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Desinformation zur US-Wahl Wenn Zombies die Wahl entscheiden

Stand: 12.11.2020 17:36 Uhr

Ohne Belege behauptet Donald Trump weiter, die Wahl sei manipuliert worden. Falschmeldungen fluten das Netz: Angeblich hätten Tausende Verstorbene die Wahl entschieden. Eine Legende, die es bis nach Moskau geschafft hat.

Von Patrick Gensing, Redaktion ARD-faktenfinder

Gezielte Falschmeldungen sowie gestreute Gerüchte sind Instrumente, um ein größeres Narrativ durch vermeintliche Beweise zu untermauern. Dies lässt sich derzeit beispielhaft an den vollkommen unbelegten Unterstellungen zeigen, wonach die US-Wahl manipuliert wurde. Bereits seit Monaten kurbelt der abgewählte Präsident Donald Trump die Fake-News-Maschinerie kräftig an, beteuerte immer wieder, bei den Wahlen drohe ein historischer Betrug.

In den Bundesstaaten, in denen Trump gegen seinen Herausforderer Joe Biden knapp verlor, soll es besonders schlimm zugegangen sein, fuhr Trump noch in der Wahlnacht fort - um seitdem fortlaufend neue Spekulationen und Behauptungen in Umlauf zu bringen.

So twitterte Trump immer wieder, es habe Manipulationen gegeben - und teilte entsprechende Tweets von Unterstützern und Mitstreiten aus der Republikanischen Partei. Darunter ist beispielsweise ein Foto, das Wahlbetrug beweisen soll, da Wähler in Pennsylvania Wahlzettel ohne Namen und Adresse bekommen hätten. Auf dem Bild ist aber lediglich ein Umschlag zu erkennen. Wann dieser wo aufgetaucht sein soll - und welche Art von Betrug dadurch nach der Abstimmung passiert sein sollte, blieb unklar. Dennoch wurde der Tweet bereits mehr als 17.000 mal geteilt, oft mit dem Schlagwort VoterFraud - also Wahlbetrug.

Fragwürdige Profile

Dieses Schlagwort taucht massenhaft auf bei Twitter - und wird von Profilen weiterverbreitet, die Analyse-Instrumenten zufolge als sehr problematisch anzusehen sind, da sie massenhaft bestimmte Inhalte retweeten. Es handelt sich möglicherweise um Bots, also automatisierte Konten, oder um Profile, die zwar von Menschen genutzt werden, aber nur das Ziel haben, bestimmte Inhalte in Kampagnen weiterzuverbreiten. In diesem Fall sind das Tweets von Trump und seinem Wahlkampfteam.

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Solche Profile retweeten quasi ausschließlich Inhalte von Trump und dessen Wahlkampfteam.

Das Tool Botsentinel beispielsweise wertet aus, wie viel ein Konto twittert, welche Wortkombinationen und Hastags es benutzt, ob die Inhalte als Falschmeldung markiert wurden. Auch Botometer analysiert die Aktivitäten von Profilen. Beide Instrumente kommen beispielsweise bei dem Profil mit dem Namen "#VoterFrau Parler/HowardE" zu dem Ergebnis, es sei entweder ein Bot - oder agiere zumindest höchst problematisch. Zahlreiche ähnliche Profile lassen sich leicht finden. Sie liefern das Grundrauschen der Desinformation zur Wahl, simulieren Zustimmung bei Accounts mit großer Reichweite.

Ein Vorsprung, der angeblich verschwindet

Doch die eigentlichen Falschmeldungen stammen von Meinungsführern aus der Anhängerschaft Trumps. So kursiert derzeit ein Zitat eines konservativen Radio-Moderators, wonach sich die Führung von Joe Biden in vier umkämpften Staaten plötzlich in Luft aufgelöst hat. Tausendfach wurde diese Behauptung geteilt - doch einen Beleg dafür gibt es nicht.

Im Gegenteil: Alle großen Medien haben nach vorliegenden Wahlergebnissen, Befragungen und Analysen unabhängig voneinander vorhergesagt, dass Biden der Sieger der Wahl sei. Zwar schwankt der Vorsprung noch, doch nirgendwo hat er sich zuletzt einfach komplett aufgelöst. Facebook markierte die Postings daher mit einer Warnung und verwies auf entsprechende Faktenchecks. Präsident Trump will seine Niederlage indes weiterhin nicht eingestehen.

Legende von toten Wählern geht um die Welt

Erneut wird nach der Wahl die Behauptung aufgewärmt, es seien Wahlzettel von Tausenden Verstorbenen allein in Pennsylvania aufgetaucht. Zwar komme es durchaus vor, dass Menschen sterben, nachdem sie ihren Wahlzettel ausgefüllt hatten - und ein Angehöriger diesen dann noch abgebe, aber dies sei eine Ausnahme, stellen Faktechecker in den USA fest. Richard Hasen, Professor an der Universität von Kalifornien, erklärte gegenüber Factcheck, er habe bislang noch keine Beweise für diese Behauptungen gesehen - obwohl diese Geschichte immer wieder auftauche. Folgt man diesen Behauptungen, müsste es aber Tausende solcher Fälle geben.

Die Legende von den angeblich Tausenden verstorbenen Wählern schaffe es sogar bis nach Russland. In der Hauptnachrichtensendung des staatlichen Senders Rossija24 wurde berichtet, es hätten weit mehr als eine Million Tote abgestimmt - und zwar für Biden. Um diese vermeintliche Schreckensnachricht visuell zu unterstreichen, liefen plötzlich Zombies durch das Studio.

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Der staatliche Sender Rossija24 ließ Zombies im Nachrichtenstudio auflaufen.

2016 hatten vor allem russische Akteure versucht, den Wahlkampf zu manipulieren - mit Kampagnen in sozialen Medien. 2020 warnten Sicherheitsexperten zwar ebenfalls vor solchen Einflussversuchen, stellten aber fest, dass die größte Gefahr aus dem Inland komme. Russland brauche sich keine Fake News auszudenken, hieß es, dies geschehe mittlerweile im Land. Kampagnen zur Desinformation sind längst ein Instrument der US-Innenpolitik geworden - und wie sie sich letztendlich auf den Ausgang der US-Wahl auswirken, ist noch offen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. November 2020 um 17:30 Uhr.

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