US-Bürger verfolgen das erste TV-Duell zwischen Trump und Biden | Bildquelle: AFP

Faktencheck zum TV-Duell Schlagabtausch mit falschen Behauptungen

Stand: 30.09.2020 06:58 Uhr

US-Präsident Trump hat im TV-Duell zahlreiche Vorwürfe wiederholt, die bereits widerlegt sind. Seine Behauptungen zu einem angeblich drohenden Wahlbetrug waren quasi alle falsch.

Von Patrick Gensing, Redaktion ARD-faktenfinder

In der heißen Phase des US-Wahlkampfes sind der republikanische Amtsinhaber Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden erstmals direkt aufeinandergetroffen. Dabei hielt sich vor allem der Präsident nicht an die Vereinbarung, den Kontrahenten bei der Antwort auf zentrale Fragen nicht zu unterbrechen. Zudem überzogen sich Trump und Biden gegenseitig mit Vorwürfen; Trump stellte dabei diverse fragwürdige, unbelegte oder auch falsche Behauptungen auf.

Trump kündigt erneut einen Plan an

So kündigte Trump an, er werde einen Plan für die Krankenversicherungen in den USA vorlegen. Biden warf ihm vor, der Präsident habe bislang keinen Plan vorgelegt. Diese Behauptung ist korrekt: Tatsächlich hat Trump bereits seit 2015 immer wieder angekündigt, er werde einen "großartigen" neuen Plan vorlegen - und im TV-Duell wiederholte er dieses Versprechen, ohne Details zu nennen.

Trump behauptete, Biden wolle die private Krankenversicherung von 180 Millionen Amerikanern auslöschen. Dieser Vorwurf ist falsch: Biden betonte erneut, es solle Wahlmöglichkeiten geben, die staatliche Versicherung sei dafür da, um die Ärmsten abzusichern.

Trump lobt sein Corona-Management

Trump behauptete, sein Krisenmanagement in der Corona-Pandemie sei großartig gewesen. Es wären sonst Millionen Menschen gestorben. Einen Beleg für diese Behauptung gibt es nicht. Tatsächlich sind in den USA bereits mehr als 200.000 an Covid 19 erkrankte Menschen gestorben - mehr als in jedem anderen Staat. Er hielt Biden vor, dessen Umgang mit dem Schweinegrippe-Ausbruch in seiner Zeit als Vizepräsident unter Barack Obama sei ein "Desaster" gewesen. Die Zahl der Toten in den USA damals betrug im Vergleich zur Opferzahl der aktuellen Pandemie allerdings weniger als ein Prozent.

Biden warf Trump vor, er habe falsche Versprechen gemacht und die Gefahr heruntergespielt. Tatsächlich hatte der Präsident mehrfach behauptet, man habe die Lage unter Kontrolle und es gebe wohl bald einen Impfstoff. Zudem hatte sich der Präsident widersprüchlich und irreführend über die Lage geäußert und wissenschaftliche Erkenntnisse ohne Belege angezweifelt. Trump hatte sogar Mittel gegen Corona empfohlen, vor denen Experten warnen.

Trump: Habe Millionen Dollar gezahlt

Der Präsident behauptete, er habe die großartigste Wirtschaft der Geschichte geschaffen. Biden wolle das Land zerstören. Biden warf Trump vor, es gebe unter dessen Präsidentschaft weniger Arbeitsplätze als zuvor. Was Biden allerdings nicht sagte: Der Hauptgrund für den wirtschaftlichen Einbruch ist die Corona- Pandemie.

Kurz vor dem Duell veröffentlichte Biden seine Steuererklärungen, um den Druck auf Trump zu erhöhen, der diesen Schritt verweigert. Der Präsident behauptete nun, er habe Millionen von Dollar an Einkommenssteuer in den Jahren 2016 und 2017 gezahlt, das werde man auch noch sehen. Die "New York Times" berichtete hingegen, Trump habe auf Bundesebene kaum Einkommenssteuer gezahlt.

Falsches Zitat

Erneut behauptete Trump, er habe für Schwarze besonders viel geleistet. Er hatte schon mehrfach historische Erfolge für sich reklamiert, was Historiker allerdings sehr kritisch sehen. Zudem wurde Trump immer wieder für rassistische Äußerungen kritisiert.

Der Republikaner behauptete, Biden habe die schwarzen Menschen in den USA im Jahr 1994 als Raubtiere beschimpft. Das stimmt nicht. Der Satz stammt von Hillary Clinton, als sie über kriminelle und gewalttätige Gangs gesprochen hatte.

Trump distanzierte sich auf Nachfrage nicht eindeutig von militanten weißen Gruppen und sprach stattdessen von linksradikaler Gewalt, die er vor allem sehe. In diesem Kontext warnte er erneut vor der Antifa-Bewegung.

Biden entgegnete, die Antifa sei keine einheitliche, feste Organisation, sondern eine Idee. Diese Einschätzung stimmt überein mit der Aussage des FBI-Direktors, der ebenfalls betont hatte, Antifa sei eher eine Ideologie als eine Organisation. Trump hatte angekündigt, er wolle "die Antifa" zu einer inländischen Terrororganisation erklären, was so rechtlich gar nicht möglich wäre. Außerdem machte der Republikaner ohne Belege Antifa-Aktivisten für die Welle der gewalttätigen Proteste gegen Rassismus im ganzen Land verantwortlich. Auch dafür gibt es keine Belege.

Falsche Behauptungen zu Wahlbetrug

Der Präsident hatte in den vergangenen Monaten immer wieder behauptet, es drohe massiver Betrug bei den anstehenden Wahlen. Schon nach der Abstimmung 2016 hatte er einen größeren Sieg für sich reklamiert. All die Behauptungen Trumps im TV-Duell, beispielsweise über einen angeblichen Vorfall in Philadelphia, wurden bereits widerlegt.

Biden entgegnete, es gebe keine Belege für relevanten Betrug. Dies ist zutreffend. US-Faktenchecker sprachen davon, alle Aussagen von Trump in diesem Komplex seien falsch.

Vor dem Hintergrund eines angeblich drohenden Betrugs lehnte Trump es erneut ab, sich eindeutig dazu zu verpflichten, das Ergebnis der Wahl zu akzeptieren.

Trump wiederholt Falschbehauptungen

Insgesamt war Herausforderer Biden bei einigen Behauptungen ungenau, insbesondere bei den Themen Wirtschaft und Corona-Management erschienen einige Vorwürfe vereinfacht. Die meisten seiner Aussagen waren aber nicht falsch oder grob irreführend.

Trump hingegen wiederholte diverse bereits widerlegte Behauptungen und fragwürdige Thesen, beispielsweise zu den Waldbränden in Kalifornien. Insbesondere beim Thema Wahlbetrug bot der US-Präsident überhaupt keine belastbaren Indizien an, sondern verbreitete zahlreiche falsche Vorwürfe und beschädigt damit den demokratischen Diskurs sowie die Integrität des Wahlprozesses.

Über dieses Thema berichtete das Erste im ARD-Morgenmagazin am 30. September 2020 um 05:37 Uhr.

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