Ferkel in einem Schweinezuchtbetrieb | Bildquelle: dpa

Fleischproduktion Impfung statt Kastration nicht gewollt?

Stand: 29.01.2019 09:16 Uhr

Die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung ist weiter erlaubt - trotz jahrelanger Debatten. Ministerin Klöckner sagt, ein Grund sei, dass viele Verbraucher Vorbehalte gegen andere Methoden hätten. Stimmt das?

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Bereits seit Jahren diskutieren Politiker, Tierschützer und Bauernverbände über die Ferkelkastration. In Deutschland werden jährlich Millionen männliche Ferkel kastriert - ohne Betäubung. Durch die Kastration soll verhindert werden, dass Eber männliche Geschlechtshormone und entsprechende Geruchsstoffe produzieren. Diese können bei der Zubereitung den Geruch und Geschmack von Schweinefleisch verändern.

Ein Schweinezüchter legt ein junges Ferkel zur Kastration in eine Narkoseanlage. | Bildquelle: dpa
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Ein Schweinezüchter legt ein junges Ferkel zur Kastration in eine Narkoseanlage.

Frist verlängert

Bereits im Jahr 2008 hatten Deutscher Bauernverband, Verband der Fleischwirtschaft und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels in der "Düsseldorfer Erklärung" das Ziel formuliert, auf die betäubungslose Kastration zu verzichten. Die Entwicklung von alternativen Verfahren solle beschleunigt werden.

Im Jahr 2013 billigten CDU/CSU und FDP dann eine Änderung am Tierschutzgesetz; der Entwurf war im Vorfeld allerdings entschärft worden. Eigentlich sollte ab 2017 eine Betäubung vorgeschrieben werden. Diese Vorschrift wurde aber auf 2019 vertagt. Die Regierung gewährte der Fleischwirtschaft also eine Übergangsfrist von sechs Jahren, um sich auf das Ende von betäubungslosen Kastrationen vorzubereiten.

Diese Frist wurde Ende November aber um weitere zwei Jahre verlängert. Im Bundestag stimmten Abgeordnete von CDU/CSU, SPD und AfD dafür. Danach billigte der Bundesrat der Fristverlängerung für die betäubungslose Kastration bis 2021. Als Grund heißt es in dem Gesetzentwurf, dass die derzeit verfügbaren Alternativen zur betäubungslosen Kastration den Anforderungen der Praxis nicht gerecht würden. Bauern und Handel bräuchten Unterstützung und mehr Zeit.

Agrarpolitik auf dem Prüfstand
Bericht aus Berlin, 20.01.2019, Tamara Anthony, ARD Berlin

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Welche Alternativen gibt es?

Es gibt grundsätzlich mehrere Alternativen - beispielsweise die Ebermast oder eine chirugische Kastration mit Anästhesie. Es drohen dabei allerdings Nebenwirkungen und Wundheilungsstörungen bei den Tieren.

Eine weitere Alternative ist die sogenannte Immunokastration. Diese stimuliert die Bildung von Antikörpern, um die Hodenfunktion zu unterdrücken und somit die Ausbildung des Ebergeruchs zu verhindern. Die Schweine werden bei Mastbeginn sowie einige Wochen vor der Schlachtung geimpft.

Ministerin nicht beteiligt?

Mehrere Hundert Landwirte demonstrieren am Rande der Agrarministerkonferenz im September 2018. | Bildquelle: dpa
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Mehrere Hundert Landwirte demonstrieren am Rande der Agrarministerkonferenz im September 2018.

Der Großen Koalition und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner wurde von Opposition und Tierschützern vorgeworfen, sich mit der Ende November beschlossenen Fristverlängerung dem Druck der Agarlobby gebeugt zu haben. Tatsächlich hatten Bauernverbände zuvor einen entsprechenden Schritt von der Politik gefordert.

Im "Bericht aus Berlin" wies die CDU-Politikerin diesen Vorwurf zurück und sagte, die Fristverlängerung für die betäubungslose Kastration habe nicht sie gemacht, "sondern der Bundestag und der Bundesrat". Allerdings hatten sich zuvor die Spitzen von CDU, CSU und SPD am 1. Oktober im Koalitionsausschuss auf die Fristverlängerung geeinigt.

Weiterhin hatte das Landwirtschaftministerium am 2. Oktober eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der es die Einigung unterstützte:

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) begrüßt, dass die Koalitionsfraktionen sich darauf geeinigt haben, die Übergangsfrist zu verlängern. Ferkelproduktion soll auch künftig in Deutschland möglich bleiben. Dabei ist der Tierschutz dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein sehr wichtiges Anliegen, für das sich das Bundesministerium auch künftig mit Nachdruck einsetzen wird. Ohne eine Fristverlängerung würden die Sauenhalter in Deutschland aber Wettbewerbsnachteilen gegenüber ausländischen Wettbewerbern ausgesetzt sein.

Das Ministerium wolle alles daran setzen, "tierschutzgerechte Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration zu forcieren". Deshalb werde es "eine Verordnung auf den Weg bringen, mit der es den Landwirten ermöglicht wird, die Betäubung durchzuführen". Diese Pressemitteilung wurde mittlerweile von den Seiten des Ministeriums gelöscht.

Ministerium schickt "Richtigstellung"

Eine Sprecherin des Ministeriums schichte dazu eine "Richtigstellung" an die tagesschau. Bei der Mitteilung habe es sich "um keine Pressemeldung, sondern um eine Presseinformation" gehandelt, die die Pressestelle in einen Verteiler mit rund 2500 Kontakten verschickt hat. Die Sprecherin weiter:

Diese Presseinformation ist auch nicht zurückgeholt worden oder ähnliches. Insofern ist die Konstruktion oder das Suggerieren, dass das BMEL eine Position geräumt hätte oder etwas Unliebsames verschwinden lassen wollte, nicht richtig. Auf der Homepage werden immer wieder „Umbauten“ vorgenommen, vor allem, wenn Einträge bereits mehrere Monate alt sind.

Allerdings hatte das Ministerium diese "Presseinformation" in der Rubrik "Pressemitteilungen" auf seiner Homepage veröffentlicht, wie der Link zu der Seite zeigt. Zudem sind andere Presseinformationen und -Mitteilungen aus den vergangenen Monaten und sogar Jahren noch auf der Seite des Ministeriums verfügbar.

Julia Klöckner, Agrarministerin, zur Ferkelkastration
Bericht aus Berlin, 20.01.2019

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Lehnen Verbraucher Impfungen ab?

Fragwürdig erscheint auch die Äußerung von Ministerin Klöckner, die ebenfalls im "Bericht aus Berlin" sagte, die "Verbraucher lehnen die Impfung ab":

Die Sache mit zum Beispiel der Hormonimpfung, die Sie gerade eben gezeigt haben: Zur Ehrlichkeit hätte dann jetzt in Ihrem Beitrag auch dazu gehört, dass ganz viele Verbraucher das ablehnen, weil sie von Hormonfleisch ausgehen.

Der Begriff "Hormonfleisch" erscheint irreführend, denn es werden keine Hormone geimpft, sondern die Produktion von Hormonen wird blockiert. Das genaue Gegenteil also. Verschiedene Studien und Umfrage legen aber nahe, dass viele Verbraucher keineswegs eine solche Impfung ablehnen. So verkauft Rewe nach eigenen Angaben seit Jahren Biofleisch von geimpften Tieren, ohne dass es Probleme gebe.

Die Organisation Foodwatch veröffentlichte zudem eine Umfrage. Ergebnis: Viele deutsche Supermarktketten sprechen sich gegen die betäubungslose Kastration von Ferkeln aus. Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd erklärten demnach, schon heute kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren zu verkaufen. Real und Kaufland gaben an, die Verbraucherakzeptanz der Methode zu prüfen. Die Antworten der Supermarktketten veröffentlichte Foodwatch komplett.

Die Bundesregierung teilte sogar selbst im Mai 2018 mit, ihr "liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass eine breite Masse der Verbraucher Fleisch von Tieren, bei denen die Immunokastration angewandt wurde, ablehnen". Die aktuelle geringe Marktakzeptanz hänge mit der "Zurückhaltung der Fachleute aus der Branche gegenüber der Immunokastration" zusammen.

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