Jugendlicher kauft Alkohol | dapd

Satire über die Grünen Kein Alkoholverbot im Ramadan gefordert

Stand: 29.05.2018 11:53 Uhr

Eine Satire-Seite meldet, die Grünen-Politikerin Roth fordere ein Alkoholverbot in Deutschland während des Ramadan. Nutzer in sozialen Netzwerken glauben die Meldung - und beschimpfen die Politikerin.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Die Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth, fordere "mehr Entgegenkommen der Gesellschaft hinsichtlich der Muslime im Land" ein. "Ein Verkaufsverbot für Alkohol während des Ramadans sei ein 'wichtiges Zeichen für die Toleranz'." So beginnt ein Artikel der Satire-Seite "Berlin Express". Die Überschrift lautet: "Claudia Roth: Im Ramadan soll ein Verkaufsverbot für Alkohol bestehen".

Mit einem Klick auf die Rubrik "Über uns" ist der Hintergrund der Seite zu erkennen. Dort heißt es: "Wir finden auch, dass es zu wenig Online-Satire gibt. Dem wollen wir mit unserem "Berliner Express" entgegentreten." Der Herausgeber von "Berlin Express" verantwortet auch ein anderes Online-Projekt, das sich als Magazin gegen "postfaktische Mainstreammedien" bezeichnet.

Steinbach: Roth soll "endlich Burka tragen"

Obwohl es sich also um eine Satire handelt, nehmen einige Nutzer die Meldung ernst. Die AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative NRW teilte die Geschichte auf Twitter und kommentierte: "Für uns ist das ein absolutes No-Go. Wer hier her kommt, lebt unsere Werte. Wir unterwerfen uns nicht dem #Islam."

Auch die ehemalige CDU-Abgeordnete Erika Steinbach verbreitete die Meldung und forderte, Roth solle "endlich eine Burka tragen und konvertieren". 300 Mal wurde allein dieser Tweet geteilt.

Nutzer wiesen Steinbach auf den satirischen Hintergrund hin, was Steinbach mit der Antwort kommentierte, Roth werde "von vielen schon längst als Satire wahrgenommen".

Auf einigen rechten Blogs wurde zwar mittlerweile darauf hingewiesen, dass es sich bei der Geschichte um eine Satire handele, dennoch wird Roth heftig beleidigt. "Natürlich sollte Fatimah Roth endlich Burka tragen! Alleine schon, um ihr eher 'unschönes' Äußeres nicht mehr ertragen zu müssen!", heißt es beispielsweise in einem Kommentar. Auf "Philosophia Perennis" heißt es: "Das sensible Naturell von Roth leidet ohnehin schon unter dem Dauerbeschuss von Hassmails."

Auf Anfrage des ARD-faktenfinder an das Abgeordnetenbüro von Roth hieß es, dort seien bereits mehrere Zuschriften zu der Meldung eingegangen. Einige wollten wissen, ob diese Nachricht tatsächlich wahr sei, andere Zuschriften seien höchst beleidigend.

Satire über Essen ernstgenommen

Erst in der vergangenen Woche hatte das ungarische Staatsfernsehen gemeldet, die Stadt Essen werde während des Ramadan in Fasten umbenannt. Die neuen Schilder seien schon aufgestellt worden, hieß es mit Kameraschwenk auf den Bericht, der das zeigen soll. Ein Beweis für die Islamisierung Deutschlands - so die Botschaft. Doch auch hier handelte es sich um eine Satire.

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KOMMENTARE

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frosthorn 29.05.2018 • 19:55 Uhr

@paddi, 16:42

Das traut "man" sich nicht offen in der "ich Form" zu sagen, weil man sich damit bis auf die Knochen blamiert. Das ist nur ein Grund. Die man-Form wird auch gerne verwendet, um zu implizieren, dass die eigene Meinung die der Allgemeinheit sei. Dafür allerdings den korrekten Begriff "rhetorisches Stilmittel" zu verwenden, würde mir jetzt nicht einfallen. Dazu haben die Leute, die gerne so formulieren, zu wenig mit Rhetorik und zu wenig mit Stil zu tun.