Biene in Krokusblüte | Bildquelle: dpa

#kurzerklärt Deshalb sind Insekten so wichtig

Stand: 02.08.2019 04:20 Uhr

Der NABU startet eine Mitmachaktion zum Insektenzählen. Hintergrund: Die Zahl dieser kleinen Lebewesen schrumpft weltweit. Das könnte dramatische Folgen fürs Ökosystem haben.

Von Vera Cornette, BR

Schwirrende Insektenwolken um Straßenlaternen - sogar an warmen Sommerabenden sind sie Ausnahmen. Kaffee- und Kuchenklatsch auf den Terrassen der Republik - immer seltener stören dabei Insekten. Und auch die Windschutzscheiben der Autos bleiben immer öfter sauber.

Das alles sind Anzeichen für das Verschwinden der Insekten. Die subjektive Wahrnehmung mancher Menschen stimmt mit den Ergebnissen vieler Wissenschaftler überein: Ein Forscherteam um Francisco Sánchez-Bayo vom Sydney Institute of Agriculture hat 70 Einzelstudien zu einem Gesamtbild zusammengefasst.

Die Bedeutung von Insekten für unser Ökosystem
01.08.2019, Vera Cornette, BR

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Katastrophale Folgen für Mensch und Natur

Ihr Ergebnis: Weltweit zeigen 40 Prozent der Insektenarten einen Rückgang. Ein Drittel ist vom Aussterben bedroht. Köcherfliegen, Schmetterlinge und Käfer sind am stärksten betroffen. Wenn sich nichts ändert, meinen die Forscher, könnten Insekten in 100 Jahren ausgestorben sein.

Die Folgen für das Ökosystem wären katastrophal. Denn die Bedeutung der Insekten für Mensch und Natur ist enorm. Bienen, Wespen und Schmetterlinge sind die Bestäuber überhaupt: 90 Prozent aller Wildblumen und 75 Prozent der Nutzpflanzen werden von Insekten bestäubt.

Infografik: Vom Aussterben bedrohte Insektenarten
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Am meisten sind Fliegen, Schmetterlinge und Käfer vom Aussterben bedroht.

33.000 bekannte Insektenarten gibt es in Deutschland, mehrere Millionen weltweit. Und ihre Dienste sind unbezahlbar. Ohne Insekten gäbe es fast kein Obst, kein Gemüse und weniger Fleisch. Denn Insekten bestäuben auch Klee-, also Futterpflanzen für Rinder, Schweine und andere Nutztiere.

Müllabfuhr und Nahrung zugleich

Zusätzlich haben die Sechsbeiner eine wichtige Funktion für den Wald: Sie sind vergleichbar mit einer Müllabfuhr. Blätter, Rinde, Holz und die Kadaver von Tieren - das alles wandert durch die Mägen von Insekten. Dadurch werden die Böden fruchtbarer.

Neben ihrer Aufgabe als Recycler stehen sie weit vorn in oft langen Nahrungsketten: Vögel und kleine Säugetiere, aber auch Fische und Reptilien haben ausgewachsene Insekten oder deren Larven, Maden oder Raupen auf dem Speiseplan.

Experten beim Naturschutzbund Deutschland fürchten, dass auf das Insektensterben ein Vogelsterben folgen könnte. Schon jetzt sind die Bestände vor allem der Vogelarten rückläufig, die sich während der Brut von Insekten ernähren.

"Wir haben seit 1990 in Deutschland 80 Prozent weniger Kiebitze. Das Rebhuhn ist sogar um 84 Prozent zurückgegangen. Es sind aber nicht nur die einzelnen Arten, sondern auch einfach die Menge an Individuen. Wir haben in den letzten zwölf Jahren über zwölf Millionen Vogel-Brutpaare in Deutschland verloren", sagt Konstantin Kreiser, Experte für EU-Naturschutzpolitik beim NABU.

Infografik Insekten in Deutschland
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38 Prozent der Insekten in Deutschland gelten als gefährdet oder selten, fünf Prozent sind ausgestorben.

"Wie seit der Zeit der Dinosaurier nicht mehr"

Auch wenn viele Forscher Alarm schlagen - die Datenlage zum Insektensterben könnte ausführlicher sein. Eine Studie, die bei ihrer Veröffentlichung 2017 für viel Wiederhall sorgte, ist die "Krefelder Studie": In nur knapp drei Jahrzehnten verschwanden Dreiviertel aller Fluginsekten - bezogen auf die reine Biomasse.

Das bedeutet: Für jedes Kilo fliegender Insekten, die 1989 in eine Lebendfalle gerieten, waren es 2016 nur noch 250 Gramm. Und das nicht in Vorstadtgärten, sondern in Naturschutzgebieten. "Wir haben ein globales Massen-Aussterben mit einer solchen Geschwindigkeit, wie es seit der Zeit der Dinosaurier nicht mehr passiert ist", sagt Andreas Segerer von der Zoologischen Staatssammlung München.

Die Ursachen für das Insektensterben sind vielfältig. Hauptsächlich sind es die intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, die den Insekten zu Leibe rücken. Auch immer mehr versiegelte Lebensräume durch Straßen und Wohnungsbau sowie zu aufgeräumte Parks, Balkone oder Gärten rauben Insekten ihre Lebensräume.

Infografik Insektensterben
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In der Zeit von 1989 bis 2016 sind die Fluginsekten um etwa 76 Prozent zurückgegangen.

Nabu startet Zählaktion "Insektensommer 2019"

Der Naturschutzbund (Nabu) hat seine Mitmachaktion "Insektensommer 2019" gestartet. Bis zum 11. August sollen Naturfreunde bundesweit alles zählen, was krabbelt und summt. Beobachtungspunkte können der Garten, ein Park, eine Wiese, ein Wald oder ein Teich sein. Ergebnisse können online auf der Webseite insektensommer.de gemeldet werden.

Gezählt werden sollen alle gesichteten Sechsbeiner in einem Umkreis von etwa zehn Quadratmetern innerhalb einer Stunde. Doch wie vermeidet man, immer dieselbe Hummel oder Biene doppelt und dreifach zu zählen? "Bei großen, mobilen Arten wie Schmetterlingen, Wespen oder Hummeln notiert man die größte Zahl gleichzeitig anwesender Tiere", sagt Nabu-Insektenexperte Heinz Peper. Bei sehr kleinen Insekten wie zum Beispiel Blattläusen helfe ein Foto, das man später in Ruhe zu Hause auswerten könne.

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