Fahrradpolizisten mit Gesichtsmasken patrouillieren auf der Esplanade Trocadero in der Nähe des Eiffelturms.  | dpa

Touristen in Frankreich "Wir waren ziemlich sorgenfrei bis gerade"

Stand: 25.08.2020 10:57 Uhr

Die Reisewarnung für Paris und die Côte d'Azur hat viele Touristen dort überrascht - doch sie nehmen den Schritt gelassen. Für die französischen Wirte ist es dagegen ein weiterer schwerer Schlag.

Von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Die wenigen versprengten Touristen am Fuße von Sacré-Coeur in Montmartre sind überrascht: Reisewarnung? Eben fühlte sich für Studentin Lara doch alles noch so gut an. "Wir haben auch das Fußballspiel gesehen und da saßen alle dicht beieinander, haben gegessen und gelacht", erzählt sie. "Da haben wir eigentlich nicht viel von Corona gemerkt. Wir waren ziemlich sorgenfrei bis gerade."

Und genau das ist das Problem: Seit Wochen steigt in Frankreich die Zahl der Neuinfektionen an, vor allem unter jungen Leuten. Die Regionen Île-de-France mit Paris und Provence-Alpes-Côte d’Azur, wo die Mittelmeermetropole Marseille liegt, sind besonders betroffen. In Paris wurden zuletzt 94 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen gemeldet. Im Departement an der Côte d‘Azur sind es sogar 118. Jetzt also die Reisewarnung.

"Wir bleiben auf jeden Fall hier"

Lara und ihr Freund Victor wollten ausgerechnet in den Süden. "Die nächste Station sollte eigentlich Marseille sein", sagt Victor. "Vielleicht überdenken wir das nochmal." Die beiden hatten das Virus bereits im April und sind deshalb eher entspannt.

Gelassenheit herrscht auch bei Angela und Peter: "Wir bleiben auf jeden Fall hier und genießen das Leben", sagt Peter. Sie sei das erste Mal in Paris, erzählt Angela. Sie hoffe, dass alles gut gehe.

Und was ist mit der Quarantäne? Für Rückkehrer aus Risikogebieten gilt im Moment noch eine Testpflicht. Sie müssen in häusliche Quarantäne, solange sie keinen negativen Test vorlegen können, der höchstens 48 Stunden alt ist. Peter käme beruflich ins Schleudern, wenn er sich tatsächlich angesteckt haben sollte: "Wenn ich jetzt positiv wäre, müsste ich auf der Arbeit irgendwie für mich Ersatz schaffen", sagt er. Victor macht sich keine Sorgen. Sie seien Studenten - "deshalb sind wir relativ flexibel".

Seit zwei Wochen Maskenpflicht im Freien

Diese Touristen wollen also bleiben und ihren Urlaub erstmal fortsetzen. Sie haben sich auf die Einschränkungen eingestellt. So gilt in vielen bei Touristen beliebten Städten wie Paris, Marseille oder Arles seit zwei Wochen eine weitgehende Maskenpflicht im Freien. Auch Versammlungen mit mehr als zehn Personen können verboten, Bars und Restaurants notfalls geschlossen werden.

Für die Gastronomen in Frankreich ist die deutsche Reisewarnung ein weiterer Schlag. Denn sie soll ja Reiselustige abschrecken und ermöglicht kostenlose Stornierungen für Pauschalreisen. Dabei ist die Lage für die Wirte ohnehin niederschmetternd. Ein Blick auf die nächtlichen Bistroterrassen in Montmartre zeigt: Viele, sehr viele Tische sind unbesetzt. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. August 2020 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Eu-Schreck 25.08.2020 • 19:04 Uhr

Zur Frage warum die ganze Region

Der Hintergedanke ist dass sowohl die Touristen die Hotspots wie Marseille besuchen, oder andersherum die Leute aus den hotspots in das Hinterland reisen. Das ist die Erfahrung aus Ischgl. Der Ort selbst war ja clean, gewarnt wurde vor der fernen Lombardei sowie dem nahen Südtirol. Dummerweise mischten sich in Ischgl verschiedene Gruppen.