Auszubildende: Kochlehrlinge | Bildquelle: dpa

Abbrecherquote Immer mehr Azubis schmeißen hin

Stand: 04.04.2018 16:51 Uhr

Die Zahl der Ausbildungsabbrecher steigt: Besonders hoch ist die Quote laut "SZ" bei Sicherheitsfachkräften und Köchen. Gewerkschaften und Arbeitgeber machen dafür unterschiedliche Gründe aus.

Die Abbrecherquote in der Berufsausbildung ist nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" so hoch wie seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr. Mehr als jeder vierte Auszubildende schmeiße seine Lehre hin, schreibt die "SZ". Die Zeitung beruft sich dabei auf den Entwurf für den Berufsbildungsbericht 2018.

Diesem Bericht zufolge wurden 2016 gut 146.000 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst. Der Anteil der abgebrochenen Ausbildungen liege mit 25,8 Prozent erstmals über den seit Anfang der 1990er-Jahre üblichen Quoten von 20 bis 25 Prozent.

Angehende Sicherheitsfachkräfte brechen häufig ab

Am höchsten sei der Anteil der Abbrecher bei angehenden Sicherheitsfachkräften mit 50,6 Prozent. Besonders hoch ist die Abbrecherquote auch bei Berufen wie Koch, Restaurantfachkraft oder Friseur - auch dort höre etwa jeder Zweite vor der Abschlussprüfung auf. Anders sieht es bei Azubis aus, die Fachangestellte in der Verwaltung werden wollen. Nur 4,1 Prozent brechen dort vorzeitig ab.

DGB: "Karge Vergütung"

Auffallend ist für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) dabei vor allem eines: "Dort wo die Vergütung besonders niedrig ist, sind die Abbrecherquoten extrem hoch", sagte DGB-Vizechefi Elke Hannack. "Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen." Hannack forderte die Bundesregierung deshalb auf, die geplante Mindestvergütung für Azubis schnell durchzusetzen.

Laut "SZ" werden in dem Bericht mehrere Gründe für die hohen Abbrecherquoten angeführt: Konflikte mit Vorgesetzten, eine mangelnde Ausbildungsqualität, ungünstige Arbeitsbedingungen sowie falsche Berufsvorstellungen. Betriebe führten hingegen "überwiegend mangelnde Ausbildungsleistungen der Auszubildenden" wie auch deren fehlende "Motivation oder Integration in das Betriebsgeschehen" an.

Arbeitgeberpräsident widerspricht

Über die Hälfte der Vertragslösungen sind nach Ansicht von Ingo Kramer - Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber (BDA) - keine endgültigen Ausbildungsabbrüche, sondern gingen mit einem Wechsel des Ausbildungsbetriebes oder des Ausbildungsberufs einher. Die Auszubildenden verblieben also weiter im Qualifizierungsprozess als berufliche Fachkräfte. Die Abbruchquote liege somit mit rund zwölf Prozent deutlich niedriger als im Hochschulbereich mit 29 Prozent.

Ingo Kramer, der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer: "Bei einem größeren Angebot an Ausbildungsstellen lösen junge Menschen eher den Ausbildungsvertrag und wechseln in ein anderes Ausbildungsverhältnis."


BDA: Vergütung führt nicht zu Abbruch

Der vom DGB hergestellte Zusammenhang von Ausbildungsvergütung und Vertragslösungsquote besteht laut Kramer keineswegs. Die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung bei Köchen und Restaurantfachkräften, die überdurchschnittlich hohe Abbrecherquoten aufweisen, liege in Westdeutschland bei 784 Euro monatlich, in Ostdeutschland bei 669 Euro und damit jeweils im mittleren Bereich. Gründe für Abbrüche in diesen Berufen seien falsche Berufsvorstellungen und atypische Arbeitszeiten.

Umso wichtiger seien daher eine in den Lehrplänen verankerte praxisorientierte Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen, die ein klares Bild von der beruflichen Realität in den Betrieben vermittelt. Zudem sei sicherzustellen, dass Schulabgänger den fachlichen Anforderungen ihres Ausbildungsberufs auch gerecht werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. April 2018 u.a. um 04:58 Uhr und 05:30 Uhr.

Darstellung: