Eine Hausärztin im bayerischen Naila verabreicht einem Patienten eine Impfung gegen das Coronavirus. | dpa

Kampf gegen Pandemie Hausärzte starten mit Impfungen

Stand: 06.04.2021 06:56 Uhr

Sie sollen den Durchbruch für die Impfkampagne bringen: Heute beginnt das flächendeckende Impfen in Hausarztpraxen. Noch sind die verfügbaren Impfstoffmengen allerdings überschaubar.

Nach dem schleppenden Start der Corona-Impfungen beginnt nun die zweite Stufe der Impfkampagne in Deutschland: In dieser Woche wollen bundesweit 35.000 Hausärzte mit Impfungen gegen das Coronavirus loslegen. Einige Praxen starten bereits heute, andere warten noch auf Impfstoff und wollen in den nächsten Tagen folgen. Seit Beginn der Impfkampagne Ende Dezember wurden die Vakzine bisher vor allem in den bundesweit 430 Impfzentren verabreicht.

Nur 940.000 Dosen für die erste Woche

Zunächst steht den Hausärzten nur ein überschaubares Angebot zur Verfügung. In der ersten Woche erhalten alle Praxen zusammen 940.000 Impfdosen. Das sind rein rechnerisch gut 26 Dosen pro Praxis. In der Woche vom 26. April gibt es dann aber einen deutlichen Schub, dann können die Praxen insgesamt mit mehr als drei Millionen Dosen rechnen. Das wären erstmals mehr als für die Impfzentren. Immer dienstags bis 12.00 Uhr können die Praxen bei den Apotheken Impfdosen für die Woche drauf ordern. Anlieferung ist dann Montagnachmittag, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung erläuterte.

Auch für die Hausarztpraxen gilt generell die festgelegte Prioritäten-Reihenfolge, wer zuerst geimpft werden kann. Eine zentrale Einladung für die Patienten gibt es nicht, wie das Bundesgesundheitsministerium erläutert. Wie sie Impftermine vergeben, können die Praxen selbst regeln, zum Beispiel per Telefon oder mit Online-Buchungen. Einzelne Ärzte impfen - auch im Zuge von Modellprojekten - schon seit einiger Zeit: In Bayern war vergangene Woche Impfstart in 1635 Praxen.

Mehr Klarheit zu AstraZeneca gefordert

In den ersten beiden Aprilwochen soll in den Praxen nur der Impfstoff von BioNTech/Pfizer eingesetzt werden, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erläuterte - denn der sei jetzt in ausreichender Menge verfügbar. Ab der Woche vom 19. April soll dann auch AstraZeneca an die Praxen gehen, danach auch das Vakzin von Johnson & Johnson.

Vor allem mit Blick auf AstraZeneca forderte der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, mehr Informationen über die Nebenwirkungen. "Impfen darf nicht zur Mutprobe werden, weder für die Patienten noch für den Arzt", sagte Weigeldt der "Bild"-Zeitung. Es fehle bisher an Klarheit, welche Vorerkrankungen und Prädispositionen die Geimpften hatten, bei denen Hirnvenen-Thrombosen aufgetreten waren. So sei es leichter einzuschätzen, ob der Impfstoff auch an unter 60-Jährige verimpft werden könne. "Hausärzte kennen ihre Patienten und könnten differenzierte Entscheidungen treffen - alle unter 60 Jahre von der Impfung mit AstraZeneca auszuschließen, ist sehr holzschnittartig", kritisierte nun der Hausärztechef. Dennoch will er seinen Kollegen nicht pauschal empfehlen, die Vorgabe der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu umgehen.

Impfungen in Betrieben vorbereiten

Mit dem Start in den Praxen gerät nun auch der nächste Schritt der Impfkampagne verstärkt in den Blick: Impfungen in Unternehmen durch Betriebsärzte. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) forderte von der Bundesregierung, dies rasch voranzutreiben. "Der Start der Impfkampagne auch durch Hausarztpraxen ist ein richtiger Schritt, doch er reicht nicht aus, um den Corona-Impfschutz so schnell wie irgend möglich an so viele Menschen wie möglich zu bringen", erklärte Verbandsdirektor Florian Reuther.

"Schon jetzt muss die Politik den nächsten Schritt vorbereiten und die Impfung in den Betrieben und bei allen anderen Arzt- und Zahnarztgruppen ermöglichen, sobald in den nächsten Wochen die Impfstofflieferungen wie erwartet ansteigen." Er forderte die Bundesregierung auf, jetzt die nötigen Organisationsfragen zu lösen - "und nicht erst dann, wenn sich die Impfstoffe auf dem Hof stapeln".

Gesundheitsminister Spahn hatte Ende März gesagt, Betriebsärzte sollten erst nach Hausärzten in die Impfkampagne einsteigen. "Noch ist er zu knapp", sagte er über den verfügbaren Impfstoff. Er finde es schwierig, jüngere Mitarbeiter von Unternehmen zu impfen, solange die Älteren noch nicht geschützt seien.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. April 2021 um 23:10 Uhr.