Josef Schuster | Bildquelle: dpa

Verschwörungslegenden "Uralte antisemitische Vorurteile"

Stand: 09.11.2019 12:58 Uhr

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden warnt vor der Gefahr durch antisemitische Mythen im Netz. Im Gespräch mit dem ARD-faktenfinder fordert Schuster zudem eine stärkere Strafverfolgung von Hass-Inhalten.

ARD-faktenfinder: Welche Rolle spielen Verschwörungslegenden heute?

Josef Schuster: Die Berichte über den Täter von Halle haben noch einmal eindrücklich bestätigt, wovor Experten schon zuvor gewarnt hatten: Im Netz kursieren Verschwörungstheorien, die auf uralten antisemitischen Vorurteilen beruhen. Darin wird Juden eine weltweite Macht zugeschrieben, die verantwortlich gemacht wird für gesellschaftliche Entwicklungen, die diese Fanatiker stören, wie etwa die Globalisierung oder kulturelle Diversität.

ARD-faktenfinder: Welche Konsequenzen haben solche Mythen?

Schuster: In bestimmten Foren im Internet wird auf Basis solcher Verschwörungsmythen Hass auf Juden und häufig auch auf Muslime oder People of Colour oder auf Ausländer geschürt. Selbst Einzelgänger, die sich nur in dieser virtuellen Welt bewegen, finden so massenhaft Bestätigung für ihre radikalen Vorstellungen und radikalisieren sich dadurch noch stärker. Und in letzter Konsequenz - wie in Halle oder in Christchurch - setzen sie dann die Worte in Taten um - und werden dafür im Netz genau von diesen Gruppen gefeiert.

ARD-faktenfinder: Was kann man dagegen tun?

Schuster: Solche Foren im Internet gänzlich zu verhindern, erscheint unmöglich. Aber die Strafverfolgungsbehörden müssen rechtlich und personell so ausgestattet werden, dass sie alle Möglichkeiten nutzen können, um Hate Speech zu unterbinden und die Verbreiter strafrechtlich zu belangen. Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.

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