Eine Frau in einem Bus trägt eine Maske. | Bildquelle: dpa

Angaben falsch interpretiert Kein Freibrief für Maskenverweigerer

Stand: 18.08.2020 14:58 Uhr

Der Mund-Nasen-Schutz sei gegen Coronaviren unwirksam, das sei jetzt sogar amtlich bestätigt worden. So heißt es aktuell in sozialen Netzwerken. Die zuständige Behörde sieht das jedoch ganz anders.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

"Träger der beschriebenen Mund-Nasen-Bedeckungen können sich nicht darauf verlassen, dass diese sie oder andere vor einer Übertragung von SARS-CoV-2 schützen, da für diese Masken keine entsprechende Schutzwirkung nachgewiesen wurde." So ist es auf der Website des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu lesen.

Gegner der Maskenpflicht wollen darin eine amtliche Bestätigung dafür sehen, dass Masken gegen das Coronavirus nutzlos seien - und empfehlen sogar, bei Kontrollen auf die BfArM-Aussage zu verweisen. Diese Schlussfolgerung enthält jedoch gleich mehrere logische Fehler: Zunächst einmal bezieht sich der Satz des Bundesinstituts ausschließlich auf Behelfs-Mund-Nasen-Masken, nicht jedoch auf andere Maskentypen. Eine generelle Nutzlosigkeit von Masken wird also keinesfalls attestiert.

Aber auch über die selbstgemachten, nicht als Medizinprodukte registrierten Mund-Nasen-Bedeckungen wird auf der BfArM keinesfalls behauptet, dass diese nichts nützen. Die Behörde ist für die klinische Prüfungen von Medizinprodukten verantwortlich, nicht jedoch für Artikel, die nicht in diese Kategorie fallen. Dementsprechend werden diese auch nicht begutachtet - und das Institut kann somit auch nichts über deren konkrete Wirksamkeit im Einzelfall aussagen. Nichts anderes wird mit dem aus dem Zusammenhang gerissenen Satz postuliert.

Wer sich die kompletten BfArM-Empfehlungen ansieht, findet dort - neben Hinweisen zur richtigen Nutzung von Mund-Nasen-Bedeckungen - den Hinweis, dass auch nicht als Medizinprodukte registrierte Masken durchaus einen Beitrag zur Reduzierung der weiteren Ausbreitung der Coronaviren leisten, indem sie die Geschwindigkeit des Atemstroms oder Tröpfchenauswurfs reduzieren.

Bei der BfArM-Empfehlung handelt es sich also keineswegs um einen Freibrief zum Verzicht auf Masken. Und auch im Fall einer Kontrolle dürfte ein Verweis auf den falsch interpretierten Satz wenig nützen.

Auch Sachsen führt wohl Bußgeld ein

Damit die Maskenpflicht eingehalten wird, kündigte nun auch Sachsen an, vom 1. September an bei Verstößen ein Bußgeld einführen zu wollen. Man habe viele Beschwerden erhalten, dass sich ein Teil der Bevölkerung nicht an das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften hält, sagte Sozialministerin Petra Köpping. Ausgenommen von der Maskenpflicht sind Menschen mit einem Attest und Schwerbehinderte.

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