Das Logo der WHO vor dem Hauptquartier in Genf. | Bildquelle: REUTERS

Weltgesundheitsorganisation Wer finanziert die WHO?

Stand: 23.04.2020 15:29 Uhr

Durch die laute Kritik des US-Präsidenten Trump und die ausgesetzten US-Zahlungen ist die Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation in den Blickpunkt gerückt. Woher kommen die Mittel der WHO?

Von Natalia Frumkina, tagesschau.de

Die Rolle der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie ist umstritten - zu langsam sei ihre Reaktion gewesen und zu parteiisch mit Blick auf China, wirft ihr etwa US-Präsident Donald Trump vor. Diese Kritik widerspricht dem selbsterklärten Ziel der WHO, das sie in ihrer mehr als 70 Jahre alten Verfassung festschreibt: Allen Völkern zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu verhelfen.

Sie unterstützt die Mitgliedstaaten etwa beim Aufbau ihrer Gesundheitssysteme oder gewährt ihnen in dringenden Fällen technische Hilfe. Auch die Förderung der Gesundheitsforschung zählt laut der Bundeszentrale für politische Bildung zu den Aufgaben der WHO. Hierfür braucht sie finanzielle Mittel.

Spenden als größte Einnahmequelle

Die Organisation finanziert sich über zwei hauptsächliche Kanäle: die festen Pflichtbeiträge ihrer 194 Mitgliedstaaten und freiwillige Beitragszahlungen. Dabei orientiert sich die Höhe der Pflichtbeiträge an dem Grad des Wohlstandes des Mitgliedstaates und seiner Bevölkerungszahl. Seit 1993 ist die Höhe dieser Beiträge eingefroren - mit den Jahren ist ihr Anteil am Gesamthaushalt der Organisation immer weiter gesunken und liegt mittlerweile nach eigener Aussage bei etwa einem Viertel.

Mehr als 75 Prozent der Mittel bezieht die WHO somit aus freiwilligen Beitragszahlungen. Ein Großteil davon ist zweckgebunden und fließt in bestimmte Tätigkeitsbereiche der Organisation. Diese Spenden kommen im Unterschied zu den Pflichtzahlungen sowohl von Mitgliedsstaaten als auch von Organisationen – wie etwa der Impfallianz Gavi, der Weltbank, den Rotariern International oder auch der Bill-und Melinda-Gates-Stiftung als einem der größten Geldgeber.

USA - größter einzelner Geldgeber bislang

Für den Zeitraum 2018-2019 betrug der genehmigte Zweijahreshaushalt der Weltgesundheitsorganisation mehr als 4,4 Milliarden US-Dollar. Der größte Beitragszahler - gemessen an der Summe der Pflicht- und der freiwilligen Beiträge - waren in diesem Zeitraum die USA, die für knapp 15 Prozent der Zahlungen verantwortlich zeichneten. Mit knapp zehn Prozent war die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung der zweitgrößte Geldgeber, gefolgt von der Impfallianz Gavi (8,4 Prozent), Großbritannien (7,8 Prozent) und Deutschland (5,67 Prozent).

Die meisten Gelder flossen dabei in die Programme zur Ausrottung von Polio, zur Verbesserung des Zugangs zum Gesundheits- und Ernährungssystem sowie zur Impf-Prävention von Krankheiten.

Kritik an der Finanzierung

Das Finanzierungsmodell der WHO stößt immer wieder auf Kritik: Zu abhängig sei die Organisation vom Willen der jeweiligen Regierungen, von privaten Stiftungen oder auch Pharma-Unternehmen. "Wenn Bill Gates morgen sagt: Ich habe kein Interesse mehr an Gesundheit, ich investiere mein ganzes Geld in Erziehungsfragen, zum Beispiel wäre die WHO am Ende", hatte etwa der indische Arzt und Gesundheitsaktivist Amit Sengupta 2017 im Deutschlandfunk erklärt.

Die Akteure würden zudem durch die Zweckbindung ihrer Spenden die Agenda der Organisation setzen. Auch unterstützten sie oft Projekte, die schnelle messbare Erfolge vorwiesen, andere wichtige Aufgaben würden hingegen vernachlässigt - etwa der Kampf für bessere Lebensverhältnisse, kritisierte Thomas Gebauer von der Gesundheitsorganisation Medico International ebenfalls im Deutschlandfunk.

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