Screenshot der Webseite tagesschau.de mit aktiviertem Newsguard

Browsererweiterung Mehr Transparenz bei Nachrichten

Stand: 05.12.2019 12:14 Uhr

Welcher Nachrichtenseite kann ich vertrauen? Wie verlässlich sind die Quellen und Autoren? Eine Browsererweiterung soll helfen, Nachrichten auf ihre Verlässlichkeit zu prüfen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Das Start-up Newsguard soll mehr Transparenz in den Nachrichtenjournalismus bringen. Co-Gründer Steven Brill hat dazu im vergangenen Jahr begonnen, mit einem Team von Journalisten die Online-Angebote amerikanischer Medien zu durchforsten:

Wir geben dem Leser Hintergrundinfos über das jeweilige Medium. Wer es besitzt, wer dafür verantwortlich ist, wie es mit Beschwerden umgeht. Wenn wir eine Nachrichtensete zum Thema Fracking finden und es ist von der Erdöl-Lobby finanziert, machen wir das auch sichtbar.

Vergleich rotes und grünes Newsguard Icon in der Browserleiste
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Ein grünes Symbol zeigt: Alles in Ordnung. Rot heißt: Die Inhalte sind eher kritisch zu betrachten.

Eine Browsererweiterung hilft

Seit einigen Monaten werden auch europäische Medien evaluiert. Newsguard vergibt für Nachrichtenseiten im Netz Zertifikate. Professionelle Journalisten beurteilen eine Nachrichtenseite nach Kriterien wie Glaubwürdigkeit oder Transparenz. Bis zu 100 Punkte in neun Kategorien verteilen sie. Dazu hat das Start-up aus New York ein kleines Programm, eine Erweiterung herausgebracht, die man in seinem Chrome-, Firefox- oder Safari-Browser installieren kann.

Screenshot der Webseite rt.com mit Newsguard aktiviert | Bildquelle: screenshot
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Bei rt.com leuchtet rechts oben das rote Symbol auf.

Je nachdem welche Nachrichtenseite man im Internet gerade liest, färbt sich das Newsguard-Symbol in der Browserleiste ein - bei der Internetseite der tagesschau leuchtet das Newsguard-Symbol in grün, das heißt, der Anbieter gilt als glaubwürdig. Grün gibt es auch für spiegel.de oder faz.net. Bei Seiten, die gegen journalistische Mindeststandards verstoßen, wie zum Beispiel RT.com, einer Website, die von der russischen Regierung finanziert wird, leuchtet das Symbol rot auf mit einem Ausrufezeichen. Ähnlich macht sich die Browser-Erweiterung auch bei der Google-Suche bemerkbar.

Tausende Anbieter bereits bewertet 

Newsguard hat seit seinem Start im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 2300 US-Nachrichtenseiten bewertet sowie rund 700 Seiten aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien. Die Bewertung journalistischer Inhalte findet David Greene gut. Er arbeitet für die Datenschutzorganisation Electronic Frontier Foundation in San Francisco. Greene weiß: Reine Neutralität ist oft nicht möglich: "Der Gedanke, dass wir stets akkurate Nachrichten konsumieren, die immer unvoreingenommen sind, reflektiert nicht, wie Nachrichtenbetriebe funktionieren."

Der Datenschützer von der EFF sieht aber noch eine weitere Schwierigkeit für Unternehmen wie Newsguard. Wie gehen sie mit Angeboten um, die in Ländern wie Russland, der Türkei oder China erscheinen, wo die Presse kontrolliert und oft unterdrückt wird? Hier gibt es aus Geenes Sicht Einschränkungen: "Solche Dienste funktionieren nicht so gut, in Ländern, wo Autoren ihre Texte nicht mit ihrem Namen veröffentlichen können. Und das würde dann zu einer Abwertung führen", betont der Datenschützer. Und er ergänzt: "In manchen Gegenden der Welt können Artikel aber nur unter solchen Bedingungen entstehen."

Sollte der Nutzer nicht selber entscheiden?

Experten fragen außerdem: Kann ein Nutzer nicht selbst zwischen einem seriösen und einem unseriösen Nachrichtenanbeiter  unterscheiden?

Die Download-Zahlen für die Browser-Erweiterung von Newsguard sind nach mehr als einem Jahr jedenfalls ernüchternd. Laut Google wurde die Extension für den Chrome-Browser bislang nur knapp 70.000 mal installiert. Weltweit.

Weitere Angebote prüfen Glaubwürdigkeit

Nicht nur Newsguard will gute von schlechten Angeboten kenntlich machen. Mittlerweile gibt es gemeinnützige Organisationen wie das “Trust Project” im Silicon Valley. Es verfolgt einen komplett anderen Ansatz. Statt mit einer Browser-Erweiterung für End-Nutzer, geht die Organisation dort hin, wo Nachichten entstehen. In die Medienhäuser und Verlage. Das Trust Project will durch weltweite Medienkooperationen die Glaubwürdigkeit in seriöse Medienangebote stärken. Hier machen zum Beispiel die "Washington Post" oder die Deutsche Presseagentur mit.

Browser-Erweiterungen gegen Fake News - Was bringen sie?
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
05.12.2019 08:24 Uhr

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