Bunt geschminkte Karnevalistinnen | dpa

#kurzerklärt Karneval, Fastnacht oder Fasching?

Stand: 28.02.2019 11:23 Uhr

Ab heute heißt es wieder Schunkeln, Bützchen, Feiern: Mit der Weiberfastnacht startet heute die heiße Phase des Straßenkarnevals. Doch was genau sind eigentlich Karneval, Fastnacht oder Fasching?

Von Martin Schmidt, SWR

So unterschiedlich die regionale Ausprägung auch daher kommt, es gibt eine gemeinsame Geschichte von Karneval, Fastnacht und Fasching. Der Kulturwissenschaftler Werner Mezger beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem deutschen Brauchtum - vor allem im Südwesten. Er schreibt, die gesamte neuere Forschung sei sich darüber einig, dass die Brauchformen keineswegs aus vorchristlicher Zeit stammen. Ihren Ausgangspunkt hätten sie "voll und ganz im christlichen Jahresverlauf" - im Fest vor der Fastenzeit, die mit Aschermittwoch beginnt.  

Einen entscheidenden Hinweis dafür liefern schon die drei Namen der närrischen Feierei selbst. Bei Fastnacht ist es schnell erklärt: Ursprünglich eben die Nacht vor Beginn der Fastenzeit. Karneval stammt höchstwahrscheinlich vom lateinischen "carnelevare" ab, was so viel wie Fleischwegnahme - eben in der Fastenzeit - bedeutet. Und Fasching kommt vom mittelhochdeutschen "vaschanc": das Ausschenken des Fastentrunks, also des letzten alkoholischen Getränks vor der Fastenzeit.

Fasten und Fastnacht: Eine katholische Angelegenheit

Bis Ostern 40 Tage fasten, genauso lange, wie Jesus es laut Bibel auch einmal getan hat. Alle Katholiken sind dazu angehalten. Für Protestanten gibt es die Fastenpflicht seit Martin Luther nicht mehr. Das erklärt, warum sich der närrische Brauch vor allem in katholisch geprägten Gebieten verbreitet hat.

Die Katholiken verzichteten in der Fastenzeit früher übrigens nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Butter, Käse, Eier und Milch. Daher ging es beim Feiern vorm Fasten nicht nur um die große Party vor der Enthaltsamkeit. Die verderblichen Vorräte mussten schnell noch weg: Kühlmöglichkeiten gab es kaum. Was mit den Vorräten tun? Am besten fettiges Gebäck aus vielen Eiern und Milch machen. Das erklärt, warum es fast überall vor allem Berliner (auch Krapfen, Kräppel oder Pfannkuchen genannt) als klassisches Karnevalsgebäck gibt. 

Rheinischer Karneval entsteht in Köln

In Köln entstand 1823 eine neue exklusive Form des Karnevals. Um es dem herrschenden Preußenkönig, Friedrich Wilhelm dem Dritten, Recht zu machen, gründete die gehobene Bürgerschaft dafür ein Festkomitee: Feiern o.k., aber bitte klar geregelt. Das fastnächtliche Geschehen sollte vom Pöbelhaften und Ordinären befreit werden. Anspruchsvolle Impulse sollten dem Ganzen formal und inhaltlich ein edleres Gepräge geben, schreibt Werner Mezger. 

Dazu gehört in Köln seitdem eine närrische Antwort auf die Regierung: mit Prinzenpaar, Elferrat und Funkengarde. Der Karneval samt seiner Rosenmontagszüge breitete sich dann entlang des Rheins aus: 1825 gab es ihn ähnlich auch in Düsseldorf und ab 1838 auch in Mainz. Sogar im Süden herrschte schließlich "Prinz Karneval", doch etwa um 1900 kam es dort zur Rolle rückwärts.

Der Ursprung ist überall in Deutschland derselbe

"Eine kleine fastnächtliche Konterrevolution", nennt Mezger, was um die Jahrhundertwende in Baden, Württemberg und in Hohenzollern passiert ist. Die einfachen Arbeiter wollten sich "von denen da oben" nicht länger bevormunden lassen. An den närrischen Tagen sollten sie nicht - wie sonst im Alltag ohnehin - von den so genannten besseren Kreisen bevormundet oder auch ausgegrenzt werden. Sie packten die alten Narrenkleider wieder aus, die sie vereinzelt in den Truhen auf dem Speicher liegen hatten. Feiern wieder wie im späten Mittelalter - zurück zum Mummenschanz, zur "vorromantischen Fastnacht", wie Mezger schreibt. Schwäbisch-alemannische Fastnacht statt rheinischem Karneval.

Ob aber Alaaf, Helau oder Narri Narro - der Ursprung ist überall in Deutschland derselbe: Das ausgelassene Feiern vor dem Fasten.