Zwei Ärzte arbeiten in einem Operationssaal im Roten-Kreuz-Krankenhaus in Bremen. | Bildquelle: dpa

#kurzerklärt Warum gibt es so wenige Organspender?

Stand: 01.06.2019 08:22 Uhr

Jährlich sterben bundesweit etwa 1000 Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, so die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Europaweit gehört Deutschland zu den Ländern mit den wenigsten Spendern. Doch warum?

Von Julia Henninger, SWR

Sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen, zu überlegen, was mit den Organen danach passieren soll - das ist nicht gerade ein einfaches Thema. Will ich wirklich Organe spenden oder nicht? Spende ich alle Organe und mein Gewebe? Schließe ich etwas aus?

Folgende Organe können nach dem Tod gespendet werden: Niere, Herz, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Außerdem Gewebe wie beispielsweise Augenhornhaut, Herzklappen, Blutgefäße oder etwa Knochen.

#kurzerklärt: Warum gibt es so wenige Organspender?
01.06.2019, Julia Henninger, SWR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Voraussetzungen für die Organspende

Damit eine Organentnahme rechtlich überhaupt in Frage kommt, müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen - also den unumkehrbaren Ausfall der gesamten Hirnfunktion. Ursache sind oft Hirnblutungen, ein Unfall oder geplatzte Blutgefäße im Gehirn. Eine Gewebespende ist auch nach dem Herz-Kreislauf-Tod, also dem gewöhnlichen Tod möglich.

Zudem muss man sich in Deutschland bisher zu Lebzeiten aktiv für die Organ- und Gewebespende entschieden haben und das in der Patientenverfügung oder im Organspendeausweis dokumentiert haben. Auf dem Organspendeausweis kann man genau angeben, ob man spenden möchte oder nicht. Und man kann auch Organe ausschließen. Wer also seine Nieren spenden möchte, sein Herz aber nicht, kann das festhalten. Und die Entscheidung kann man beliebig oft ändern.

Bei einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im vergangenen Jahr gaben 39 Prozent an, ihre Entscheidung für oder gegen eine Organspende schriftlich festgehalten zu haben. Entweder in der Patientenverfügung, dem Organspendeausweis oder in beidem. Bei all denjenigen, die das nicht getan haben, müssen dann die Hinterbliebenen entscheiden.

Viele Menschen warten auf ein lebensrettendes Organ

Etwa 9400 registrierte Patienten warten bundesweit auf ein lebensrettendes Organ, doch nur 955 Menschen haben im vergangenen Jahr nach dem Tod Organe gespendet, so die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Und das sind so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Zahl der Spender ist wieder gestiegen, trotzdem ist Deutschland europaweit eines der Länder mit den wenigsten Organspendern.

2017 kamen in Deutschland auf eine Million Einwohner knapp zehn Menschen, die nach dem Tod Organe gespendet haben. In Polen waren es knapp 15, in Portugal 34, in Belgien etwa 33. Vorreiter ist Spanien mit etwa 47 Organspendern pro eine Million Einwohner.

Warum ist Spanien Vorreiter?

Ein entscheidender Grund ist die Struktur in den Krankenhäusern. In Spanien konzentriere sich die Organspende auf weniger Kliniken, die dafür besonders gut ausgestattet seien, so die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Die Ärzte und Pflegenden auf den Intensivstationen würden eng mit den Mitarbeitern der für die Organspende zuständigen Organisationen zusammenarbeiten. Auch sei es in Spanien in den Kliniken selbstverständlich, am Lebensende eines Patienten an die Organspende zu denken.

Bei den Kliniken will auch das Bundesgesundheitsministerium mit einer Gesetzesänderung vom 1. April 2019 ansetzen. Krankenhäuser würden eine Schlüsselrolle bei der Erhöhung der Organspende spielen, daher sollen sie mit der Gesetzesänderung mehr Geld und Zeit bekommen, um die Abläufe verbessern zu können, so das Bundesgesundheitsministerium.

Allerdings können in Spanien laut Deutscher Stiftung Organtransplantation anders als in Deutschland Organe auch nach dem Herzstillstand entnommen werden. Das mache in Spanien etwa ein Viertel der Organspenden aus.

Widerspruch- statt Entscheidungslösung

Zusätzlich gilt in Spanien die Widerspruchlösung. Das bedeutet, in Spanien ist man automatisch Spender, es sei denn, man hat zu Lebzeiten widersprochen. Also genau andersherum als bisher in Deutschland - wo man extra zustimmen muss.

Die Widerspruchlösung gilt in vielen anderen Ländern wie beispielsweise in Belgien, Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Italien, Polen, Portugal oder etwa Schweden. Diese Widerspruchlösung ist jetzt auch in Deutschland in der politischen Diskussion.

Übrigens: Verstirbt eine Person im Ausland, so wird sie nach der gesetzlichen Regelung des Landes behandelt, nicht nach der des Heimatlandes. Wer also nach Spanien oder Italien in den Urlaub fährt und dort verstirbt, ist automatisch Spender, es sei denn, er hat widersprochen.

Wer keine Entscheidung trifft, überlässt dies den Angehörigen

Bei einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben in Deutschland fast die Hälfte der Befragten noch gar keine Entscheidung getroffen. Als Grund nennt fast die Hälfte der Unentschiedenen, dass sie sich zu wenig mit dem Thema beschäftigt hat. Was viele nicht bedenken: Wer keine Entscheidung zu Lebzeiten trifft, der überlässt diese Entscheidung seinen Angehörigen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Juni 2019 um 09:00 Uhr.

Korrespondentin

Julia Henninger | Bildquelle: SWR/Alexander Kluge Logo SWR

Julia Henninger, SWR

Darstellung: