Ein SUV fährt auf dem Münchner Ring.  | Bildquelle: dpa

Lindner zu CO2-Besteuerung Können SUV umweltfreundlicher als Kleinwagen sein?

Stand: 07.08.2019 18:20 Uhr

Ein Diesel-SUV, das nur wenige Kilometer genutzt wird, sei umweltfreundlicher als der Kleinwagen mit hoher Fahrleistung, meint FDP-Chef Lindner. Aber stimmt das wirklich?

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Christian Lindner hat sich in die Debatte über Klimaschutz und CO2-Steuer eingeschaltet: "Nicht die Art oder der Antrieb eines Autos ist entscheidend, sondern die CO2-Bilanz", sagte Lindner dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. "Ein Diesel-SUV, das nur wenige Kilometer genutzt wird, ist umweltfreundlicher als der Kleinwagen mit hoher Fahrleistung", so der FDP-Vorsitzende. "Die Steuerung sollte also über den Kraftstoffpreis erfolgen."

CO2-Bilanz betrifft das gesamte Lebensalter des Fahrzeugs

FDP-Chef Lindner | Bildquelle: dpa
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FDP-Chef Lindner will eine mögliche CO2-Steuer hauptsächlich auf den Verbrauch anwenden.

Bei der Erstellung der CO2-Bilanz eines Fahrzeuges müssen jedoch nicht nur der Verbrauch, sondern auch der Kohlendioxid-Ausstoß bei der Herstellung und Entsorgung sowie bei der Bereitstellung des Kraftstoffs berücksichtigt werden. Der ADAC hat dies 2018 in einer Studie für drei Fahrzeugklassen getan: Demnach fallen bei einem Benzin-Kleinwagen für Produktion und Recycling 5399,8 kg CO2 an, während es bei einem Wagen der Unteren Mittelklasse 6352,8 kg und bei einem Pkw der Oberen Mittelklasse 8893,9 kg sind. Bei Diesel-Fahrzeugen liegen die Werte ähnlich.

Der weitaus größere Anteil  des CO2-Ausstoßes wird jedoch, wie auch Lindners Aussage suggeriert, beim Fahren erzeugt. Dieser liegt aber nach einer Beispielrechnung der Deutschen Energie-Agentur (dena) beim Geländewagen mit 198 Gramm pro gefahrenen Kilometer mehr als doppelt so hoch wie bei einem Kleinstwagen mit 90 Gramm pro Kilometer.

Bei der von der dena angenommenen Konstellation müsste der als Beispiel gewählte Kleinstwagen also fast 39.000 km fahren, bis er so viel Kohlendioxid-Ausstoß wie ein Geländewagen erzeugt hat, der sich noch keinen Meter fortbewegt hat, sofern man beim Bau des SUV - konservativ - einen ähnlich hohen CO2-Wert wie bei einem Wagen der Oberen Mittelklasse annimmt.

SUV werden besonders viel gefahren

Dass ein SUV fast ausschließlich steht, ist jedoch ohnehin nicht realistisch. Laut einer Erhebung des Portals Check24 von 2014 gehören Geländewagen und SUV mit 13.245 Kilometer pro Jahr zu den Pkw mit den höchsten Fahrleistungen. Der Durchschnitt lag in der Studie bei 11.782 Kilometern pro Jahr.

Tatsächlich ist der Kraftstoffverbrauch also der entscheidende Faktor für die CO2-Bilanz eines Autos und sollte daher eine wichtige Rolle bei einer möglichen Bepreisung des Kohlendioxid-Ausstoßes ausspielen - er ist jedoch nicht der einzige.

So gesehen ist Lindners Beispiel theoretisch richtig, der Fall kommt in der Praxis aber nicht vor. Unter realistischen Annahmen liegt die gesamte CO2-Produktion bei einem Geländewagen oder SUV deutlich höher als bei einem Kleinwagen - selbst bei identischer Fahrleistung.

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