Eine Rettungsschwimmerin beobachtet einen Strand in Schleswig-Holstein | Bildquelle: dpa

Bilanz der DLRG Weniger Badetote - keine Entwarnung

Stand: 01.08.2019 14:51 Uhr

2019 sind bundesweit bisher weniger Menschen ertrunken als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der einfache Grund: Es gab weniger Badewetter. Sorgen macht Experten, dass mittlerweile viele Kinder nicht schwimmen können.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres sind bundesweit weniger Menschen beim Baden ertrunken als im gleichen Zeitraum 2018. Wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mitteilte, starben der Statistik zufolge mit Stand 20. Juli insgesamt 250 Menschen - das sind 29 weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Grund für den Rückgang sei das im Vergleich zum Vorjahr bisher eher verhaltene Wetter. "Die Zahl der Ertrunkenen ist nun mal sehr wetterabhängig", erklärte DLRG-Sprecher Achim Wiese. Der Frühling und der Juli als erster Sommermonat 2019 hätten weniger Badewetter geboten als 2018. So ertranken im sehr warmen Mai 2018 mindestens 51 Menschen, im Mai dieses Jahres 28. Insgesamt kamen 2018 mindestens 504 Menschen beim Baden ums Leben, das waren etwa 100 mehr als im Jahr davor.

Schlechtere Schwimmfähigkeiten bei Kindern

Trotz des Rückgangs in diesem Jahr: Die Zahlen seien weiter dramatisch, sagte Wiese. Sorgen machen der DLRG die schlechteren Schwimmfähigkeiten gerade bei Kindern: Nur knapp über 40 Prozent könnten nach der Grundschule schwimmen. In den 1990er-Jahren seien das noch nahezu 90 Prozent gewesen.

Die Statistik der DLRG zeigt Unterschiede zwischen den Bundesländern: Während die Zahl der Badetoten in Bayern um 20 auf 65 Fälle stieg, gab es in Niedersachsen einen Rückgang um sieben auf 29 Tote. Im Geschlechtervergleich lag der Anteil der Frauen mit 19 Prozent deutlich unter dem der Männer. Die DLRG führt dies auf das Verhalten der Männer zurück. "Männer sind risikofreudiger und spielen gerne mal den Helden, was dann leider allzu oft tragisch endet", sagte Wiese. Hauptgründe für das Ertrinken seien das Baden an unbewachten Stränden sowie Alkohol, Leichtsinn und Selbstüberschätzung.

Die meisten Todesfälle in Seen und Teichen

Der häufigste Ort für tödliche Badeunfälle sind unverändert ungesicherte Badestellen. Mindestens 231 Menschen kamen dort ums Leben, das sind mehr als 90 Prozent der Gesamtzahl. 131 starben in Seen und Teichen, 76 in Flüssen, jeweils neun in einem Kanal oder Bach, fünf in Hafenbecken, einer in einem Graben. DLRG-Sprecher Wiese erklärte, die Organisation sei weiterhin bereit, mit Kommunen oder Landkreisen zusammenzuarbeiten. "Ein simples Badeverbotsschild reicht eben nicht aus, um Menschen vom Sprung ins unbewachte und vor allem unbekannte Gewässer abzuhalten."

In Schwimmbädern starben in diesem Jahr nach der DLRG-Statistik sechs Menschen, in der Ostsee ebenfalls sechs. In der Nordsee kam ein Mensch ums Leben.

Gefährliche Strömungen

Die DLRG empfiehlt, nur an bewachten Badestellen schwimmen zu gehen. Unbekannte Gewässer bergen Gefahren - deshalb sollte man nie übermütig in einen See springen. Zwar reicht in vielen deutschen Flüssen die Wasserqualität zum Baden aus, das gilt auch für große Abschnitte der Elbe oder des Rheins. Vorsicht ist aber bei Niedrigwasser geboten, weil die Wasserqualität dann erheblich sinken kann. Gefahr entsteht zudem durch gefährliche Strömungen, die an der Wasseroberfläche oft kaum erkennbar sind, sowie durch den Schiffsverkehr, Brückenpfeiler und Unterwasserhindernisse.

Immer gilt auch: Warnhinweise beachten. Eine rote Flagge am Meer beispielsweise bedeutet Badeverbot - im Sommer wird dies immer wieder ignoriert. Bei Wellengang entsteht eine Strömung, die staubsaugerartig ins offene Meer zurückzieht. Dies ist vor allem für Kinder im flachen Wasser gefährlich, weil sie leicht umgerissen werden können. 

Überhaupt sollten Eltern Kinder an Gewässern daher nie aus den Augen lassen. Das gilt auch für den flachen Gartenteich. Kleine Kinder können bereits in wenige Zentimeter tiefem Wasser ertrinken. Wenn ein Kind im Wasser in Not gerät, ist das für Außenstehende zudem mitunter schwer zu erkennen, warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. August 2019 um 14:45 Uhr in den Nachrichten.

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