Der neue AfD-Landeschef Rüdiger Lucassen auf dem Parteitag in Kalkar | Bildquelle: ddp images/Revierfoto

Nordrhein-Westfalen AfD will "Flügel" aus der Partei werfen

Stand: 18.03.2020 20:14 Uhr

Der AfD-Landeschef in NRW will den vom Verfassungsschutz beobachteten, sogenannten "Flügel" aus der Partei ausgrenzen. Das geht aus einem Brief an den Bundesvorstand hervor.

Von Christoph Ullrich

Der Parteichef der NRW-AfD, Rüdiger Lucassen, hat einen außergewöhnlichen Brief an den Bundesvorstand geschrieben. In dem Papier, das dem WDR vorliegt, fordert er die Auflösung des sogenannten Flügels. Die parteinahe Organisation wird vom Verfassungsschutz inzwischen beobachtet.

Lucassen spricht von einer Austrittswelle

Gerade diese Überwachung scheint das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. In dem Brief schreibt Lucassen, dass der Verfassungsschutz zwar politisch instrumentalisiert sei, um der AfD zu schaden. Allerdings würde dieser Schritt auch entsprechenden Schaden anrichten.

Lucassen spricht davon, dass nach dem rechtsextremen Anschlag in Hanau und der Beobachtung des Flügels eine "Austrittswelle" begonnen habe. "Wir verlieren täglich bewährte Mitglieder und Leistungsträger", schreibt der AfD-Politiker.

Der Flügel - zu dem prominente Parteimitglieder wie Andreas Kalbitz aus Brandenburg oder Björn Höcke aus Thüringen gehören - sei ein steter "Quell von Streit und personellen und organisatorischen - weniger politischen - Auseinandersetzungen." Vorherige Landesverbände in NRW seien daran bereits gescheitert.

Scharfe Abgrenzung bis Verbot gefordert

Lucassen fordert daher den AfD-Bundesvorstand um Jörg Meuthen und Tino Chrupalla auf, deutliche Maßnahmen in Gang zu setzen. Auch wenn der Flügel keine offizielle Parteiorganisation sei, müsse er aufgelöst werden.

Veranstaltungen von AfD-Mitgliedern unter dem Parteilogo seien zu verbieten. Außerdem sollen sich - so Lucassen - Protagonisten des Flügel "vorbehaltlos in Diktion und Duktus den Zielen und der Programmatik der AfD unterzuordnen."

Tonfall gegen den Flügel scharf wie nie

In der Vergangenheit hatte es schon zahlreiche Versuche aus NRW gegeben, den Einfluss des Flügels auf die Partei zu stoppen. Eine derart deutliche Vorgehensweise ist aber auch für den seit Jahren schwelenden Streit von neuer Qualität. Am Freitag (20.03.2020) will sich der Bundesvorstand unter anderem mit dem Schreiben Lucassens beschäftigen.

Neuer Wirbel um den "Flügel" der AfD
Kilian Pfeffer, ARD Berlin
19.03.2020 06:38 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: