DFB-Fahne (Archivbild) | Bildquelle: dpa

DFB und DFL Wer hat die Macht im deutschen Fußball?

Stand: 27.09.2019 13:06 Uhr

Der Freiburger Fritz Keller soll den DFB nach Skandalen wieder auf Kurs bringen. Die Strukturen sind kompliziert. Wer bestimmt, was im deutschen Fußball passiert?

Von Sebastian Deliga, SWR

Wer an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) denkt, der denkt gleich an jede Menge Skandale: So war zuletzt DFB-Präsident Reinhard Grindel zurückgetreten, weil er sich eine Luxus-Uhr schenken ließ. Sein Amtsvorgänger Wolfgang Niersbach musste abtreten, weil ihm die Sommermärchen-Affäre um die Ohren flog, die noch immer nicht vollständig aufgearbeitet ist.

DFB-Präsident Reinhard Grindel | Bildquelle: ALEXANDER BECHER/EPA-EFE/REX/Shu
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DFB-Präsident Reinhard Grindel trat wegen einer Luxus-Uhr zurück.

Größter deutscher Sportverband

Am 28. Januar 1900 gegründet, ist der DFB heute der größte deutsche Sportverband. Derzeit hat er mehr als sieben Millionen Mitglieder. Nur der Deutsche Turner-Bund, zweitgrößter deutscher Spitzenverband, ist mit knapp fünf Millionen Mitgliedern annähernd so groß; alle weiteren Verbände folgen mit großem Abstand.

Aufbau wie die Bundesrepublik

Der DFB ist föderal aufgebaut wie die Bundesrepublik: Er besteht aus fünf Regional- und 21 Landesverbänden. In den Landesverbänden sind derzeit etwa 24.500 Amateurvereine organisiert. Der Sitz des Dachverbandes ist Frankfurt am Main. Das höchste Gremium ist der DFB-Bundestag, sozusagen das "Parlament" des DFB: Die mehr als 250 Delegierten wählen Präsidium und Vorstand und fassen Beschlüsse.

DFB-Bundestag (Archivbild) | Bildquelle: dpa
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Der DFB-Bundestag wählt das Präsidium und den Vorstand des Verbands und fasst Beschlüsse.

Das Präsidium, dem unter anderem der Präsident, die Vizepräsidenten, der Schatzmeister und der Generalsekretär angehören, "regiert" den DFB. Dem Vorstand gehören neben den Präsidiumsmitgliedern noch die Präsidenten der Landes- und Regionalverbände und zwölf Vertreter der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an.

350 Millionen Euro Umsatz

Im Jahr 2018 hat der DFB nach eigenen Angaben einen Umsatz von mehr als 350 Millionen Euro zu verzeichnen. Das Eigenkapital beläuft sich auf mehr als 150 Millionen Euro. Seine Geschäfte bündelt der DFB in einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft, der neuen "DFB GmbH": Sie war im Sommer 2017 aus der Verschmelzung mehrerer Tochterfirmen entstanden und umfasst als Vermarktungsgesellschaft unter anderem Sponsoring, Medienrechte und Merchandising.

Grundsteinlegung für DFB-Akademie
nachtmagazin 00:15 Uhr, 26.09.2019, Gerrit Rudolph, HR

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2018 hat der DFB nach eigenen Angaben rund 356 Millionen Euro ausgegeben, etwa so viel, wie er umgesetzt hat. Das Geld floss unter anderem in Verwaltung und Kommunikation, Spielbetrieb und Vermarktung.

Gemeinnützigkeit bleibt

Was immer wieder für Schlagzeilen sorgt: Der DFB ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Das heißt, er darf ausschließlich gemeinnützige Zwecke verfolgen. Dafür ist er steuerbegünstigt. Die Höhe der Steuerzahlungen belief sich 2018 nach DFB-Angaben auf rund 24 Millionen Euro.

Fanproteste gegen den DFB (Archivbild) | Bildquelle: dpa
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Immer wieder gab es Fanproteste gegen die Beschlüsse des DFB.

Kritiker monieren, dass der Profit beim DFB zu sehr im Vordergrund stehe. So sagt der Ökonom Wolfram Richter, beim DFB dominiere der "wirtschaftliche Geschäftsbetrieb", also etwa die Vermarktung von Spielen der Nationalmannschaft: "Der ideelle Bereich ist vernachlässigbar, die selbstlose Förderung der Allgemeinheit muss man in Frage stellen."

Gerade das sei aber die Voraussetzung für die Gemeinnützigkeit, so Richter: "Ich würde also behaupten, dass der DFB keine gemeinnützige Körperschaft im originären Sinne des Gesetzes ist." Der DFB hat sich dazu auf unsere schriftliche Anfrage hin nicht geäußert.

