Wahlhelfer zählen Stimmen bei der US-Wahl aus. | Bildquelle: REUTERS

Trump zu angeblichem Betrug Höhepunkt einer Desinformationskampagne

Stand: 04.11.2020 09:35 Uhr

Seit Monaten wiederholt US-Präsident Trump unbelegte Behauptungen, es drohe ein massiver Wahlbetrug. Eine Kampagne, die direkt nach der Wahl flankiert von Falschmeldungen ihren Höhepunkt erreicht hat.

Von Patrick Gensing, Redaktion ARD-faktenfinder

Während die Stimmen noch ausgezählt werden, hat US-Präsident Donald Trump unbelegte Behauptungen über angebliche Manipulationen verbreitet. Auf Twitter schrieb er, "sie" wollten die Wahl stehlen. Damit sind mutmaßlich die Demokraten gemeint. Aber das würde man nicht zulassen, so Trump.

Twitter markierte den Inhalt mit einem Warnhinweis, weil der Inhalt des Tweets möglicherweise irreführend in Bezug auf eine Wahl sei. Zusätzlich verweist Twitter auf Informationen zur Sicherheit des Wahlablaufs.

Trump behauptet seit Jahren kontinuierlich, es habe bei der Wahl 2016 Manipulationen gegeben, setzte sogar eine Kommission dazu ein, die aber keine Belege vorlegen konnte. Auch bei der Wahl 2020 drohten Manipulationen, verkündete Trump immer wieder - auch hier ohne jeden Beweis.

Falschmeldungen im Netz

Flankiert wird die Behauptung Trumps in den sozialen Medien von Falschmeldungen. Das Analyse-Tool Botsentinel identifizierte zahlreiche Twitter-Konten, die auf Grund ihrer Aktivitäten als nicht-authentisch sowie problematisch eingestuft werden. Das heißt, sie twittern massenhaft oder verbreiten gezielte Falschmeldungen.

Dazu gehört beispielsweise ein Video aus Utah, das angeblich einen Wahlbetrug dokumentieren sollte. Faktenchecker prüften die Aufnahmen und stellten fest, dass es sich um ein Missverständnis zu Beginn der Abstimmung gehandelt habe, der Fehler sei umgehend behoben worden. Das Video zeige keine Manipulation.

In Social Media-Beiträgen wurde zudem fälschlicherweise über angebliche Einschüchterungen von Wählern in North Carolina berichtet.

Pennsylvania im Fokus

Ein Schwerpunkt der Desinformation war Pennsylvania: Dort dementierten Behörden Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug. Medien berichteten, der Bundesstaat sei zu einem Schlachtfeld für Falschbehauptungen geworden. Bereits im Laufe des Dienstags begannen rechte Medien und prominente Konservative damit, unbelegte Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug zu verbreiten, die Teil einer Desinformationskampagne seien.

Noch während die Auszählung der Stimmen in mehreren Bundesstaaten lief, behauptete Trump im Weißen Haus, es haben schweren Betrug bei der Wahl gegeben. Belege nannte er keine, doch er wolle den Obersten Gerichtshof einschalten. Zudem sollten Stimmen nicht mehr ausgezählt werden, forderte der US-Präsident - und erklärte sich zum Sieger der Wahl.

Die gezielt gestreuten Gerüchte über angeblichen Wahlbetrug könnten die US-Wahl damit maßgeblich beeinflussen. Trumps Auftritt im Weißen Haus ist der bisherige Höhepunkt dieser Desinformationskampagne.

Über dieses Thema berichtete die Sondersendung zur US-Wahl am 04. November um 09:00 Uhr.

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