Ruine eines DDR-Plattenbaus, Mecklenburg-Vorpommern | picture alliance / dpa

Bilanz nach 30 Jahren Vier Millionen Menschen zogen von Ost nach West

Stand: 28.03.2021 12:26 Uhr

Zuletzt haben die neuen Bundesländer immer wieder mehr Menschen angezogen als verloren. Dennoch bleibt die Bilanz nach 30 Jahren eindeutig: Viel mehr Menschen sind in den Westen gegangen als von dort gekommen.

Anfang der 1990er Jahre war der Trend ganz eindeutig: Die Zahl der Menschen, die von Osten nach Westen zogen, stieg nach dem Fall der Mauer sprunghaft an. Mehr als 165.000 waren es allein im Jahr 1991. Mitte der 1990er verringerte sich der Trend dann langsam. Erst seit 2012 sind die Zahlen relativ ausgeglichen. Insgesamt sind in den vergangenen 30 Jahren rund 1,23 Millionen Menschen mehr von Ost- nach Westdeutschland gezogen als umgekehrt.

Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Dem Papier zufolge zogen 3,86 Millionen Menschen aus den neuen Ländern nach Westdeutschland. Die größte Gruppe bildeten dabei die 18 bis Unter-30-Jährigen. Von West nach Ost zogen dagegen 2,63 Millionen Menschen.

Trendwende erstmals vor sechs Jahren

2014 drehte sich die Entwicklung erstmals in einem Ostland um: In Sachsen, wo die Wanderungsverluste teils besonders groß gewesen waren, kamen durch Wanderungen zwischen Ost- und Westdeutschland unterm Strich rund 1800 Menschen dazu. In den Jahren darauf gab es je nach neuem Bundesland sowohl positive als auch negative Wanderungseffekte.

2019 gab es ein Plus von etwa 1000 für die neuen Länder: Mehr Zuwanderung in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg glich überwiegende Abwanderung aus Thüringen und Sachsen-Anhalt mehr als aus. Es handelt sich um das jüngste in den aktuellen Werten des Statistischen Bundesamts aufgeführte Jahr.

Andere Lebensverhältnisse befördern

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Zahlen erfragt hatte, machte ungleiche Lebensverhältnisse für die Abwanderung aus dem Osten verantwortlich. "Viele Ostdeutsche haben ihrer Heimat den Rücken gekehrt, um Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen zu entrinnen", sagte sie. Mit der Entvölkerung von Regionen gehe ein Rückbau von sozialer und kultureller Infrastruktur in vielen Städten und Gemeinden einher. Abwanderung werde so weiter befördert.

Vermehrt würden nun auch wieder Unternehmensstandorte geschlossen - wie jüngst das Haribo-Werk im sächsischen Wilkau-Haßlau. Zimmermann forderte die Stärkung der Tarifbindung, gleiche Bezahlung in Ost und West und eine Erhöhung des Mindestlohns.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. März 2021 um 15:00 Uhr in den Nachrichten.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
IBELIN 28.03.2021 • 21:09 Uhr

13:32 von MRomTRom

"Leibzig und Dresden ganz vorne dabei „ Leipzig“ leitet sich vom altsorbischen Lipa für Linde ab. Deswegen schreibt man es mit p."