Das "Grundgesetz" des deutschen Fußballs

Laut seiner Satzung trägt der DFB die "Gesamtverantwortung für die Einheit des deutschen Fußballs". Der DFB hat mehrere Aufgaben: Er erteilt die Lizenzen an die Vereine, die in der dritten Liga spielen, ist für die Nationalmannschaften zuständig, organisiert den DFB-Pokal, das Schiedsrichterwesen und die Sportgerichtsbarkeit. Laut seiner Satzung obliegt dem DFB auch die Zuständigkeit für die Bundesliga und die 2. Bundesliga.

Faktisch hat der DFB die Kompetenz dafür aber an einen anderen Player abgetreten: die Deutsche Fußball-Liga (DFL). 2001 beschloss der DFB eine Strukturreform. Die Proficlubs machten sich selbstständig, schieden aus dem DFB aus und gründeten einen eigenen Ligaverband, offiziell ein Teil des DFB. Unter anderem zur Organisation des Spielbetriebs und zur Vermarktung wurde die DFL GmbH gegründet.

Milliardenumsätze in der Liga

Blick durch Kameraobjektiv auf Bundesliga-Logo
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Ein Großteil der DFB-Einnahmen kommen aus Fernsehrechten.

Bundesliga und 2. Bundesliga erzielten laut DFL in der Saison 2017/18 rund 4,4 Milliarden Euro Umsatz, unter anderem aus Fernsehrechten, Werbeeinnahmen und Transfererlösen. Ihre Interessen regeln DFB und DFL in einem Grundlagenvertrag, dem "Grundgesetz" des deutschen Fußballs.

Diese Vereinbarung ist ebenso umstritten wie komplex. Im Wesentlichen funktioniert der Grundlagenvertrag so: Die DFL zahlt dem DFB einen Teil ihrer Einnahmen aus Fernsehrechten und Ticketverkäufen, einen "Pachtzins" - und zwar für das Recht, die Bundesliga durchzuführen. Vereinbart sind drei Prozent der Einnahmen der DFL. Im Gegenzug zahlt der DFB auch Geld an die DFL, nämlich 15 bis 30 Prozent der Erlöse aus der Vermarktung der Nationalmannschaft.

Allerdings existieren noch Zusatzvereinbarungen zum Grundlagenvertrag: Beide Player dürfen ihre Zahlungen an den jeweils anderen deckeln. Die DFL muss maximal 26 Millionen Euro pro Saison an den DFB zahlen. Und auch der hat eine Höchstgrenze eingezogen: Maximal 20 Millionen Euro. Für den DFB bleiben also sechs Millionen Euro übrig.

Kritik der Amateure am Grundlagenvertrag

Kritiker, vor allem aus dem Lager der Amateure, üben harsche Kritik am Grundlagenvertrag. Engelbert Kupka, Sprecher der Aktionsgemeinschaft "Rettet die Amateurvereine" und Ehrenpräsident der Spielvereinigung Unterhaching, sieht die Amateurvereine als Verlierer: "Mit dieser Deckelung ist praktisch auch jede Partizipation an den steigenden Einnahmen der Profis ausgeschlossen.

Die DFL, die circa vier Milliarden Euro Umsatz macht, zahlt damit für die Überlassung der äußerst lukrativen Übertragungsrechte nur noch sechs Millionen Euro. Das gehe letztendlich alles zu Lasten des Amateurfußballs, der nunmehr endgültig von der Vermarktung des Profifußballs abgekoppelt sei.

#kurzerklärt: Wer hat die Macht im deutschen Fußball?
26.09.2019, Sebastian Deliga, NDR

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DFB: Amateure ausreichend gefördert

Der DFB sagt, ein Abweichen von dieser Vereinbarung sei "nicht konsensfähig". Außerdem würden die Amateure durch den Grundlagenvertrag durchaus gefördert: Die Landesverbände hätten bereits früher von der Differenz der beiderseitigen Leistungen Unterstützung durch den DFB erhalten. Diese seien zwischenzeitlich auf acht Millionen Euro angehoben worden.

Wer hat die Macht?

Auf die Frage, wer seiner Meinung nach die größte Macht hat im deutschen Fußball, antwortet Kupka: "Ganz eindeutig die DFL." Der Sportmarketing-Experte Peter Rohlmann sieht den Unterschied eher zwischen Profis und Amateuren: "Den stärksten Einfluss im deutschen Fußball haben die, die das meiste Geld bewegen und am besten organisiert sind - und das sind die Profibereiche DFL und A-Nationalmannschaft der Herren." Hinzu komme, dass die Profis eine kleinere Gruppe darstellten als die Amateure, dadurch schneller zu Entscheidungen kämen und von internen Zwistigkeiten und Gegensätzen bei den Amateuren profitierten, findet Rohlmann.

In jedem Fall sind DFB und DFL eng miteinander verwoben und gleichzeitig auf unterschiedlichen Spielfeldern unterwegs. Die Macht im deutschen Fußball ist im Wesentlichen auf zwei Player verteilt.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 26. September 2019 um 00:15 Uhr.

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