende Sebastian Räbinger 2007 in einem Bericht des Brandenburger Innenministeriums zitiert. Die HDJ wurde 2009 vom Bundesinnenministerium u.a. wegen ihrer "dem Nationalsozialismus wesensverwandten Ideologie" und einer "aktiv-kämpferischen, aggressiven Grundhaltung" verboten.
 
Die 1990 gegründete Organisation sah sich als Kaderschmiede für künftige neonazistische Führungspersönlichkeiten. In Lagern der HDJ ging es um den soldatischen Drill von Kindern und Jugendlichen. Schilder wie "Führerbunker" an Zelten zum Beispiel beim Pfingstreffen 2006 zeigten deutlich die Ideologie der Organisation. Der "paramilitärisch auftretenden Elite" wurde Antisemitismus, Hitler-Verehrung und Rassenkundeunterricht vorgeworfen. In der Verbotsverfügung heißt es: "Die HDJ tritt kompromisslos für die Verbreitung ihrer Ideologie ein und ist auf breiter Front zu einer direkten Konfrontation mit ihren Gegnern bereit."

Andreas Kalbitz folgte im April 2017 Alexander Gauland als Landesvorsitzender der AfD Brandenburg und ist AfD-Fraktionsvorsitzender im Brandenburger Landtag.

Reaktionen

Im Nachgang zu der Berichterstattung des rbb sagte Kalbitz der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag, es habe sich um einen "Informationsbesuch" bei dem HDJ-Treffen gehandelt. Ihm sei damals nicht klar gewesen, dass der Verein vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft war. Er habe die Veranstaltung eher als uninteressant empfunden und sei deshalb auch nicht dort aktiv geworden. Die Parteispitze sieht in dem Bericht nach Angaben von Sprecher Christian Lüth keinen Anlass, sich selbst mit dem Thema zu befassen. Dass Kalbitz damals dort gewesen sei, "war bekannt", sagte der Sprecher. Die Gruppe stehe nicht auf der Liste von Organisationen, bei denen eine frühere Mitgliedschaft die Aufnahme in die AfD verhindere. Diese "Unvereinbarkeitsliste" orientiere sich an den jeweils aktuellen Verfassungsschutzberichten.

Sendung: Brandenburg aktuell, 06.03.2018, 19:30 Uhr

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