Die Lautsprecher Google Home (l) und Amazon Echo stehen 2017 auf der Internationalen Funkausstellung IFA. | Bildquelle: dpa

#kurzerklärt Wenn der Sprachassistent mitlauscht

Stand: 10.09.2019 09:12 Uhr

Sprachassistenten werden immer beliebter - das zeigt auch die Berliner IFA. Doch die Hersteller speichern die Sprachbefehle samt Umgebungsgeräusche. Wie sehr spionieren die Sprachassistenten ihre Besitzer aus?

Von Stephan Lenhardt, SWR

Mehr als ein Drittel der Deutschen hat im vergangenen Jahr einen Sprachassistenten genutzt. Und jeder achte Erwachsene in Deutschland besitzt sogar eine so genannte Smart Box - einen Lautsprecher mit Sprachassistenten. Weltweit sollen Ende 2019 mehr als 200 Millionen smarte Boxen mit solchen Sprachassistenten installiert sein.

Sprachassistenten gibt es gibt mittlerweile von mehreren Herstellern. Auf unterschiedlichen Boxen. Marktführer ist Amazon Echo mit dem Assistenten Alexa. Aber auch Google, Apple, Microsoft und nun auch die Telekom spielen dort mit.

#kurzerklärt: Spionieren uns Sprachassistenten aus?
09.09.2019, Stephan Lenhardt, SWR

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Wie funktionieren Sprachassistenten?

Die smarten Boxen sind per WLAN mit dem Internet verbunden. Mit Mikrofonen belauschen sie permanent die Umgebung. Wenn sie ein vorgegebenes Stichwort hören, "erwachen" sie. Jetzt sind sie offen für Befehle oder Fragen. Diese Sprachbefehle werden zu den Servern der Hersteller gesendet und dann dort verarbeitet und beantwortet - auch mit Hilfe anderer Dienste wie Spotify, Wetter-Apps oder Nachrichtenanbieter.

Auf diesen Servern werden die Sprachbefehle auch gespeichert - mit allen Umgebungsgeräuschen: Gespräche mit Kindern möglicherweise oder mit Gästen. Die Hersteller betonen, dass dies nur geschehe, wenn zuvor das Aktivierungswort gefallen sei. Tests der "Stiftung Warentest" vom Mai 2019 haben das auch so bestätigt.

Sprachassistenten zeichnen ungefragt auf

Problematisch wird es, wenn das Gerät auf ähnliche Worte reagiert und deshalb ungefragt Gespräche aufzeichnet. Also beispielsweise bei "Alexander" statt "Alexa". Oder "Komm, Peter" statt "Computer". Bereits 2017 hatte das auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in einem Test bemängelt.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages kritisiert, dass nicht klar sei, "wie unbeteiligte Dritte und Minderjährige von der Datensammlung ausgeschlossen werden können". Unklar sei mit Blick in die USA auch, zu welchen weiteren Zwecken Amazon seine Daten zukünftig nutzen könnte, heißt es in dem Gutachten vom Mai 2019.

Und es kommt auch immer wieder zu Pannen: Einmal wurden knapp 2000 Sprachbefehle eines Users versehentlich an einen Dritten weitergegeben. Medien berichten gar von einem Papagei, der bei Alexa Bestellungen per Sprachbefehl aufgegeben haben soll.

Wer hört die gespeicherten Sprachbefehle?

Die meisten Hersteller haben eingeräumt, dass die gespeicherten Sprachbefehle auch von Menschen ausgewertet werden, sogar von externen Mitarbeitern im Home-Office. Möglicherweise hören also sogar Menschen die Mitschnitte am heimischen Küchentisch ab. Die Hersteller betonen, dass dies nur dazu diene, die Spracherkennung der Geräte zu verbessern. Auf die Auswertung durch Menschen hingewiesen haben die Hersteller allerdings nicht.

Mittlerweile weist Amazon zumindest im Kleingedruckten darauf hin, dass Menschen einen Teil der Anfragen überprüfen. Und man kann diese Überprüfung auch in der Amazon-Home-App abschalten.


Google in Europa und Apple weltweit verzichten jetzt vorerst darauf, dass Menschen die Sprachbefehle analysieren. Das allerdings erst auf Druck von Datenschützern.

Mikrofon im Küchengerät

Jeder vierte Haushalt in Deutschland besitzt laut Branchenverband Bitkom bereits eine Smart-Home-Anwendung. Und mehr als jeder dritte Anwender steuert sie bereits mit einem Sprachassistenten, Tendenz stark steigend.

Vor kurzem entdeckten Hacker in einer Art Thermomix von Lidl sogar ein eingebautes Mikrofon, obwohl das Gerät gar keinen Sprachassistenten nutzt. Zwar war das Mikrofon tatsächlich noch deaktiviert, doch der Einbau des Geräts zeigt, dass die Hersteller in Zukunft immer mehr auf Sprachassistenten setzen.

Wer einen Sprachassistenten nutzt, gibt den Herstellern viel von sich preis, selbst wenn keine Menschen die gespeicherten Befehle mithören. Wer das nicht will, sollte vielleicht auf Sprachassistenten verzichten. Oder seine Aufnahmen regelmäßig löschen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 07. August 2019 um 23:53 Uhr und am 10. August 2019 um 23:52 Uhr in der "Kulturpresseschau". Am 07. September 2019 berichtete Deutschlandfunk um 16:31 Uhr.

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