Kanzlerin Angela Merkel (r, CDU) nimmt an einer digitalen Diskussion zu den Jugendpolitiktagen im Kanzleramt teil. | dpa

Jugend-Dialog mit Merkel und Giffey "Ihr könnt stolz sein"

Stand: 07.05.2021 14:46 Uhr

Vereinsamung, Fernstudium, auf der Impfliste ganz unten: Für junge Menschen sind es schwierige Zeiten. In einer Diskussionsrunde mit Kanzlerin Merkel und Jugendministerin Giffey machten sie darauf aufmerksam.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Hauptstadtstudio 

Die Bundeskanzlerin kam mit Verspätung in die digitale Fragerunde mit Jugendlichen aus ganz Deutschland. Sie habe jedoch einen guten Grund, entschuldigte sich Angela Merkel. Denn sie habe sich noch mit einem Thema beschäftigen müssen, das für junge Leute von größter Bedeutung sei: "Das ist der Klimaschutz", so die Kanzlerin.

Martin Ganslmeier ARD-Hauptstadtstudio

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts müsse sie mit ihrer Regierung jetzt überlegen, wo Deutschland noch mehr für den Klimaschutz tun könne. Letztlich sei dies ein Erfolg des politischen Engagements der jungen Generation, lobte Merkel:

Es war eine Klage von jungen Leuten, die auch eng mit 'Fridays for Future' verbunden sind. Und diese Klage hat Erfolg gehabt. Das ist schon etwas ganz Neues, auch in der deutschen Rechtsprechung.

Zwei nicht normale Schuljahre, kein Abiball

Aber auch in der Corona-Pandemie habe die junge Generation viel geleistet, bedankte sich die Bundeskanzlerin. Vor allem für Kinder und Jugendliche sei das vergangene Jahr eine sehr schwere Zeit gewesen:

Wer jetzt in die dritte Klasse geht, hat vielleicht ein Schuljahr normal erlebt und zwei Schuljahre nicht normal. Wer jetzt Abitur macht, hat keinen Abiball und kann nicht einfach in die Welt aufbrechen. Das sind große Einschränkungen, das Lernen, das Alleinsein.

Corona war eines der Schwerpunktthemen unter den Fragen der Kinder und Jugendlichen aus ganz Deutschland: Was kann die Politik tun, damit durch Corona keine Bildungslücken für Schülerinnen und Schüler entstehen? Haben Politiker die durch Corona entstandenen psychischen Probleme unter Jugendlichen im Blick?

Warum so wenige Frauen in der Politik?

Lena Behnke aus Köln wollte von der Kanzlerin jedoch etwas Anderes wissen. Wie könne man es schaffen, mehr junge Frauen zu motivieren, sich politisch zu engagieren und Berufspolitikerin zu werden, fragte die 20-Jährige. "In einer Branche, die noch von Männern dominiert ist?"

Angela Merkel findet vor allem die zu langen politischen Veranstaltungen an Wochenenden abschreckend für junge Frauen. Das müsse sich ändern. Auf die Nachfrage, wie sie es denn trotzdem geschafft habe, meinte Merkel, sie habe vor 30 Jahren einfach Glück gehabt und von der Quote profitiert:

 "Ich war damals jung. Ich war Frau und kam aus dem Osten. Das war dreifach Quote. Und ich war gut verwendbar, sagen wir mal so.

Keine "verlorene Generation"

Die Jugendpolitiktage gibt es seit 2017, initiiert von Bundesjugendministerin Franziska Giffey. Junge Menschen aus ganz Deutschland sollen ihre Ideen für eine jugendgerechte Zukunft an die Bundeskanzlerin richten. Diese Anstöße sollen sich in der Jugendstrategie der Bundesregierung wiederfinden.

Corona überschatte derzeit vieles, betonte Giffey. Dennoch lehnt sie den Begriff von der "verlorenen Generation" ab:

Wir haben ganz viele junge Menschen, die das gut gemeistert haben, die sich ganz toll an die Regeln gehalten haben, die sich wirklich vorbildlich an das Homeschooling angepasst haben. Da muss man der jungen Generation auch mal Danke sagen. Und ihr könnt stolz sein, dass ihr das geschafft habt!

 

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Mai 2021 um 14:48 Uhr.

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Moderation 07.05.2021 • 17:50 Uhr

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