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Eisberg in der Antarktis | Bildquelle: AFP

Ozeane und Eisberge Was macht der Klimawandel mit den Meeren?

Stand: 04.10.2019 16:50 Uhr

Auch nach Veröffentlichung des IPCC-Berichts wird weiter angezweifelt, dass wärmere Temperaturen einen Anstieg des Meeresspiegels verursachen können. Die Fakten widersprechen dem.

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Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Die Erhöhung des Meeresspiegels wird als eine der größten Gefahren des Klimawandels angesehen - oder aber als Panikmache abgetan. Dabei sind die Effekte, die steigende Temperaturen auf die Ozeane haben würden, ausführlich erforscht.

Erhöht sich der Meeresspiegel durch schmelzendes Eis?

Wenn Eiswürfel in einem Glas schmelzen, steigt das Flüssigkeitsniveau nicht an: Die vom Eis verdrängte Getränkemenge wird vom Schmelzwasser eingenommen. Dies gilt jedoch nur, wenn Eis und Getränk die gleiche Dichte haben. Ist in dem Glas - wie in den Meeren - Salzwasser, während der Eiswürfel - so wie Eisberge - aus gefrorenem Süßwasser besteht, steigt der Pegel an, weil Salzwasser eine höhere Dichte besitzt.

Nur etwa zehn Prozent der Eismassen sind in Meereis gebunden. Das meiste gefrorene Eis auf der Erde besteht jedoch aus Süßwasser - und befindet sich auf dem Land, vorwiegend in der Arktis und der Antarktis sowie auf Grönland. Darin seien etwa 68 Prozent der Süßwasservorkommen der Erde gespeichert, erklärt Renate Treffeisen, Leiterin des "Klimabüros für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg" und Klimawissenschaftlerin am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, gegenüber tagesschau.de.

Das gesamte geschätzte Volumen dieser Eismassen beträgt etwa 30 Millionen Kubikkilometer. Würde es komplett abschmelzen, dann käme die so frei werdende Wassermenge zu der in den Weltmeeren hinzu. Experten schätzen, dass sich der Meeresspiegel dann um 50 bis 80 Meter erhöhen würde.

Würde das Schmelzwasser komplett ins Meer fließen - oder auch versickern oder auf den Landmassen als Seen bleiben?

Der Hauptteil des Schmelzwassers von Gebirgsgletschern werde über die Flüsse den Ozeanen zugeführt, erklärt Expertin Treffeisen. In einzelnen Gebirgsregionen ist das Schmelzwasser auch ein wichtiger Faktor für die lokale Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser und für die Bewässerung von Feldern und Landwirtschaft.

Dennoch trägt der Beitrag durch Gletscherschmelze mit etwa einem weiteren Drittel zum bisherigen Meeresspiegelanstieg bei - auch wenn zum Beispiel in Grönland etwa 30 Prozent des anfallenden Schmelzwassers wieder gefriert. Dieser Anteil ist aber bereits bei der Berechnung des Massenverlusts berücksichtigt.

Der Matanuska-Gletscher in Palmer, Alaska. | Bildquelle: AFP
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Auch von Gletschern im Binnenland gelangt ein großer Teil des Schmelzwassers in dei Weltmeere.

Wieso ist kein permanenter Anstieg des Meeresspiegels zu beobachten?

Der Meeresspiegel unterliegt starken Schwankungen, zum Beispiel durch Wetter, Mondphasen und Jahreszeiten. Im Mittelwert ist jedoch ein Anstieg eindeutig feststellbar.

Wieso gibt es dann immer wieder Berichte, dass die Eismenge zunimmt?

Auch auf die Bildung von Eis haben viele Faktoren Einfluss, sodass sie starken Schwankungen unterliegt. Tatsächlich lässt sich eine Zunahme des Eises auf dem Meer beobachten. Schwindet dieses, wäre der Effekt auf den Meeresspiegel zunächst gering. Bei dem auf Land befindlichen Eis ist jedoch eindeutig eine Abnahme erkennbar.

Welche weiteren Effekte hat die globale Erwärmung auf den Meeresspiegel?

Wasser hat bei vier Grad Celsius die höchste Dichte - bei Temperaturen darunter und darüber dehnt es sich aus. Je wärmer die Weltmeere werden, desto höher wird der Meeresspiegel. In den Jahren 2005 bis 2017 trugen diese thermische Ausdehnung zu etwa einem Drittel zum Anstieg des globalen Meeresspiegels bei, sagt Klimaforscherin Treffeisen.

Schmilzt das Eis über den Landmassen, so wird der Druck auf Regionen in unmittelbarer Nähe zu den Eissschilden - zum Beispiel in Skandinavien - geringer, wodurch sich diese anheben. Gleichzeitig sinken Küstenregionen zum Beispiel in Nordeuropa, die am Rand des früheren Eisschilds lagen, teilweise ab, was laut Treffeisen eine Verstärkung des regionalen Meeresspiegelanstiegs zur Folge hat.

Das Eis auf Landmassen und Meeren reflektiert zudem einen großen Teil des Sonnenlichts. Würde es abschmelzen, dann würde einen großer Teil dieser Strahlungsenergie absorbiert, was wiederum ein weiteren Abschmelzen des Eises auslösen würde. Zudem würde das Wasser in den Ozeanen, das bisher von Eis bedeckt war, wiederum mehr Wärme an die Atmosphäre abgeben, was den Schmelzprozess weiter beschleunigen könnte.

Durch den Schmelzprozess würden außerdem enorme Mengen kalten Wassers in die Ozeane gelangen. Dies könnte einen Einfluss auf die Hauptströmungen wie den Golfstrom haben. Dies hätte unabsehbaren Folgen für das globale Klima, insbesondere in Nordeuropa.

Über dieses Thema berichtete ARD-alpha am 18. September 2019 um 21:00 Uhr.

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