Screenshot von Google Maps | Bildquelle: Screenshot / Google Maps

"Google Maps Hacks" Der Haken am simulierten Stau

Stand: 05.02.2020 16:26 Uhr

Mit 99 Smartphones durch Berlin spazieren und dabei einen virtuellen Stau erzeugen? Das geht, sagt ein Berliner Künstler und sorgt weltweit für Aufsehen. Doch lässt sich Google Maps wirklich so leicht austricksen?

Von Luisa Szabo für tagesschau.de

Es klingt so schön einfach: Der Berliner Künstler Simon Weckert hat eine Idee. Er will Google Maps hinters Licht führen. Dafür schnappt er sich einen Handkarren, packt 99 Smartphones rein und läuft damit durch Berlins Straßen. Auf allen Handys öffnet er Google Maps und zieht den Handkarren hinter sich her.

Weckert filmt die Tour und postet das Video später auf YouTube. Darauf sieht man: Während Weckert durch wenig frequentierte Straßen läuft, verändert sich die Straßenkarte in Google Maps von grün auf rot. Laut Weckert der Beweis: Die App interpretiert die 99 Handys als Kolonne aus 99 Autos und meldet einen Stau.

Mehr als 2,7 Millionen Klicks

Mittlerweile hat das Video mehr als 2,7 Millionen Klicks und Simon Weckert hat es innerhalb weniger Tage weltweit in die Schlagzeilen geschafft. Viele deutsche Medien berichteten - darunter auch tagesschau.de - und sogar internationale Medien wie die "Washington Post" und "CNN" thematisierten die Aktion, die Weckert selbst als "Google Maps Hacks" bezeichnet.

Doch die Sache hat einen Haken: "Das Ganze funktioniert nur, wenn kein Auto auf der Straße unterwegs ist", sagt Digitalexperte Dennis Horn vom WDR. "Sobald ein Auto auf derselben Route fährt, erkennt die App das." In diesem Fall verfehlen die 99 Smartphones von Weckert ihr Ziel, erklärt Horn.

Bereits am Montag hatte Netzexperte Marcel Weiss auf seiner Website darauf hingewiesen, dass es mit der Methode nicht möglich ist, auf einer vielbefahrenden Straße in Google Maps einen Stau zu simulieren. Schon ein einziges Auto, dessen Fahrer Google Maps nutzt und mit regulärer Geschwindigkeit fährt, lasse den Algorithmus den Schwindel erkennen. Dies hat Weckert inzwischen gegenüber mehreren Medien zugegeben. Er habe für die Aktion gezielt bereits wenig genutzte Straßen ausgesucht.

Mit den 99 Smartphones in der Handkarre täuscht Wencker einen Stau vor. | Bildquelle: Simon Weckert
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Simon Weckert war für "Google Maps Hacks" auf wenig befahrenen Straßen unterwegs.

Google selbst spricht von einem seltenen und spezifischen Fall, räumt aber ein, dass eine große Anzahl von Geräten an einem Ort, auf denen Google Maps ausgeführt wird, in der Regel ein Beweis für einen Stau sei - "bei normaler Verwendung." In einem Interview mit der "FAZ" gibt Weckert dann aber zu, dass die App sofort keinen Stau mehr angezeigt habe, wenn ein Auto auf seiner Straße unterwegs war. Er habe bewusst Straßen ausgesucht, auf denen wenig los war.

Kunstprojekt von "vermeintlicher Erkenntnis trennen"

Mit der Aktion wollte Weckert nach eigener Aussage aufzeigen, welche Auswirkungen der Kartendienst auf unsere Gesellschaft hat. "In jedem Fall hat er damit eine Diskussion entfacht", sagt Digitalexperte Horn. Gleichzeitig müsse man die Kunstaktion von der vermeintlichen Erkenntnis trennen.

Dass Weckert mit seiner Aktion die Straßen tatsächlich staufrei machen konnte, bezweifelt er. "Die Straßen waren ja vorher schon leer." Generell schätzt Horn die Leistung der Kartendienst-App von Google als sehr genau ein. „Wenn sie hier und da kleine Ungenauigkeiten aufweise, könne das auch mit einzelnen Problemen bei der Ortung der Smartphones zusammenhängen“, sagt Horn.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Februar 2020 um 06:52 Uhr.

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