Eine Frau mit Handy | dpa

#kurzerklärt Frauen an der Spitze bleiben selten

Stand: 07.03.2019 16:34 Uhr

Auch 2019 gibt es kaum Frauen in den Top-Gremien der großen deutschen Unternehmen. Im Mittelstand ist der Frauenanteil rückläufig. Eine Entwicklung, die auch auf der Unternehmenskultur beruht.

Von Vera Cornette, BR

Weltweit gehen am 8. März viele Frauen für ihre Rechte auf die Straße, in Berlin ist der Internationale Frauentag sogar Feiertag. Schon im Vorfeld gab es viel zu lesen: Interviews, Porträts, Studien, die erklären, wie es um die Gleichberechtigung steht. Auch das Immobilienunternehmen Engel & Völkers wollte auf diesen Zug aufspringen. Aber es geschah das Gegenteil.

Männer-Vorstand zollt Frauen Respekt

Auf Twitter postete das Unternehmen einen Artikel-Link, in dem der Firmengründer und vier Vorstandsmitglieder dazu befragt werden, welche Frauen aus dem privaten Umfeld oder öffentlichen Leben sie am meisten beeindruckt haben.

Ein Post, der viral ging. Nicht wegen der Aussagen der Männer, sondern gerade bei Twitter wurde kritisiert, dass bei aller Anerkennung für Frauen der Vorstand rein männlich besetzt ist.

Damit ist das Immobilienunternehmen nicht allein: Keines der 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland wird laut einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young von einer Frau geführt.

Etwas mehr Frauen in Vorständen börsennotierter Unternehmen

Von den aktuell 711 Vorstandsmitgliedern der Firmen im Dax30, MDAX und SDAX sind demnach 61 Frauen. Ihr Anteil liegt damit bei knapp neun Prozent. Zwar ist der Frauenanteil zum siebten Mal in Folge leicht gestiegen, dennoch ist nur jedes zwölfte Mitglied im Vorstand eine Frau.

Bei den Mittelständlern in Deutschland sinkt der Anteil der Unternehmen mit einer Frau an der Spitze: Im Jahr 2017 wurde nur gut jede sechste mittelständische Firma (15,4 Prozent) von einer Chefin geleitet. Das ergab eine Studie der Förderbank KfW. Ein Jahr zuvor lag der Anteil bei 16,4 Prozent, im Jahr 2013 bei gut 19 Prozent.

Ein Grund: mangelnde Vereinbarkeit

"Beim Thema Frauen in Führungspositionen hinkt Deutschland hinterher", kritisierte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. "Nicht nur die Chefsessel im Mittelstand sind wieder zunehmend männlich besetzt, auch im mittleren und höheren Management in der Wirtschaft gibt es im internationalen Maßstab deutlichen Nachholbedarf."

Die Gründe, warum die obersten Chefetagen in Deutschland männlich geprägt sind, sind vielfältig: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei wichtig, geht aus der KfW-Studie hervor. Sprich das Betreuungsangebot für Kinder, die Unterstützung bei zu pflegenden Angehörigen, die Aufteilung der Hausarbeit sollte gewährleistet sein.

Unternehmenskultur ist entscheidend

Die deutsch-schwedische Allbright-Stiftung kommt zum einem anderen Befund, der noch ausschlaggebender sei: Die Stiftung hat die jeweils 30 größten börsennotierten Firmen in Frankreich, Großbritannien, Polen, Schweden, den USA und Deutschland verglichen. Dass nirgendwo sonst so wenige Frauen in der Führungsebene vertreten sind wie in Deutschland, führen die Autoren der Studie vor allem auf die Einstellung der Unternehmen zurück.

Im Vergleich seien die USA das Land mit den schlechtesten Rahmenbedingungen - ohne Recht auf Elternzeit, ohne flächendeckende kostengünstige Ganztagsbetreuung -, aber doch mit mehr Frauen in den Vorständen. Das liegt der Allbright-Stiftung zufolge daran, dass die Ressource der berufstätigen Frauen von Unternehmen in den USA konsequent und effektiv genutzt wird.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. März 2019 um 22:15 Uhr.