9 Euro Ticket Juni 2022 | dpa

Nachfolger für 9-Euro-Ticket Städtebund dafür, Landkreistag dagegen

Stand: 18.07.2022 10:14 Uhr

365 Euro im Jahr oder 29 im Monat? Für eine Anschlussregelung für das 9-Euro-Ticket liegen verschiedene Vorschläge auf dem Tisch. Auch vom Städtebund kommt Unterstützung - der Landkreistag hält dagegen nichts von einer Verlängerung.

Die Diskussion über eine Anschlussregelung für das 9-Euro-Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geht weiter. Der Städte- und Gemeindebund unterstützt Vorschläge für ein bundesweit einheitliches und dauerhaft günstiges Ticket. "Die Bürgerinnen und Bürger haben ein hohes Interesse, ohne Tarifdschungel Busse und Bahnen in ganz Deutschland nutzen zu können. Das zeigen auch die Erfahrungen des 9-Euro-Tickets", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch das Beispiel Österreich zeige, dass ein 365-Euro-Ticket auf hohe Akzeptanz stößt.

Dieses Modell ist als möglicher Nachfolger für das auf drei Monate angelegte und Ende August auslaufende 9-Euro-Ticket ebenfalls im Gespräch. CSU-Chef Markus Söder hatte sich am Wochenende für das 365-Euro-Ticket ausgesprochen, das für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr in ganz Deutschland gelten soll. Aber es liegen auch andere Vorschläge auf dem Tisch: Die Verbraucherzentralen etwa hatten unlängst ein 29-Euro-Monatsticket vorgeschlagen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hatte sich am Donnerstag für ein bundesweites 69-Euro-Ticket ausgesprochen.

"Viel staatliches Geld verbrannt"

Doch es gibt auch Gegenwind: Der Deutsche Landkreistag lehnt eine generelle Verlängerung des 9-Euro-Tickets ab - egal in welcher Ausformung. "Von Vorschlägen zur Verlängerung des 9-Euro-Tickets und auch von Nachfolgemodellen wie einem 365-Euro-Jahresticket halte ich nichts", sagte Landkreistagspräsident Reinhard Sager (CDU) den Funke-Zeitungen. 2,5 Milliarden Euro zur Finanzierung des aktuellen Tickets fehlten der öffentlichen Hand an anderer Stelle. "Damit ist viel staatliches Geld verbrannt worden, das wirkungsvoller hätte in Taktung und Ausstattung investiert werden können."

Dass es mehr Geld zum Ausbau des Nahverkehrs braucht, darüber sind sich fast alle einig. Auch Städtebund-Chef Landsberg forderte vom Bund, seine Anstrengungen für einen besseren Ausbau von Bussen und Bahnlinien voranzutreiben. "Die bisherigen Mittel reichen leider nicht."

Haushalte von Bund und Länder entscheidend

Bundesverkehrsminister Volker Wissing wiederum zeigte sich erfreut über die vielen Vorschläge zu einem möglichen Anschluss-Ticket. "Wir werden all das genau prüfen und evaluieren, auch eigene Modelle durchrechnen und mit den Ländern beraten. Wir müssen uns genau anschauen, zu welchem Preis man ein solches Ticket deutschlandweit anbieten könnte", sagte der FDP-Politiker der Funke-Mediengruppe. Ziel sei, Übersichtlichkeit bei den Tarifen zu schaffen und das ÖPNV-Angebot möglichst einfach und attraktiv zu gestalten. "Am Ende muss es natürlich auch in die Haushalte der Länder und des Bundes passen", machte Wissing deutlich.

Laut Umweltverband Greenpeace bietet ein mögliches Nachfolge-Ticket Antworten auf gleich zwei drängende Probleme: Es entlaste die von der Energiekrise getroffenen Haushalte spürbar und es bringe den Klimaschutz im Verkehr voran, sagte Greenpeace-Verkehrsexpertin Marissa Reiserer.

Greenpeace will klimaschädliche Subventionen streichen

So könnte die Verkehrsverlagerung durch ein solches Ticket laut Greenpeace-Erhebungen den CO2-Ausstoß um zwei bis sechs Millionen Tonnen pro Jahr senken. Je nach Kosten des Tickets könnten Haushalte monatlich mehrere hundert Euro sparen. Zur Finanzierung schlägt Greenpeace vor, gezielt klimaschädliche Subventionen wie etwa die Pendlerpauschale zu streichen.

Noch bis Ende August können Bahnreisende für neun Euro im Monat den Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen. Die Finanzierung des verbilligten Tickets ist Teil der Entlastungspakete des Bundes als Reaktion auf drastische Preissteigerungen in nahezu allen Lebensbereichen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Juli 2022 um 10:00 Uhr.