Impfstoff der Firma BioNTech/Pfizer | REUTERS
faktenfinder

Nanolipide in Impfstoffen Die unterschätzte Gefahr?

Stand: 25.01.2022 10:51 Uhr

Die mRNA-Impfstoffe sorgen bei einem Teil der Bevölkerung für neue Skepsis: diesmal wegen enthaltender Hilfssubstanzen. Experten halten das für weitgehend unberechtigt.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sind mRNA-Impfstoffe erstmals auf breiter Basis bei Menschen eingesetzt worden, was viel Kritik auslöste: Sie seien zu wenig erforscht, mögliche Risiken eventuell noch nicht erkannt. Jetzt werden die auf mRNA basierenden Vakzine aber nicht wegen des aktiven Bestandteils, sondern wegen der Hilfsstoffe angegriffen, die darin enthalten sind.

Wulf Rohwedder

Die sogenannten Adjuvantien sollen ermöglichen, dass der eigentliche Impfstoff an sein Ziel gebracht wird, und dazu beitragen, dass er den gewünschten Effekt erzielen kann. Bei den mRNA-Impfstoffen werden hierfür Lipid-Nanopartikel verwendet: diese umhüllen den eigentlichen Wirkstoff und erleichtern ihm, die Zellmembranen zu überwinden, ohne dabei abgebaut zu werden.

Nicht zur Verwendung am Menschen?

Eine Rechtsanwältin behauptet nun, dass diese Stoffe nicht für Arzneimittel genutzt werden dürften. Der angebliche Beweis: Bei mehreren Laborzulieferern sind diese als "for research only" (nur für Forschungszwecke) beziehungsweise als "not for human use" (nicht für die Verwendung am Menschen) bezeichnet. Das hat jedoch einen einfachen Grund: Die Firmen liefern ihre Produkte nicht an Arzneimittelhersteller, sondern an Labore - und haben sie deshalb nicht für pharmazeutische Zwecke zertifizieren lassen. Eines der erwähnten Unternehmen sah sich daher veranlasst, eine entsprechende Klarstellung zu veröffentlichen.

Entzündungspotenzial besteht

Allerdings gibt es auch Bedenken in Bezug auf die Nanolipide, die auf wissenschaftlichen Forschungen basieren: So stellten Forscher fest, dass eines dieser Präparate bei Mäusen Entzündungen auslöst, wenn sie in den Körper injiziert werden.

Die dabei untersuchten Lipid-Nanopartikel sind jedoch nicht identisch mit den von BioNTech und Moderna in ihren mRNA-Impfstoffen verwendeten Präparaten, erklärt Gregor Fuhrmann, Lehrstuhlinhaber für Pharmazeutische Biologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Daher müsse man die Ergebnisse der Studie eigenständig betrachten. "Mit Rückschlüssen auf andere Vakzine wäre ich vorsichtig. Außerdem sind alle Untersuchungen in diesem Artikel an Mäusen durchgeführt und Ergebnisse können nicht unmittelbar auf den Menschen übertragen werden."

Zudem kann eine lokale Entzündung bei einer Impfung durchaus erwünscht sein: Seit Jahrzehnten werden Impfstoffen Substanzen hinzugefügt, um die Immunreaktion zu verstärken, wobei lokale Entzündungen auftreten können. "Eine solche lokale Entzündung kann dazu beitragen, mehr Immunzellen an den Ort der Injektion zu locken, was insgesamt eine bessere Immunreaktion gegen das Vakzin bewirken kann", erklärt Fuhrmann gegenüber dem ARD-Faktenfinder.

Blut-Hirn-Schranke kaum überwindbar

Bleibt noch eine weitere potenzielle Nebenwirkung: Bestimmte Nanolipide können offenbar mit Zellen der Blut-Hirn-Schranke interagieren, also dazu beitragen, Stoffe in das zentrale Nervensystem zu transportieren. "Positiv geladene Makromoleküle wie auch Lipide, Polymere können mit der negativ geladenen Membran von Zellen interagieren und diese destabilisieren" - was tatsächlich diesen unerwünschten Effekt haben könnte, erklärt Fuhrmann.

Allerdings seien die nun diskutierten Lipide nicht ständig positiv geladen, sondern nur in einer sauren Umgebung. Im Blut herrsche aber eine neutrale Umgebung. "Die Lipide sind dann ungeladen, auch um eben mögliche toxische Effekte zu reduzieren." Zudem sei der Anteil an ionisierbaren Lipiden in den Impfstoffen meist gering, so Fuhrmann "Insgesamt halte ich ein Überwinden der Blut-Hirn-Schranke in größerem Umfang daher für nicht wahrscheinlich."

Viren gelangen tatsächlich ins Gehirn

SARS-Cov-2-Viren können dagegen tatsächlich die Blut-Hirn-Schranke überwinden - und zwar in einem Umfang, der schwere gesundheitliche Schäden und möglicherweise dauerhafte Schäden auslösen kann. Auf welchem Weg dies geschieht, darüber rätseln die Wissenschaftler noch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Januar 2022 um 15:52 Uhr.