Grand Canyon | Bildquelle: AFP

Grand-Canyon-Park wird 100 Schlucht der Extreme

Stand: 26.02.2019 12:47 Uhr

Richtig viel Geld bringen die Besucher des Grand Canyons mit. Sechs Millionen Touristen kommen jährlich, um die Schönheit der Natur zu bewundern. Doch die dort lebenden Hopi-Indiander kämpfen ums Überleben.

Von Sebastian Schreiber, ARD-Studio Washington

Es ist Winter am Grand Canyon. Eine Karawane von neun Maultieren bahnt sich ihren Weg entlang der verschneiten Schlucht. Vorne weg reitet Jason Casanova. Er trägt Cowboyhut, Backenbart und Stiefel mit Sporn.

Für den Viehtreiber gibt es keinen schöneren Arbeitsplatz: "Der Canyon ist einzigartig. Er ist breit, massiv und majestätisch", schwärmt er. "An manchen Tagen sieht man auf den Canyon während eines Ausritts und es scheint, man sieht sich ein Gemälde an. Man denkt also, dass er gar nicht echt ist. Manchmal sieht man in der Schlucht zwei Regenbögen auf einmal und man trifft auf die Tierwelt."

Viehtreiber Jason Casanova vor der Kulisse des Grand Canyons. | Bildquelle: Sebastian Schreiber
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Liebt seinen Arbeitsort: Viehtreiber Jason Casanova vor der Kulisse des Grand Canyons.

Wer den 1,6 Kilometer tiefen Canyon hinabsteigt, erlebt fünf verschiedene Vegetationszonen: von Fichtenwäldern über eine Wüstenzone bis zum Fluss am Grund der Schlucht. Ein einzigartiges Naturschauspiel.

"Zum Nutzen und zum Genuss des Volkes"

Vor genau 100 Jahren, 1919, machten Republikaner und Demokraten gemeinsam den Grand Canyon zum Nationalpark. Die Natur steht seitdem unter Schutz: 

"Hiermit sei durch den Senat und das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten verordnet, dass das im folgenden beschriebene Land im Staate Arizona unter dem Namen 'Grand Canyon National Park' dem Innenministerium der Vereinigten Staaten unterstellt wird. Es ist damit  ausgenommen von Ansiedlung oder Aneignung sowie bereitgestellt als öffentlicher Park zum Nutzen und zum Genuss des Volkes."

Heute besuchen den Nationalpark im Jahr mehr als sechs Millionen Menschen. Doch vom Tourismus profitieren nicht alle. Die Hopi-Indianer leben seit Jahrhunderten am Grand Canyon.

Für ihre Kultur hat die Schlucht eine herausragende Bedeutung, erklärt die 84-jährige Hopi-Indianerin Loy Cion: "Die Geschichte sagt, dass es der Ort ist, dem wir entsprungen sind. Es gibt am Grunde des Grand Canyons einen Ort, den wir Sipapu nennen. Er ist sehr wichtig für die Hopi, es ist eine Pilgerstätte, dort gehen die Menschen zum Beten hin."

Hopi-Indianerin Loy Cion | Bildquelle: Sebastian Schreiber
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Die Hopi-Indianerin Loy Cion: "Die Geschichte sagt, dass es der Ort ist, dem wir entsprungen sind.

Der Stamm der Hopi kämpft ums Überleben

Leroy Sumatzkuku ist Gouverneur von Upper Moenkopi, einer Exklave der Hopi östlich der Schlucht. Die Arbeitslosenquote betrage dort mehr als 65 Prozent,  berichtet Sumatzkuku.

Drogensucht und Depression seien große Problem, sein Stamm kämpfe ums Überleben: "Unsere heiligen Stätten werden mehr und mehr kommerzialisiert. Und der Klimawandel schreitet voran. Gleichzeitig müssen wir aber auch irgendwie überleben. Wir tun uns schwer: Es gibt da die Welt, wie sie sein sollte - und es gibt die Realität, die Welt der Kommerzialisierung."

Leroy Sumatzkuku, Gouverneur von Upper Moenkopi, einer Exklave der Hopi östlich des Grand Canyons | Bildquelle: Sebastian Schreiber
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Kämpft für seinen Stamm: Leroy Sumatzkuku, Gouverneur von Upper Moenkopi, einer Exklave der Hopi östlich des Grand Canyons.

Wie viele Besucher verträgt der Naturschutz?

Die Vermarktung des Grand Canyons wird weitergehen, touristisch wie industriell: Der Nationalpark steht vor der Frage, wie viele Besucher sich mit einem gesunden Naturschutz noch vertragen. Der hundertste Geburtstag des Parks mahnt innezuhalten, und sich daran zu erinnern, warum der Grand Canyon diesen Status überhaupt trägt: zum Schutz der Natur. 

Schlucht der Extreme: Nationalpark Grand Canyon wird 100 Jahre alt
Sebastian Schreiber, ARD Washington
26.02.2019 11:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 26. Februar 2019 um 14:55 Uhr.

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