AstraZeneca Impffläschchen in einem Impfzentrum in Thüringen | dpa

Lieferprobleme bei AstraZeneca Thüringen drosselt Impftempo

Stand: 13.03.2021 16:48 Uhr

AstraZeneca hat erneut drastische Lieferkürzungen angekündigt - bis zum Sommer sollen in Deutschland etliche Millionen Impfdosen weniger ankommen als geplant. Thüringen reagiert mit einem Stopp der Impfterminvergabe.

Die Impfkampagne in Deutschland muss einen weiteren Rückschlag verkraften: Wegen neuer Lieferprobleme bei AstraZeneca muss Deutschland in den kommenden Monaten mit weit weniger Impfstoffdosen auskommen als gedacht. Thüringen hat bereits reagiert und vorerst die Terminvergabe für Impfungen gestoppt. Darüber hinaus soll sich auch der Impfstart bei den Hausärzten verschieben.

Liefermenge um mehr als zwei Drittel geschrumpft

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) bezeichnete die angekündigte Lieferkürzung als "absolut inakzeptabel". Nach Thüringen sollten kommende und die darauffolgende Woche 31.200 AstraZeneca-Impfdosen geliefert werden. Laut Gesundheitsministerium werden es nun nur noch 9600 sein.

Werner kritisierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die Länder im Februar aufgefordert habe, keine AstraZeneca-Impfstoffdosen zurückzuhalten, weil die Liefermengen sicher seien. "Damit ist auch der letzte Funke an Vertrauen in verbindliche Zusagen erloschen. Ich fordere den Bundesgesundheitsminister auf, sofort zu intervenieren."

Modellprojekt auf Eis

Ursprünglich sollte noch im März in Thüringen ein Modellprojekt starten, bei dem erstmals auch Hausärzte Corona-Impfungen durchführen sollten. Ziel des Projektes war es, vor allem ältere Menschen zu Hause zu impfen, die nicht in einer Einrichtung leben und denen es zudem schwer fällt, in die Impfzentren zu kommen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sollten dafür 10.800 Moderna-Impfdosen verwendet werden, deren Lieferung in der kommenden Woche erwartet werden. Nun müssen aber für bereits gebuchte Impftermine, bei denen AstraZeneca-Dosen genutzt werden sollten, die Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna verwendet werden.

Heike Werner (Linke), Gesundheitsministerin Thüringen | dpa

Erst vor wenigen Tagen hatte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner das Ostthüringer Impfzentrum in Gera eröffnet - jetzt stoppte das Ministerium die Terminvergabe für die letzten offenen Termine dort. Bild: dpa

Sachsen-Anhalt verschiebt Impfung der Polizei

Auch in Sachsen-Anhalt kommt es wegen der Lieferkürzungen zu Verzögerungen. Dort werden die Impfungen der Polizistinnen und Polizisten vorerst zurückgestellt. Die "drastischen" Kürzungen seien "ein herber Dämpfer für den Impffortschritt im Land", sagte Landesgesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). In den kommenden drei Wochen erhalte Sachsen-Anhalt rund 70 Prozent weniger AstraZeneca-Impfstoffdosen als bislang zugesichert. 

Das Land müsse reagieren und die Verteilung anpassen, erklärte Grimm-Benne. Die reduzierten Impfstofflieferungen würden in den kommenden beiden Wochen zu gleichen Teilen auf die Impfzentren in Magdeburg und Halle aufgeteilt. Anfang April solle sich die Liefermenge für Sachsen-Anhalt aber wieder stabilisieren.

Lieferprobleme durch Exportstopps

Der Hersteller AstraZeneca hatte angekündigt, statt der zuletzt anvisierten 220 Millionen Dosen sollen nur noch 100 Millionen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten zu liefern. Der deutsche Anteil daran liegt bei 19 Millionen Dosen. Der Konzern begründete die Kürzungen mit Produktionsproblemen innerhalb und Exportbeschränkungen außerhalb der EU.

Schon vor Wochen hatte AstraZeneca Lieferkürzungen bekanntgegeben. Damals hatte der Konzern angekündigt, im ersten Quartal statt mindestens 80 Millionen Impfdosen nur 40 Millionen in die EU liefern zu können. Darauf folgte ein Streit mit der EU, weil weil AstraZeneca Großbritannien und andere Nicht-EU-Länder offenbar weiterhin mit ungekürzten Mengen belieferte. Jetzt umfasst die angekündigte Liefermenge bis Ende März nur noch 30 Millionen Impfdosen.

Die EU-Kommission teilte inzwischen mit, sie habe die Lieferprobleme von AstraZeneca zur Kenntnis genommen. Die Gespräche mit dem Unternehmen dauerten an. "Wir bestehen darauf, dass das Unternehmen alles tut, um seine Verpflichtungen einzuhalten."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. März 2021 um 14:00 Uhr.