Ein Junge bekommt in Bloomfield Hills (Michigan, USA) eine Coronavirus-Impfung. | AFP
faktenfinder-Podcast

Impfungen für Kinder Wie gezielt Angst gemacht wird

Stand: 18.06.2021 06:02 Uhr

Impfungen für Kinder sind ein sensibles Thema, widersprüchliche Einschätzungen und Panikmache sorgen für Verunsicherung. Zudem kann das Thema zu schweren Konflikten in Familien führen, wie eine Jugendliche im faktenfinder-Podcast berichtet.

Beim Thema Impfungen für Kinder fühlen sich viele Eltern verunsichert: Warum gibt es keine generelle Empfehlung? Was ist dran an Berichten über schwere Nebenwirkungen? Warum werden ausgerechnet Kinder immer wieder von Aktivisten instrumentalisiert, um Angst und auch Hass zu schüren?

Viele Fragen sind offen. Was passiert beispielsweise, wenn Eltern eine Impfung ablehnen, Jugendliche aber darauf bestehen? Was können Jugendliche tun, wenn das Thema Corona zu schweren Konflikten in der Familie führt? So berichtet die 16-jährige Emma* im faktenfinder-Podcast, sie vermeide das Thema zuhause, da sich ihre Mutter in der Pandemie radikalisiert habe. Sollte sie sich gegen den Willen der Eltern impfen lassen, werde es "richtig knallen", befürchtet Emma.

Über diese Fragen und die Instrumentalisierung von Kindern für Falschmeldungen hat Moderatorin Anja Reschke mit Anja Martini, Wissenschaftsredakteurin bei ARD-aktuell, sowie Andre Wolf, Faktenchecker bei Mimikama, in der neuen Ausgabe des faktenfinder-Podcasts diskutiert.

Wiederkehrende Muster

Faktenchecker Wolf erklärt, insbesondere Kinder tauchten oft im Kontext mit Falschmeldungen auf. So sei im Herbst verbreitet worden, Kinder seien durch das Tragen von Alltagsmasken gestorben. Inzwischen tauchten solche Erzählungen vor allem zum Thema Impfen auf. In diesem Kontext verweist Wolf auf ein zentrales Motiv hinter solchen Falschmeldungen.

Kinder werden immer wieder als Argument eingesetzt, um einen Gegner, ein Feindbild zu entmenschlichen. Das ist ein ganz typisches Bild. Das ist schon so alt, dass es älter als das Internet selber. Das kennen wir aus dem Mittelalter, aus sogenannten Ritualmordlegenden schon. Eine wirklich bekannte Ritualmordlegende aus dem Mittelalter ist, dass Juden Kinder entführen würden, christliche Kinder entführen würden, um ihnen das Blut abzunehmen, dieses Blut trinken und um damit für immer jung zu bleiben. Diese Geschichte ist im Rahmen der Corona-Pandemie tatsächlich wieder aufgetaucht.

Es seien Legenden aus dem Mittelalter "nur in einem neuen modernen Gewand gekleidet", sagt Wolf.

Anja Martini

Anja Martini erklärt, die Ärzte können über Impfungen für Jugendliche entscheiden.

Andre Wolf | Claudia Spieß

Andre Wolf sieht Muster, die sich wiederholen: Kinder würden immer wieder instrumentalisiert. Bild: Claudia Spieß

Ärzte können entscheiden

Anja Martini erläutert zur Frage, ob sich Kinder gegen den Willen ihrer Eltern impfen lassen könnten, sie sollten sich von ihrem Arzt beraten lassen - "und der muss am Ende entscheiden, ob dieses Kind in der Lage ist, wirklich das selbst zu entscheiden".

Wolf empfiehlt Jugendlichen, sich bei solchen Konflikten in der Familie Hilfe zu suchen, um den Streit zu moderieren. Als Beispiel nennt er Fachleute, die auch im Zusammenhang mit Sekten tätig sind.

Reschke und Paweletz präsentieren Podcast

Seit April präsentieren Reschke und tagesschau-Moderator Michail Paweletz den faktenfinder-Podcast im Wechsel. Alle Folgen finden Sie auf tagesschau.de, in der ARD-Audiothek sowie auf vielen Plattformen, die Podcasts anbieten.

*Wir haben die Identität von "Emma" zu ihrem Schutz geändert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juni 2021 um 16:36 Uhr.