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Facebook-Anzeigen Profit durch Desinformation

Stand: 25.10.2021 13:59 Uhr

Facebook betont, man gehe gezielt gegen Desinformation vor, bei politischen Anzeigen sei der Konzern besonders sensibel. Recherchen von tagesschau.de zeigen, wie Facebook weiterhin mit irreführenden und falschen Aussagen Geld verdient.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

"Verheerende Anzahl an Corona-Impftoten" - diese alarmierende Schlagzeile hat der AfD-Politiker Joachim Kuhs für ein Posting auf Facebook gewählt. In dem dazugehörigen Text heißt es, es habe in den ersten neun Monaten des Jahres bereits 1028 Todesfälle als Folge von Corona-Impfungen gegeben.

Eine Behauptung, die sich bei genauerer Betrachtung als nicht haltbar erweist, aber immer wieder in ähnlichen Form auftaucht - beispielsweise bei dem russischen Staatssender RT Deutsch.

Basis solcher Behauptungen und Schlagzeilen sind Zahlen des Paul-Ehrlich-Institiuts (PEI), die regelmäßig aktualisiert und veröffentlicht werden. Dabei wird genau diese Transparenz umgekehrt zu der Behauptung, es solle etwas verheimlicht werden. So fragt der AfD-Politiker Kuhs - während er sich auf öffentlich zugängliche Statistiken des PEI beruft - in seinem Posting: "Was wird hier verheimlicht?"

Verdachtsfälle

Das grundlegende Missverständnis oder eine mutmaßliche bewusste Irreführung liegt in solchen Fällen im Unterschied zwischen gemeldeten Verdachtsfällen und tatsächlichen kausalen Zusammenhängen. Das PEI verweist in seinen Statistiken ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei diesen Zahlen um Verdachtsfälle handele; ein ursächlicher Zusammenhang sei damit nicht erwiesen.

AfD-Politiker Kuhs erwähnt in dem Text zu seinem Posting sogar einmal, dass es sich lediglich um Verdachtsfälle handelt, gleichzeitig werden diese Fälle aber als Folge der Impfungen dargestellt.

Aussage "nicht korrekt"

Ähnlich klingt es bei der AfD-Fraktion in Sachsen, die Mitte September erklärte, allein bis Ende Juni habe es in dem Freistaat 19 bestätigte Todesfälle nach Corona-Impfungen gegeben. Sie bezieht sich dabei auf eine Antwort des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales auf eine Anfrage der AfD zu dem Thema. Darin betonte das Ministerium in einer Vorbemerkung ausdrücklich, die folgenden Angaben bezögen sich auf Verdachtsfälle. Im Folgenden führte das Ministerium unter anderem 19 Todesfälle auf, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung gestanden hätten. Bei den meisten Verstorbenen handelt es sich dabei um Menschen ab 80 Jahre, die älteste war 92 Jahre alt.

Auf Anfrage von tagesschau.de erklärte das Ministerium dazu: "Die Aussage, dass es in Sachsen (bis Juni 2021 insgesamt 19) bestätigte Todesfälle nach SARS-CoV-2 Impfung gab, ist nicht korrekt." Bei den Meldungen handele es ich um Verdachtsfälle im zeitlichen Zusammenhang, der aber nicht gesichert sei. In den seltensten Fällen werde solch ein tatsächlicher Zusammenhang jedoch bestehen, da der Abstand zwischen Impfung und Tod der Betroffenen teilweise mehrere Wochen betrug, so dass ein Zusammenhang in vielen Fällen schon aufgrund des langen Zeitraums oft sehr unwahrscheinlich sei.