Die Wetterkarte vom 27.06.2022
faktenfinder

tagesthemen-Wetterkarte Neues Design statt Manipulation

Stand: 25.07.2022 18:39 Uhr

Wieder einmal wird den öffentlich-rechtlichen Anstalten vorgeworfen, mit Wetterkarten die Hitze in Deutschland deutlich dramatischer darzustellen als noch vor ein paar Jahren. Der wahre Grund ist deutlich unspektakulärer.

Von Andrej Reisin und Pascal Siggelkow, Redaktion ARD-faktenfinder

In diesem Sommer sorgt nicht nur das Wetter für hitzige Gemüter, sondern auch dessen Darstellung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der Vorwurf: Während vor einigen Jahren Temperaturen von mehr als 20 Grad Celsius noch mit neutralen oder vergleichsweise milden Farbtönen auf den Karten abgebildet wurden, sind es heutzutage alarmistisch anmutende Rottöne. Die angebliche Intention dahinter: Mit solchen Karten soll den Zuschauern suggeriert werden, wie dramatisch die Erderwärmung ist - während ähnliche Temperaturen früher noch als angenehm verkauft wurden.

Andrej Reisin
Pascal Siggelkow

Konkret geht es in einem Fall um zwei Ausschnitte aus der Wettervorhersage der tagesthemen. Während in einer Sendung aus dem Juni 2017 sogar Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius auf einer grün eingefärbten Deutschlandkarte abgebildet werden, sieht es bei einer Sendung aus dem Jahr 2022 deutlich röter aus - trotz Spitzentemperaturen von "nur" 32 Grad. Der AfD-Politiker Georg Pazderski schreibt dazu auf Twitter: "Exemplarischer kann man die bewusste Manipulation der Zuschauer kaum verdeutlichen. Was vor 5 Jahren noch grün war, ist heute knallrot."

Ein Tweet mit dem Vergleich von zwei Wetterkarten von 2017 und 2022. | Twitter

Bild: Twitter

Wechsel auf einheitliches Kartendesign

Die Sendungen, aus denen die Screenshots für den Post gemacht wurden, sind unter anderem auf dem YouTube-Kanal der tagesthemen noch zu sehen. Es stimmt, die Temperaturkarten unterscheiden sich in den beiden Sendungen deutlich.

Und das aus einem einfachen Grund, teilt die Leiterin der zuständigen Wetterredaktion des Hessischen Rundfunks (HR), Silke Hansen, mit: "Das Wetter für die tagesthemen wird seit 2020 nicht mehr von unterschiedlichen Redaktionen und Firmen angeliefert, sondern vom ARD-Kompetenzzentrum in Frankfurt. Wir haben bei der Übernahme das komplette Design umgestellt und dem Design der tagesschau angepasst. Seitdem gibt es auch in den tagesthemen keine Wolkensymbole mehr, sondern einen Wolkenfilm und die Temperaturen werden auf einer Temperaturkarte dargestellt, wie es bei der tagesschau seit 30 Jahren gemacht wird."

Das Design von tagesthemen und tagesschau sei vereinheitlicht worden, die Moderatorinnen und Moderatoren aber dieselben geblieben.

Nicht der erste Vorwurf der Kartenmanipulation

Der Vorwurf dahinter ist nicht neu. Oftmals handelt es sich bei den mutmaßlichen Beweisfotos für die angebliche Manipulation jedoch um einen Trugschluss: Zum Beispiel, wenn Wetter- mit Temperaturkarten verglichen werden. Denn während eine Wetterkarte abbildet, wie das Wetter werden soll (sonnig, bewölkt, regnerisch), dient die Temperaturkarte dazu, die Gradzahlen auch farblich abzubilden. Die Skala kann dabei von Dunkelrot für heiße Temperaturen bis kaltem Blau reichen.

Allerdings hat nicht jede Temperatur eine eigene Farbe, außerdem wird der Farbbereich entsprechend der Jahreszeiten gewechselt. Eine Farbskala, die im Sommer und im Winter im Einsatz wäre - also von minus 20 bis plus 40 Grad - hätte keine klar erkennbaren Farbunterschiede mehr. Deshalb verwendet die Wetterredaktion des HR vier unterschiedliche Farbskalen, die immer einen Teil abdecken: Fünf Grad sind so im Sommer blau und im Winter gelb oder orange.