U-Boote und Marineschiffe bei einer Parade in Seweromorsk 2016 | Bildquelle: REUTERS

Russland Staatsgeheimnisse um ein U-Boot

Stand: 03.07.2019 16:29 Uhr

Details um den Unfall eines russischen U-Bootes mit 14 Toten sollen Staatsgeheimnis bleiben, so will es die russische Führung. Aus vorhandenen und verschwiegenen Angaben lässt sich jedoch einiges ableiten.

Von Silvia Stöber, tagesschau.de

Nur wenig ist bekannt über den Unfall, der sich am Montag in russischen Gewässern ereignete: Bei einem Brand an Bord eines U-Bootes kamen nach offiziellen Angaben 14 Seeleute ums Leben. So viel teilte das russische Verteidigungsministerium mit.

Es kann sich nicht allzu weit entfernt von Seweromorsk nördlich des Polarkreises befunden haben, auf einer Militärbasis dort liegt das U-Boot nun nach Ministeriumsangaben vor Anker. Nach unbestätigten Berichten sahen Fischer das U-Boot in der Nähe des Hafens auftauchen.

Die Marinebasis von Seweromorsk | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX
galerie

Die Marinebasis bei Seweromorsk

Russlands Präsident Wladimir Putin sprach von einem großen Verlust für die Marine und die gesamte Armee. Sieben der Toten waren Kapitäne 1. Ranges. Zwei trugen die Auszeichnung "Helden Russlands", der höchste Orden, den der russische Staat vergibt. Um eine hochprofessionelle Besatzung an Bord eines Forschungsschiffes habe es sich gehandelt, so Putin.

Ein Spezial-U-Boot für Tiefsee-Einsätze

Aus den wenigen vorhandenen Informationen und den Angaben, die nicht gemacht werden, zogen russische Journalisten und Experten inzwischen einige Schlüsse. Demnach handelt es sich vermutlich um eine weiterentwickelte Version des U-Boot-Typs "Loscharik" namens AC-31 mit 60 bis 70 Metern Länge. Es ist in großen Tiefen bis 6000 Meter oder gar darüber hinaus einsatzfähig. Gegen hohen Druck ist es im Inneren durch eine besondere Konstruktion kugelförmiger Abschnitte geschützt, deren Hülle aus Titan besteht. Der Nuklearantrieb erlaubt lange Unterwassserfahrten ohne das Risiko, entdeckt zu werden.

Zu den Einsatzgebieten wird es üblicherweise von einem Mutterschiff transportiert, an dessen Unterseite es angedockt wird. Dabei handelt es sich derzeit um das ebenfalls nuklear betriebene U-Boot "Orenburg". Ein zweites dazu geeignetes U-Boot namens "Belgorod" wird noch fertig gebaut.

Die Besatzung besteht aus 20 bis 24 Personen - wie die anderen Angaben handelt es sich um Schätzungen, da es keine offiziellen Informationen gibt. Nach unbestätigten Angaben sollen vier Manschaftsmitglieder überlebt haben.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte bei einem Besuch in Seweromorsk, die Mannschaft habe aus "einzigartigen Experten" bestanden. Sie habe heldenhaft ihr Leben eingesetzt. An Bord sei ein "ziviler Experte" gewesen, er sei als erstes evakuiert und der vom Feuer betroffene Bereich vom Rest des U-Bootes abgeriegelt worden.

14 Tote bei Brand eines russischen U-Bootes
nachtmagazin 00:30 Uhr, 02.07.2019, Ina Ruck, ARD Moskau

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Auf geheimer Mission?

Experten gehen davon aus, dass die Besatzungsmitglieder über genauso gute, wenn nicht bessere Fähigkeiten als Kosmonauten verfügen müssen. Einiges wie die Zivilperson an Bord - vermutlich ein Ingenieur - deutet daraufhin, dass die Mannschaft Tests durchführte.

Dass Putins Sprecher Dmitri Peskow genauere Angaben unter anderem zur Mission des U-Boots zu "Staatsgeheimnissen" erklärte, spricht dafür, dass es sich nicht um einen einfachen Forschungseinsatz handelte. Russische Medien wie der "Kommersant" schreiben, dass das U-Boot zur Militäreinheit 45707 gehören könnte, die wiederum zum "Hauptdirektorat Tiefseeforschung" im Verteidigungsministerium zählt.

Russische Soldaten vor der Militärbasis in Peterhof | Bildquelle: ANATOLY MALTSEV/EPA-EFE/REX
galerie

Nach offiziellen Angaben ist die Militäreinheit auf einer Militärbasis bei St. Petersburg stationiert.

Nach Informationen aus Militärkreisen, die die "Nowaja Gaseta" und andere Medien in den vergangenen Jahren erhielten, befasst sich diese Einheit mit geheimdienstlicher Arbeit: dem Herausfinden von Informationen über feindliches Militär, dem Aufsammeln von geheimer Ausrüstung nach Unfällen oder nach Tests sowie dem Schutz russischer Kommunikationsanlagen einerseits und dem Auffinden und möglicherweise Manipulieren von Unterseekabeln anderer Staaten andererseits.

Die Militäreinheit 45707 ist offiziell bei Sankt Petersburg stationiert. Der amtierende Gouverneur bestätigte im sozialen Netzwerk VKontakte, dass die Einheit zu einer Militärbasis in St. Petersburg gehört. In sozialen Netzwerken und russischen Medien werden inzwischen mehrere Namen möglicher Besatzungmitglieder genannt.

Darstellung: