Fake News | HARISH TYAGI/EPA-EFE/REX
faktenfinder-Podcast

Verbreitung von Fake News Ältere besonders anfällig?

Stand: 29.04.2021 15:03 Uhr

Die Forscherin Pia Lamberty warnt im faktenfinder-Podcast, die ältere Generation werde übersehen, wenn es um die Bekämpfung von Fake News geht. Zudem müssten Medien klar benennen, was falsch sei.

Fake News - ein Begriff, der mittlerweile oft benutzt wird, um ein ganzes Arsenal von propagandistischen Waffen zu beschreiben. Es handelt sich bei Fake News aber nicht um rhetorische Tricks, versehentliche sprachliche Ungenauigkeiten oder journalistische Fehler (allerdings können diese für Fake News genutzt werden). Der entscheidende Unterschied liegt in der Intention: Bei Fake News handelt es sich um bewusst irreführende Behauptungen, die gezielt verbreitet werden. Das betonen die Sozialpsychologin Pia Lamberty und der Journalist Patrick Gensing im faktenfinder-Podcast.

Pia Lamberty | www.GordonWelters.com

Pia Lamberty ist Sozialpsychologin, sie veröffentlichte das Buch "Fake Facts" und forscht zu Verschwörungsmythen. Bild: www.GordonWelters.com

Patrick Gensing

Patrick Gensing ist Redakteur und Buchautor, seit 2017 leitet er das Projekt faktenfinder der tagesschau.

Oft haben solche irreführenden Behauptungen einen wahren Kern, beispielsweise eine Zahl, die es tatsächlich gibt, die aber aus dem jeweiligen Kontext gerissen jeder Aussagekraft beraubt wird; oft sind sie glatt gelogen. Auch Zitate werden mutwillig so zerfleddert, dass ihre Aussage ins Gegenteil verkehrt wird.

Fake News begleiten und beeinflussen die politischen Entscheidungen unserer Zeit: die US-Wahlen 2016 und 2020, die Leave-Kampagne im Vereinigten Königreich, Referenden in Katalonien, Schottland und den Niederlanden, die Kriege in Syrien und der Ukraine sowie die Politik in Deutschland. Beispielsweise fachten gezielte Falschmeldungen die rechtsextremen Krawalle in Chemnitz maßgeblich mit an. Nach Amokfahrten, Anschlägen oder schweren Unfällen gehören Falschmeldungen und in den sozialen Netzwerken gestreute Gerüchte mittlerweile zum Alltag. Polizei und Medien müssen Ressourcen abstellen, um zeitnah reagieren zu können. 

Erst nachdenken, dann teilen

Gezielte Falschmeldungen sind weder neu, noch nur im Internet zu finden. Um Falschmeldungen zu erkennen, ist Medienkompetenz nötig und die Bereitschaft, Meldungen kritisch zu prüfen - und nicht gleich weiterzuverbreiten. Das heißt, sagt Gensing: erst nachdenken, dann teilen.

Im faktenfinder-Podcast betont Lamberty im Gespräch mit Moderatorin Anja Reschke zudem, angebliche Tabus spielten bei der Verbreitung von Desinformation eine zentrale Rolle. Urheber von irreführenden Behauptungen inszenieren sich gezielt als eine Art Widerstandskämpfer, als "Kämpfer für die Wahrheit - und zwar die eigene Wahrheit". Jede andere Darstellung werde dann als Lüge dargestellt.

Lamberty appelliert auch an die Verantwortung der Medien: Journalismus müsse es klar benennen, wenn etwas falsch sei. Die sei gegen Ende der Präsidentschafts von Donald Trump geschehen, als Medien viel klarer falsche Behauptungen auch als solche benannten und Übertragungen von Reden abbrachen. Sie hätte sich gewünscht, dass das bleibe und nicht weiterhin ständig Falschbehauptungen einfach transportiert würden.

Ältere bei Medienkompetenz nicht vergessen

Gensing und Lamberty meinen, Medienkompetenz sei ein wichtiger Schutz gegen Falschmeldungen - allerdings dürfe man dabei die Älteren nicht übersehen. "Das ist eine Gruppe, die vollkommen vergessen wird", sagt Lamberty. Gensing betont, junge Menschen hätten ein größeres Verständnis dafür, was möglich sei an einfachen technischen Manipulationen. Zudem kommunizieren junge Menschen viel mehr miteinander und helfen sich gegenseitig.

Den faktenfinder-Podcast der tagesschau finden Sie bei tagesschau.de, in der ARD-Audiothek und vielen großen Plattformen, die Podcasts anbieten.

Den Podcast präsentieren im Wechsel Anja Reschke von Panorama und tagesschau-Moderator Michail Paweletz. Der faktenfinder-Podcast erscheint jeden zweiten Donnerstag um 15.00 Uhr. In der ersten Ausgabe sprach Anja Reschke mit der Journalistin Mai Thi Nguyen-Kim und dem Historiker Malte Thießen über Impfskepsis in der Geschichte und der Corona-Pandemie.

In der zweiten Ausgabe sprach Michail Paweletz mit der Publizistin Ingrid Brodnig und dem Antisemitismus-Experten Michael Blume über die Macht der Verschwörungsmythen - und wie man reagieren kann, wenn Freund oder Verwandte plötzlich an solche Legenden glauben.